Montag, 15. April 2024

Kritik an Klubführung als Grund?
Fans von PSG an Reise zum Spiel nach Troyes gehindert

Fans von Paris Saint-Germain sind an ihrer Reise zum Spiel nach Troyes gehindert worden. Fanvertreter nennen den Vorgang unverhältnismäßig und illegal, Kritik an der Klubführung soll aus ihrer Sicht der Grund sein. Der Klub äußerte sich noch nicht.

Von Chaled Nahar | 10.05.2023
    Blick ins Stadion Troyes - eine Fangruppe von Paris Saint-Germain durfte nicht zum Spiel.
    Blick ins Stadion Troyes - eine Fangruppe von Paris Saint-Germain durfte nicht zum Spiel. (AP / Lewis Joly)
    Paris Saint-Germain hatte am Sonntagvormittag rund 450 Eintrittskarten der Gruppe "Collectif Ultras Paris" (CUP) für das Spiel am Sonntagabend bei ES Troyes storniert, wie die Fangruppe mitteilte. PSG begründete den Schritt öffentlich nicht. Die Gruppe hat aber seit einiger Zeit kein gutes Verhältnis zur Klubführung.

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    Am Stadion abgewiesen oder an der Anreise gehindert

    450 Fans der Gruppe CUP versuchten am Sonntagabend, deshalb ohne Karten zum Stadion nach Troyes zu reisen. 200 von ihnen wurden ihrer Darstellung zufolge am Stadion abgewiesen, 250 andere demnach an einer Mautstation in ihren Bussen gestoppt und nach Gesprächen mit Klubvertretern, dem Unterpräfekten und der Polizei zurück nach Paris geschickt. "Weder die Präfektur noch der Klub haben eine andere Lösung als die Rückreise nach Paris angeboten", hieß es. CUP nannte die Maßnahme unverhältnismäßig und illegal.
    Der Klub äußerte sich bislang nicht zu dem aktuellen Vorgang, auch die Behörden gaben noch keine Stellungnahme ab.
    Pierre Barthélemy, ein Anwalt, der Fans häufig bei Konflikten mit den Behörden berät, kritisierte das Vorgehen deutlich. "Es ist absolut ernst", schrieb er. "Der Staat beraubt die Bürger ihrer Grundfreiheiten, weil ein Wirtschaftsunternehmen nicht akzeptiert, dass das Versagen ihrer Führungspersonen öffentlich kritisiert wird." Der Unterpräfekt habe "im Dienste privater Interessen eines ausländischen Staatsfonds" gehandelt und keine Rechtsgrundlage für die Maßnahme genannt.

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    "Wie weit werden sie gehen, um die Interessen eines Klubs in Staatsbesitz zu wahren?"

    Am Mittwochabend (03.05.2023) hatten zahlreiche PSG-Fans gegen die Klubführung protestiert. Bei den Protesten wurde der Rücktritt des Präsidenten gefordert. Der Präsident, das ist Nasser Al-Khelaifi aus Katar. Er steht innerhalb des katarischen Staatsfonds der Sportsparte Qatar Sports Investments (QSI) vor, die den Klub PSG besitzt.
    Al-Khelaifi ist in den Strukturen der UEFA und des europäischen Klubfußballs zu einer mächtigen Figur aufgestiegen, in der aktiven Fanszene von PSG steht er aber in der Kritik. Und genau das soll aus Sicht der Fans der Anlass für die Verhinderung der Reise nach Troyes gewesen sein.
    "Sie haben ohne rechtliche Grundlage die Tickets storniert und die Anreise verhindert. Die Polizei hat illegal gehandelt, um die Wünsche des Klubs zu erfüllen", sagte Ronan Evain vom europäischen Fanbündnis Football Supporters Europe (FSE) im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. "Das wirft die Frage auf, wie weit die Behörden gehen werden, um die Interessen eines Klubs zu wahren, der sich in staatlichem Besitz befindet." Am Samstagabend trifft PSG im Parc des Princes auf AC Ajaccio. Die Gruppe CUP kündigte am Mittwoch nach dem Spiel an, vorerst alle Aktivitäten einzustellen. Man werde "keine Kompromisse bei unseren Freiheiten" eingehen und erwarte Antworten vom Klub.

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    Proteste gegen die Klubführung und einige Stars

    Im Zuge der Proteste am Mittwochabend (03.05.2023) waren rund 100 Fans auch vor das Haus von Neymar gezogen. Festnahmen oder andere polizeiliche Maßnahmen gab es nicht. PSG sprach dennoch von "unerträglichen und beleidigenden Handlungen einer kleinen Gruppe". Der Nachrichtenagentur AFP zufolge verstärkte der Klub "die Sicherheitsmaßnahmen".
    Evain wendet ein: "Daran waren keine Fans der Gruppe beteiligt, deren Tickets storniert wurden. Und der Klub weiß das."

    Kritisches PSG-Plakat von Troyes-Fans präsentiert

    Auf einem Plakat bei den Protesten unterstellten die Fans, dass der Präsident "grüne Scheine den Fans vorzieht". Die Fans aus der Gruppe CUP waren in Troyes nicht im Stadion, ihr Plakat schon. Fans von ES Troyes hielten es aus Solidarität hoch.