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StartseiteSport AktuellEuropas Hassliebe mit Olympia08.04.2019

SportgroßereignisseEuropas Hassliebe mit Olympia

München 2022, Hamburg 2024, Sion 2026: Europäische Städte hatten in jüngster Vergangenheit keinerlei Lust auf Olympia. Immer wieder hatten Bürgerbefragungen Olympiabewerbungen in Europa verhindert, weil die Mehrheit der Bürger gegen die kostenintensiven Events stimmten. Zum Vorteil einer anderen Weltregion.

Von Heinz Peter Kreuzer

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Das Bild zeigt im Hintergrund den Triumphbogen in Paris. Vorne redet der Vorsitzende des französischen Nationalen Olympischen Komitees (CNOSF), Denis Masseglia am 13.09.2017 auf der IOC-Vollversammlung in Lima (Peru). (dpa-Bildfunk / AP / Martin Mejia)
IOC-Vollversammlung in Lima (dpa-Bildfunk / AP / Martin Mejia)
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Besonders die Olympischen Spiele sind in Europa umstritten. Das Internationale Olympische Komitee IOC war letztlich gezwungen, nach den Winterspielen in PyeongChang 2018 und den kommenden Sommerspielen in Tokio 2020, auch die Winterspiele 2022 erneut nach Asien zu vergeben.

Sämtliche Bewerber aus Europa hatten zurückgezogen. Für den für Sport zuständigen EU-Kommissar Tibor Navracsics aus Ungarn gibt es daher zwei Herausforderungen. Europas Bürger wieder für sportliche Veranstaltungen zu begeistern. Kurzfristig müssten die Menschen mit Werbekampagnen überzeugt werden.

Olympia hat keinen Bezug zum Alltag der Menschen

"Die Langzeit-Herausforderung ist, die Verbindung zwischen unserem Alltagsleben und den großen Sport-Events wiederherzustellen. Denn das Problem für die meisten Europäer ist, dass es keine Verbindung zwischen ihrem täglichen Sport im Alltag und der glänzenden Welt der Großereignisse gibt."

Der EU-Bildungskommissor Tibor Navracsics bei den Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum von Erasmus in Brüssel. (AFP / Emmanuel Dunand)Der EU-Bildungskommissor Tibor Navracsics (AFP / Emmanuel Dunand)

Ähnlich sieht es die französische Sportministerin Roxana Maracineanu. Denn die Öffentlichkeit müsse von den Großevents wie Olympia profitieren, vor allem die Jugend. Paris tue das mit den Sommerspielen 2024, für andere Nationen wäre das ebenfalls eine wichtige Chance.

"Für einige Länder ist die Ausrichtung von großen Sportereignissen die Möglichkeit, Sportstätten für die Öffentlichkeit zu bauen. In Frankreich existiert das schon alles, jetzt nutzen wir Olympia, um die Sportstätten zu renovieren."

Agenda 2020 ermöglicht neue Verbindungen

Und Olympia muss nach der Agenda 2020 ja nicht auf ein einziges Land beschränkt bleiben. Das IOC habe mittlerweile viele Kriterien gelockert, sagt das ukrainische IOC-Mitglied Sergej Bubka und verweist auf einen Bewerber für die Winterspiele 2026.

"Stockholm will Sportstätten in Lettland nutzen. Das ist flexibel und der Ansatz, Kosten zu reduzieren."

Das neue Nationalstadion von Tokio - Herberge von Olympia 2020.  (Yomiuri Shimbun/AP Images)Das neue Nationalstadion von Tokio - Herberge der Olympischen Spiele 2020 (Yomiuri Shimbun/AP Images)"Asien ist sehr aktiv"

Pal Schmitt, ehemaliger Präsident Ungarns und IOC-Mitglied interpretiert die Entscheidung für drei aufeinanderfolgende Spiele in Fernost weniger damit, dass sich Europäer auch bewusst abgewandt haben, sondern das vielmehr das vielmehr als asiatische Dominanz: 

"Wir müssen keine Angst haben, nur weil einige asiatische Staaten derzeit sehr aktiv sind. Sie sind auch in der Lage, große Veranstaltungen zu organisieren. Aber als Präsident eines Internationalen Verbandes würde ich betonen, dass ich um die Welt rotiere, nach Amerika, Europa, Asien, Ozeanien. So ist es folgerichtig, dass es wieder nach Europa kommt. Die Olympischen Spiele werden auch so vergeben.

Sämtliche Teilnehmer der Diskussionen sowohl von Seiten des IOC als auch die Politiker ließen die Befürchtungen der Bürger außer Acht, etwa aus dem Ruder laufenden Kosten oder auch das schlechte Image des IOC. Das war kein Thema.

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