Mittwoch, 06. Juli 2022

Sportausschuss
Vorwürfe gegen Frank Ullrich nur Randthema bei Anti-Doping-Sitzung

Alle geprüften Sportfachverbände in Deutschland verfügen über eine Unbedenklichkeitsbescheinigung "Antidoping". Dieses Ergebnis wurde dem Sportausschuss von der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA vorgelegt. Über die Vorwürfe gegen den Ausschuss-Vorsitzenden Frank Ullrich von der SPD wurde indes kaum gesprochen.

Von Wolf-Sören Treusch | 18.05.2022

Der Anhörungssaal, in dem der Sportausschuss des Deutschen Bundestages tagt.
Der Anhörungssaal, in dem der Sportausschuss des Deutschen Bundestages tagt. (imago images/Christian Ditsch)
Der Sportausschuss des Bundestages nutzte die Anhörung zum Anti-Doping-Bericht der NADA in dieser Woche, um auch einen Blick auf die Geschädigten des Dopings in der DDR zu werfen. Als Sachverständige geladen war die erste Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke. An einem besonders perfiden Beispiel wird deutlich, wie in der DDR zwangsgedopt wurde: „Die Pillen waren in Kaugummis und kleinen Süßigkeiten versteckt.“
Tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene bekamen leistungssteigernde Mittel verabreicht, die meisten von ihnen ohne ihr Wissen. Viele leiden bis heute unter den Folgen. Körperlich und seelisch. Die erste Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur war als Sachverständige in den Sportausschuss geladen worden. Die „Causa Ullrich“ spielte bei der Anhörung kaum eine Rolle.
„Es kam eine Bemerkung, dass es gut ist, dass ich Herrn Ullrich diesen Vorschlag gemacht habe. Ich habe ihm den Vorschlag gemacht, ein unabhängiges Gutachten erstellen zu lassen, welches seine Rolle im Zwangsdoping der DDR klärt. Das war’s.“

SED-Opferbeauftragte bleibt misstrauisch

Zum Hintergrund: Zuletzt waren die Vorwürfe gegen den ehemaligen Biathleten und Vorsitzenden des Sportausschusses wegen seiner ungeklärten Doping-Vergangenheit immer lauter geworden. Frank Ullrich bestreitet weiterhin rigoros, in seiner Zeit als Athlet und Trainer in der DDR wissentlich mit Doping in Kontakt gekommen zu sein. Die SED-Opferbeauftragte bleibt jedoch misstrauisch. Gerade hat sie die Stasiakten zum Biathlon in der DDR gesichtet.
„Die Namen sind geschwärzt, also von daher: ich habe jetzt nirgendwo den Namen von Herrn Ullrich gelesen, aber wenn man die Akten studiert und auch das Gutachten, das ja schon Anfang der 90er-Jahre erstellt wurde, auch das sagt ja schon: Trainer, Ärzte, Therapeuten sind verstrickt gewesen in das Doping. Und es war eben Zwangsdoping, und es ist schwer vorstellbar, dass jemand, der dort an relativ hoher Stelle tätig war, das nicht zur Kenntnis genommen hat."

Gutachten soll für Klarheit sorgen und schnell umgesetzt werden

Erfreut zeigt sich Evelyn Zupke, dass Frank Ullrich in der heutigen Sportausschusssitzung erneut bekräftigte, ein unabhängiges Gutachten zu seiner Rolle im DDR-Sport in Auftrag zu geben. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende, Philipp Krämer von Bündnis 90/Die Grünen, findet das richtig und notwendig.
„Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir erstmal an dem Punkt, dass er sagt: er ist unschuldig, er hat keine Verbindung damit. Das muss man zunächst zur Kenntnis nehmen und ihm auch glauben, eben aufgrund der Unschuldsvermutung. Und dann mal schauen, was bei dem Gutachten rauskommt. Umso wichtiger ist es, das jetzt schnell umzusetzen, so dass wir nach Möglichkeit dann nach der Sommerpause eben da Klarheit haben.“
Denn so viel ist sicher: sollten sich die Doping-Vorwürfe gegen Frank Ullrich bestätigen, wird er als Vorsitzender des Sportausschusses kaum mehr zu halten sein.