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Sportgroßveranstaltungen
Deutschland sucht eine Strategie

Olympia, Weltmeister- oder Europameisterschaften - Deutschland will in Zukunft auf Großveranstaltungen im Sport setzen. Das Bundesinnenministerium und der Deutsche Olympische Sportbund veröffentlichten nun ein Grobkonzept für eine Strategie. Vom Nutzen solcher Veranstaltungen scheint man überzeugt.

Von Robert Kempe | 29.02.2020

Menschen gehen am 23.06.2014 in Berlin am Olympiastadion vorbei.
Das Olympiastadion in Berlin. (dpa/ picture alliance / Paul Zinken)
Das Ziel gab der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer zuletzt bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds vor. "Wir wollen es. Und ich sage, wir können es auch in der Bundesrepublik Deutschland. Und deshalb sollten wir nicht nachlassen, weitere sportliche Großereignisse bis hin zu einer Olympia-Bewerbung nach Deutschland zu holen."
Leitlinien und Strategien für Sportgroßveranstaltungen
Schon vor gut zwei Jahren hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten: Man wolle übergeordnete Leitlinien entwickeln und eine Strategie für Sportgroßveranstaltungen umsetzen. Jetzt machten das Bundesinnenministerium und der DOSB ein sogenanntes Grobkonzept öffentlich. Die 23 Seiten sollen die Basis darstellen für die inhaltlichen Schwerpunkte einer Nationalen Strategie Sportgroßveranstaltungen, die letztlich klare Kriterien und Anforderungen enthalten soll.
Die Olympischen Ringe zieren in Form eines Tatoos den Arm eines Rückenschwimmers
Grünen-Politikerin: "Es geht nicht um grünes Etikett für das IOC"
Im Falle einer Olympiabewerbung 2032 setzt der DOSB auf die Region Rhein-Ruhr. Auch die sonst kritischen Grünen stützen das. Aber: Eine Bewerbung sei nur unter nachhaltigen Kriterien möglich, sagte die NRW-Grünen-Politikerin Josefine Paul im Dlf. Dazu zähle auch finanzielle Transparenz.
Drei Bauarbeiter gehen am Dau-Hafen entlang mit der Skyline der katarischen Hauptstadt Doha im Hintergrund.
Milliarden vs. Menschenrechte
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch fordert in ihrem Jahresbericht erneut einen politischen Kurswechsel beim IOC und der FIFA: Bei Sportgroßveranstaltungen dürften Menschenrechtsverletzer nicht mehr belohnt werden.
Festgehalten sind vier Hauptpunkte:
Man will in Zukunft auf Sportveranstaltungen setzen, die, wie es heißt, eine langfristige und positive Wirkung auf Sport, Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft erzielen können. Ferner betont man, Transparenz und klare Kriterien durchzusetzen sowie eine Stärkung der Konkurrenzfähigkeit durch mehr deutsche Vertreter in internationalen Gremien. Besonders im Fokus steht die Mitnahme der Gesellschaft. Die Bürger sollen für Sportgroßveranstaltungen begeistert werden. An letzterem scheiterten die jüngsten beiden deutschen Olympiabewerbungen. In München und zuletzt in Hamburg erteilten in die Bürger Olympia eine krachende Absage. Grund war die ungeklärte Finanzierung des Abenteuers Olympia und die Ablehnung gegenüber dem Besitzer der Spiele, dem Internationalen Olympischen Komitee.
Deutschland hinkt anderen Staaten hinterher
Bei der Entwicklung einer Strategie für Sportgroßveranstaltungen ist Deutschland Nachzügler. Kanada hat seit Jahrzehnten ein solches Konzept, das über die Jahre immer wieder verfeinert wurde. In diesem ist klar geregelt, in welchen Abständen sich das Land für Sportgroßveranstaltungen bewirbt und auch wie die Finanzierung geregelt ist. So legte die kanadische Regierung fest, keine finanziellen Defizitgarantien abzugeben. Die Entwicklung einer deutschen Strategie soll in diesem Jahr abgeschlossen werden.