Mit demütiger Miene betritt Oliver Kraas Zimmer T 111 in der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Uni Leipzig. Die Damen und Herren vom Prüfungsamt haben gerade keine Sprechzeit, da macht es sich gut, wenn man sein Anliegen vorsichtig vorträgt. Kraas braucht ein Formular, er will beantragen, seine Diplomarbeit wiederholen zu dürfen. Er bekommt das gewünschte DIN-A4-Blatt und zieht zufrieden von dannen. Auf dem Weg zur Mensa erklärt er sein Problem:
"Man hat für die Diplomarbeit eigentlich sechs Monate und dann noch mal drei Monate Verlängerung. Ich hatte sie im April angemeldet, mit Verlängerung ist sie Anfang Januar ausgelaufen. Und dann gab es halt Probleme, wie man das handhaben möchte/sollte mit Leistungssportlern an unserer Fakultät. Natürlich ist die Sportfakultät stolz auf die Sportler, die noch im Wettkampfsport integriert sind, aber die Prüfungsordnung selber hat da natürlich keine Ausnahmen vorgesehen."
Nun wird der 30-Jährige also im ersten Versuch scheitern und einfach das gleiche Thema noch mal einreichen. Er schreibt über den "Jahres- und Mehrjahresverlauf von Athleten in der Disziplin Skilanglauf-Sprint". Vereinfacht gesagt: Woher kommen die Sportler, wie entwickeln sie sich, was erreichen sie? Damit schreibt Oliver Kraas gewissermaßen über sich selbst. Am 22. Februar wird er bei den Olympischen Winterspielen in Turin im 1,5-Kilometer-Sprint an den Start gehen. Er brennt auf seinen Einsatz, aber nicht nur darauf:
"Freuen tue ich mich eigentlich auf die ganze Veranstaltung. Vor zwei Jahren habe ich mich mal mit dem Ricco Groß unterhalten. Da hatten wir uns über meine Zielsetzung unterhalten und dann hat er gesagt: Es ist egal, was du da machst, das ist mit Abstand die geilste Veranstaltung, die es gibt."
Sein Teamkollege ist der Biathlet Ricco Groß allerdings nicht. Oliver Kraas startet für Südafrika. Dort ist er geboren, dort hat er seine ersten fünf Lebensjahre verbracht, bevor die deutschen Eltern beschlossen, nach Bayern zu ziehen. Kraas fühlt sich seinem Heimatland verbunden, nimmt in Kauf, dass sein Sport dort ein Nischendasein fristet. Als Exot will er aber auf keinen Fall gelten. Er legt Wert auf die Feststellung, dass er für die Olympia-Teilnahme strenge Qualifikationskriterien erfüllen musste. Und dass dahinter harte Arbeit steckt. Seit Jahren fährt er zu Trainingslagern in Norwegen und Österreich, steht dazwischen in Leipzig auf Rollskiern, stemmt Gewichte, läuft mit Leichtathleten seine Runden. Und beeindruckt seine Professoren. Zum Beispiel den Betreuer der Diplomarbeit Klaus Nitzsche:
"Ich denke schon, dass er in seiner Persönlichkeit natürlich auch sehr gereift ist durch diese Anforderungen, die er sich selber stellt, und insofern stellt er schon für andere ein gewisses Vorbild dar. Er demonstriert ja anderen Studenten, wie es möglich ist, wesentlich umfangreichere Leistungen im Rahmen des Studiums zu vollbringen als eigentlich der Unterrichtsplan vorgibt."
Die Profis in seinem Metier konzentrieren sich natürlich hundertprozentig auf den Leistungssport, das weiß auch Oliver Kraas. Umso stolzer ist er, mit einigen von ihnen mithalten zu können, wie am vergangenen Wochenende, als er beim Weltcup in Oberstdorf 39. wurde. Aber er studiert gern, sagt er, auch während der Wettkampfsaison.
"Man beschäftigt sich halt auch mit anderen Dingen. Zwar auch mit Sport, in meinem Fall, aber das ist einfach geistige Arbeit. Und es ist halt schon ne Sache, ob man sich abends hinsetzt und Ski herrichtet oder Roller putzt, wie vielleicht Profis das machen, oder ausgeht, oder sich dann hinsetzt abends, um drei Stunden Medizin oder Statistik oder irgendwas zu lernen. Das ist halt der Unterschied. Und das ist, finde ich eigentlich, die bessere Lösung."
Natürlich könne auch er sich nicht jeden Abend zum Lernen motivieren, gesteht Kraas. Und den Aufwand für seine Diplomarbeit habe er schlichtweg unterschätzt. Sein akribisches Zeitmanagement helfe da auch nicht weiter – nur eine klare Festlegung, die lautet: Die Abschlussarbeit genießt Priorität. Nach den Olympischen Spielen.
"Man hat für die Diplomarbeit eigentlich sechs Monate und dann noch mal drei Monate Verlängerung. Ich hatte sie im April angemeldet, mit Verlängerung ist sie Anfang Januar ausgelaufen. Und dann gab es halt Probleme, wie man das handhaben möchte/sollte mit Leistungssportlern an unserer Fakultät. Natürlich ist die Sportfakultät stolz auf die Sportler, die noch im Wettkampfsport integriert sind, aber die Prüfungsordnung selber hat da natürlich keine Ausnahmen vorgesehen."
Nun wird der 30-Jährige also im ersten Versuch scheitern und einfach das gleiche Thema noch mal einreichen. Er schreibt über den "Jahres- und Mehrjahresverlauf von Athleten in der Disziplin Skilanglauf-Sprint". Vereinfacht gesagt: Woher kommen die Sportler, wie entwickeln sie sich, was erreichen sie? Damit schreibt Oliver Kraas gewissermaßen über sich selbst. Am 22. Februar wird er bei den Olympischen Winterspielen in Turin im 1,5-Kilometer-Sprint an den Start gehen. Er brennt auf seinen Einsatz, aber nicht nur darauf:
"Freuen tue ich mich eigentlich auf die ganze Veranstaltung. Vor zwei Jahren habe ich mich mal mit dem Ricco Groß unterhalten. Da hatten wir uns über meine Zielsetzung unterhalten und dann hat er gesagt: Es ist egal, was du da machst, das ist mit Abstand die geilste Veranstaltung, die es gibt."
Sein Teamkollege ist der Biathlet Ricco Groß allerdings nicht. Oliver Kraas startet für Südafrika. Dort ist er geboren, dort hat er seine ersten fünf Lebensjahre verbracht, bevor die deutschen Eltern beschlossen, nach Bayern zu ziehen. Kraas fühlt sich seinem Heimatland verbunden, nimmt in Kauf, dass sein Sport dort ein Nischendasein fristet. Als Exot will er aber auf keinen Fall gelten. Er legt Wert auf die Feststellung, dass er für die Olympia-Teilnahme strenge Qualifikationskriterien erfüllen musste. Und dass dahinter harte Arbeit steckt. Seit Jahren fährt er zu Trainingslagern in Norwegen und Österreich, steht dazwischen in Leipzig auf Rollskiern, stemmt Gewichte, läuft mit Leichtathleten seine Runden. Und beeindruckt seine Professoren. Zum Beispiel den Betreuer der Diplomarbeit Klaus Nitzsche:
"Ich denke schon, dass er in seiner Persönlichkeit natürlich auch sehr gereift ist durch diese Anforderungen, die er sich selber stellt, und insofern stellt er schon für andere ein gewisses Vorbild dar. Er demonstriert ja anderen Studenten, wie es möglich ist, wesentlich umfangreichere Leistungen im Rahmen des Studiums zu vollbringen als eigentlich der Unterrichtsplan vorgibt."
Die Profis in seinem Metier konzentrieren sich natürlich hundertprozentig auf den Leistungssport, das weiß auch Oliver Kraas. Umso stolzer ist er, mit einigen von ihnen mithalten zu können, wie am vergangenen Wochenende, als er beim Weltcup in Oberstdorf 39. wurde. Aber er studiert gern, sagt er, auch während der Wettkampfsaison.
"Man beschäftigt sich halt auch mit anderen Dingen. Zwar auch mit Sport, in meinem Fall, aber das ist einfach geistige Arbeit. Und es ist halt schon ne Sache, ob man sich abends hinsetzt und Ski herrichtet oder Roller putzt, wie vielleicht Profis das machen, oder ausgeht, oder sich dann hinsetzt abends, um drei Stunden Medizin oder Statistik oder irgendwas zu lernen. Das ist halt der Unterschied. Und das ist, finde ich eigentlich, die bessere Lösung."
Natürlich könne auch er sich nicht jeden Abend zum Lernen motivieren, gesteht Kraas. Und den Aufwand für seine Diplomarbeit habe er schlichtweg unterschätzt. Sein akribisches Zeitmanagement helfe da auch nicht weiter – nur eine klare Festlegung, die lautet: Die Abschlussarbeit genießt Priorität. Nach den Olympischen Spielen.