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SpitzensportreformGroße Sorge um die Nachwuchsgeneration

Das Herzstück der Reform des deutschen Leistungssports sei von den Athleten verstanden worden, sagte Kanutin Silke Kassner aus der Athletenkommission im DOSB im Dlf. Dennoch gebe es große Sorgen bei den Sportlern. Vor allem die Ungewissheit über die Verlegung von Stützpunkten führe zu Zukunftsängsten.

Silke Kassner im Gespräch mit Marina Schweizer | 15.07.2017

Silke Kassner, Athletensprecherin und Kanutin
"In diesen Struktur-Diskussion und Stützpunkt-Überlegungen - wo wird zentriert und wo nicht - haben die Sportler Sorgen und Bedenken", sagte Athletensprecherin Silke Kassner im DLF. (Jessica Sturmberg / Deutschlandradio)
Wird mein Stützpunkt verlegt und wenn ja wann und wohin? Solche Fragen stellen sich deutsche Leistungssportler aktuell nach der Spitzensportreform. Manche Standorte sind bereits verlegt worden - etwa mussten die Stuttgarter Beachvolleyballer zum neuen bundesweiten Leistungszentrum nach Hamburg umziehen.
"Sportler werden gezwungen, sich von A nach B zu begeben. Da sind noch einige Fragen offen, zum Beispiel, ob der Sportler an dem einen Standort seinen Lebensabschnitt, Studium, Schulabschluss beenden kann, wer den Umzug finanziert - weil es eigentlich ein unfreiwilliger Umzug ist", sagte Athletensprecherin Silke Kassner.
"Man muss sich rückbesinnen: Wofür machen wir das?"
Weil an einem solchem Umzug das gesamte soziale Umfeld und die Familie hänge und man vielleicht schon ein Haus gebaut habe, erwarte man vom DOSB und von den Verbänden, "dass man in einen vernünftigen Dialog mit den Athleten tritt und erklärt: So sieht die Zukunft aus und wir müssen das gemeinsam schaffen."
Auch für die Verbände sei das keine kleine Herausforderung. "Man muss sich auch nochmal rückbesinnen, beide Seiten: Wofür machen wir das? Wir wollen alle erfolgreich sein im Leistungssport." Das Herz der Reform sei verstanden. "Und dass gute Strukturen auch für einen gut funktionieren Leistungssport wirken, ist allen klar."
Doch man erkenne auch, dass erfolgreiche Sportler, in die der Sport viele Jahre investiert hat, ihre Karriere beenden, weil die Rahmenbedingungen für einen Leistungssportler sehr hart sind. "Unserer größte Sorge ist, dass eine Nachwuchsgeneration verloren geht. Das darf auf keinen Fall passieren."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.