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Sport setzt auf liberalisierten Wettmarkt

Während andere Länder den Wettmarkt liberalisieren, hält Deutschland noch am staatlichen Wettmonopol fest. Der Sport und besonders der Fußball hoffen auf eine Öffnung des Marktes, um Sponsorengelder in dreistelliger Millionenhöhe zu akquirieren.

Von Heinz Peter Kreuzer |
    Vor dem Europäischen Gerichtshof sind private Wettanbieter in den vergangenen Jahren immer wieder damit gescheitert, das staatliche Wettmonopol in Deutschland aufheben zu lassen. Jetzt setzen sie und der deutsche Sport ihre Hoffnungen auf eine politische Lösung. Denn dem Sport entgehen nicht nur Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich aus dem Wettgeschäft. Die deutschen Profiligen können keine Sponsoringeinnahmen im finanzstarken Wettgeschäft erzielen. Peter Reinhardt, beim privaten Wettanbieter "Betfair" für die zentraleuropäischen Märkte verantwortlich, schätzt.

    "Wir gehen davon aus, dass dem deutschen Sport allein durch Sponsoring und Werbung jährlich 300 Millionen Euro verloren gehen. Die fehlenden 300 Millionen, die jetzt in andere Ligen fließen, die offener mit dem Thema Sportwetten umgehen wie Spanien, Großbritannien und andere, führen langfristig zu einer Verzerrung im Wettbewerb der Ligen."

    Um den Wettbewerbsnachteil aufzuholen, setzen der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußballliga auf einen liberalisierten Wettmarkt. Denn das staatliche Wettmonopol wird aufgehoben, wenn vier der 16 Bundesländer gegen eine Verlängerung des bestehenden Glücksspiel-Staatsvertrages stimmen. Als erstes Bundesland hatte Schleswig-Holstein sein Veto gegen das Wettmonopol eingelegt. Peter Reinhardt ist zuversichtlich, dass weitere Länder diesem Beispiel folgen.

    "Niedersachsen hat sich schon explizit für eine Lizenzierung privater Wettanbieter ausgesprochen, was andere Länder betrifft, können wir nur spekulieren. Wir wissen, dass da auch finanzpolitische Aspekte eine Rolle spielen. Was wir allerdings feststellen, ist eine große Offenheit, über das Thema konstruktiv nachzudenken."

    Als Befürworter einer Markt-Liberalisierung gelten auch Hessen und Thüringen. Selbst in Bayern, dem Sitz des staatlichen Wettanbieters "Oddset", soll die Landesregierung ergebnisoffen diskutieren. Bei den Fußball-Bundesligisten hat diese Entwicklung Begehrlichkeiten geweckt. So soll Bayern München schon einen Vertrag mit einer"bwin"-Tochter haben. Andere Top-Vereine sondieren den Markt und verhandeln mit verschiedenen privaten Anbietern.
    Neben den Sponsoring- und Werbeerlösen hoffen die Profiligen auch auf neue Lizenzeinnahmen. Für die Organisation des Spielbetriebes, der das Wettangebot erst möglich macht, wollen sie in Zukunft von den Wettanbietern Lizenzgebühren kassieren.

    "Grundsätzlich sind wir bereit, Steuern und Abgaben zu leisten, die auch dem Sport zugutekommen. Ob wir das Lizenzabgabe nennen müssen, ob das rechtlich gerechtfertigt ist, ist eine ganz andere Frage. Darüber können wir uns mit dem Sport auseinandersetzen, wenn es soweit ist."

    Der deutsche Profifußball setzt auch aus einem anderen Grund auf diese neuen Erlösquellen. Sie sollen bei einer eventuellen Reduzierung der Einnahmen aus dem Bezahlfernsehen die Verluste kompensieren.