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StartseiteSportgespräch„Gegen die Vorherrschaft des Fußballs kommen andere Sportarten nicht an“05.01.2020

Sportphilosoph Gunter Gebauer„Gegen die Vorherrschaft des Fußballs kommen andere Sportarten nicht an“

Der Fußball wird auch im Jahr 2020 die bestimmende Rolle spielen. Das liege vor allem an seiner Fernsehtauglichkeit, sagte der Berliner Sportphilosoph Gunter Gebauer im Dlf. „Wenn einmal so eine Hegemonie entstanden ist, ist es unglaublich schwer, sie zu brechen“, so Gebauer.

Gunter Gebauer im Gespräch mit Marina Schweizer

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Der Philosoph Gunter Gebauer, 2015 in Köln auf der dritten phil.COLOGNE. (dpa / Horst Galuschka)
Der Berliner Sportphilosoph Gunter Gebauer fordert mehr Geld für deutsche Sportler (dpa / Horst Galuschka)
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Der Fußball sei für die Ausstrahlung im Fernsehen bestens geeignet, so Gebauer. Hinzu komme, dass die Sportart relativ leicht verständlich sei: "Jemand, der keine Ahnung hat und von den Ereignissen mitgerissen wird, kann immer mitreden."

Zwar würden sich auch viele Menschen für Handball interessieren, der hierzulande ein Volkssport sei. Was die öffentliche Wirksamkeit angeht, habe er sich jedoch nicht durchgesetzt. "Es wird gesehen, aber es kann bei weitem nicht mithalten mit dem Fußball", so der Berliner Sportphilosoph.

Dabei gäbe es kleine Spartenkanäle, die zum Beispiel Volleyball, Hockey oder Schwimmen übertragen. "Aber diese Sportarten liefern nicht die Bilder wie der Fußball", so Gebauer: "Beim Schwimmen sieht man nur eine Badekappe oberhalb des Wassers. Die Bilder sind nicht so attraktiv wie solche von Menschen, die um einen Ball herumhechten."

Zwei mächtige Organisationen bestimmen den Sportkalender

Hinzu kämen mit FIFA und UEFA zwei mächtige Organisationen, die mit ihren Wettbewerben den jährlichen Sportkalender bestimmen. Andere Sportarten seien nicht so professionell organisiert. Sie hätten auch nicht die Stars und die Geldgeber. Gebauer: "Gegen diese Vorherrschaft kommen andere Sportarten nicht mehr an."

Heftige Kritik übt der Berliner Sportphilosoph am früheren Bundesinnenminister Thomas de Maiziere, der im Gegenzug zu einer höheren Athletenförderung auch mehr Medaillen gefordert hatte. Für ein Drittel mehr Geld, erwarte er ein Drittel mehr Medaillen, hatte der CDU-Politiker gesagt. Dazu Gebauer: "Das ist kein tauglicher Spruch, mit dem man mit den Athleten umgehen kann. Es weiß doch jeder, dass das eine indirekte Aufforderung zum Doping ist."

Gebauer fordert mehr Geld für Athleten

Gebauer fordert, die Förderung für Athleten weiter auszubauen: "Wenn man sich anschaut, wie hoch die Sporthilfe ist, dann kann man sagen: davon kann kein Leben entstehen, aus dem heraus eine Medaille errungen werden kann."

Verständnis hat er für Sportler, die von den großen Sportverbänden Tantiemen verlangen.  Allerdings sei dies nur bei Veranstaltern möglich, die das Geld nicht an Spieler, Mannschaften und Verbände ausschütten, wie zum Beispiel dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC): "Das IOC wird durch die Übertragungsrechte immer reicher. Es bleibt ein dreistelliger Millionenbetrag im höheren Bereich übrig. Warum wird das nicht an die Sportler ausgeschüttet?"

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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