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Spielzeug aus Holz

Noch bis morgen ist in Nürnberg Spielwarenmesse. Neue Brettspiele, elektronischer Schnick Schnack, Modelleisenbahnen, Plüsch, aber auch sehr viel Holzspielzeug werden gezeigt. Denn gerade Holz ist in der Spielwarenindustrie wieder im Kommen. Der Trend geht zu Qualität und zu gesundem, ökologisch vertretbarem Spielzeug. Wolfgang Nitschke hat sich auf der Spielwarenmesse unter dem Gesichtspunkt Umwelt umgesehen:

von: Wolfgang Nitschke |
    Noch bis morgen ist in Nürnberg Spielwarenmesse. Neue Brettspiele, elektronischer Schnick Schnack, Modelleisenbahnen, Plüsch, aber auch sehr viel Holzspielzeug werden gezeigt. Denn gerade Holz ist in der Spielwarenindustrie wieder im Kommen. Der Trend geht zu Qualität und zu gesundem, ökologisch vertretbarem Spielzeug. Wolfgang Nitschke hat sich auf der Spielwarenmesse unter dem Gesichtspunkt Umwelt umgesehen:

    Spielen ist für Kinder gesund und Spielen ist grundsätzlich auch umweltverträglich. Trotzdem überlegen Eltern heute sicher wesentlich intensiver darüber nach, was sie ihren Kindern in die Hand geben, als dies noch vor 10 oder 20 Jahren der Fall war. Immer wieder findet man in den bekannten Zeitschriften mit Öko im Titel Berichte über chemische Ausdünstungen der verarbeiteten Materialien oder die Gefährlichkeit von Lacken und Farben. Aber: Es ist in den letzten Jahren in Europa kein Fall bekannt geworden, bei dem Grenzwerte auch nur annähernd erreicht – geschweige denn überschritten wurden. Denn die Hersteller können gar nicht alles auf den Markt werfen, was sie wollen. Corinna Printzen, Geschäftsführerin des deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie:

    Spielzeug unterliegt sehr, sehr starken Sicherheitsvorkehrungen. Es gibt die europäische Sicherheitsrichtlinie für Spielzeug, es werden an die mechanisch-physikalischen Eigenschaften große Anforderungen gestellt, aber auch an die Chemie und gerade in Punkto Chemie ist diese europäische Sicherheitsrichtlinie nun einer großen Revision unterworfen.

    Und die Revision betrifft vor allem Lacke und Farben, aber auch Holzschutzmittel und die zulässigen Kunststoffe. Und gerade mit denen hat Dr. Hellmuth Schwarz, Leiter des Spielzeugmuseums Nürnberg schon einige Erfahrungen gemacht, die man als durchaus bedenklich bezeichnen kann:

    Viele, viele Sachen, die in den 50er Jahren und auch noch in den 60er Jahren entstanden sind, die zersetzen sich, die Weichmacher verflüchtigen sich, das Material wird spröde oder matschig. Das sind ganz schreckliche Dinge, die wir da in die Hand bekommen und die wir dann auch aussortieren müssen, weil sie einfach nicht mehr tragbar sind – der heutige Kunststoff ist völlig anders.

    Und auch vor 20 oder 30 Jahren gab es schon Kunststoffe, die sich nicht auflösen. Legosteine zum Beispiel – auch wenn sie schon 30 Jahre alt sind, muss man aus Umweltgesichtspunkten sicher nicht entsorgen. Aber der Trend geht eindeutig zu Holz. Auch Verlage, die bislang nicht mit Holz gearbeitet haben – setzen auf den Trend. Allerdings hauptsächlich für den deutschen Markt. Spiele, die hierzulande aus Holz gefertigt werden, sind in Amerika oder China aus Plastik:

    Deutschland hat eine gewisse Ausnahmestellung, denn hier gibt es ein Publikum, was gewachsen ist, auch im Zuge der ökologischen Bewegung, denn natürlich macht man sich auch in ökologisch sensiblen und interessierten Kreisen Gedanken, was gebe ich meinen Kindern in die Hand und natürlich hat Holz eine ganz andere Wertigkeit, eine andere haptische Qualität als Kunststoff.

    Und Holzspielzeug macht in der Regel keinen Lärm – im Gegensatz zu den modernen elektronischen Spielgeräten. Kreischende Puppen, lärmende Fahrzeuge, sprechende Monster – auch davon findet man auf der Spielwarenmesse wieder eine reiche Auswahl. Und es soll bereits Kinderzimmer geben, in denen der Lärmpegel eines Presslufthammers herrscht. Tom Werneck, Mitglied der Jury Spiel des Jahres:

    Das liegt in der Verantwortung der Eltern, was sie ihren Kindern in die Hand geben – es ist bekannt, dass übermäßiger Lärm irgendwann zu Gehörschäden führt.

    Und ein weiterer Nachteil aller elektronischen Spielwaren ist die Tatsache, dass sie elektromagnetische Felder aufbauen, die oft weitaus stärker sind, als die von Handys oder Mobilfunksendemasten – doch so sensibel viele Eltern bei diesem Thema reagieren, bei funkgesteuertem Spielzeug oder der sprechenden Puppe herrscht zumeist Sorglosigkeit. Und noch ein weiteres Thema sollte man bei den Drachentötern, Science-Fiction-Helden oder elektronischen Haustieren bedenken. Im Grunde sind sie alle – so sie nicht mehr zum Spielen verwendet werden oder nicht mehr up to date sind – Sondermüll. Eine Neuheit der Messe beispielsweise – eine Schmusekatze, die miaut, faucht, sich bewegt, wenn man sie streichelt – besteht aus Dutzenden von Sensoren, einem Sprachprozessor, einem Kunststoffkörper und dem Fell. Diese Komponenten wieder zu trennen, wäre teurer, als die Katze. Doch das Entsorgungsproblem beginnt schon bei den Brettspielen:

    Es gibt ja nicht, wie beim Auto oder beim Kühlschrank, eine überschaubare Art von gleichgearteten Komponenten, also Metall oder Kunststoffe, die sich in irgendeiner Art – auch in großen Mengen – zu recyceln rentieren. Spiele gibt es in unterschiedlichster Ausprägung und Aufmachung und Ausstattung. Man muss sich aber vor Augen halten, dass allein hier zu Lande 20 Millionen Schachteln pro Jahr über den Tresen wandern, und wenn man das 10 Jahre macht, dann sind es halt 200 Millionen Schachteln. Da nutzen auch keine Archive und Flohmärkte oder sonstige Sammler, sondern da geht eben das meiste, wenn es zu Tode geliebt und kaputt gespielt ist – schlicht in den Sperrmüll.

    Von den Herstellern will sich zu der Entsorgungsproblematik von Spielzeug niemand äußern, denn die Branche will keine schlafenden Hunde wecken. Würde die Bundesregierung oder die EU der Spielwarenindustrie ähnliche Rücknahmeverordnungen auferlegen, wie sie die Automobilindustrie hinnehmen musste, wäre das für die Hersteller nämlich eine zumindest mittlere Katastrophe, die einige Firmen sicher nicht überleben würden.