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StartseiteCampus & KarriereDeutsch - ja, bitte!21.04.2015

SprachenlernenDeutsch - ja, bitte!

Der französischen Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem ist der Deutsch-Unterricht an französischen Schulen zu elitär, sie will ihn reduzieren - und handelt gegen den weltweiten Trend: Die deutsche Sprache ist wieder sehr im Kommen, weil Deutschland gerade wirtschaftlich so stark und attraktiv ist.

Von Claudia van Laak

Indische Schüler lernen die deutsche Sprache in Neu Delhi. (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
Auch indische Schüler können sich für die deutsche Sprache begeistern. (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
Weiterführende Information

Studie des Auswärtigen Amtes - Beliebte Fremdsprache Deutsch
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 21.04.2015)

Deutsch als Fremdsprache - Wirtschaftsinteressen im Vordergrund
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 21.03.2014)

Indien - Wir sprechen Deutsch
(DRadio Wissen, Globus, 04.07.2013)

Mein Studium - Wahl zwischen Unterricht und Forschung
(DRadio Wissen, Meine Zukunft, 07.09.2012)

Frau: "Ich komme aus Frankreich, ich lerne Deutsch."

Mann: "Ich komme aus Kolumbien, und ich lerne Deutsch."

Mann: "Ich komme aus der Türkei, ich lerne Deutsch."

Frau: "Ich komme aus Italien, ich lerne Deutsch."

15,4 Millionen Menschen weltweit lernen derzeit Deutsch. Es waren schon sehr viel mehr - vor 15 Jahren lag die Zahl der Deutschlerner bei 20 Millionen. Es waren aber auch schon weniger. Deshalb resümiert Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt:

"Die positive Botschaft ist: Wir haben die rückläufige Entwicklung stoppen können. Die Zahlen nehmen wieder zu, das Interesse wächst, Deutsch zu lernen."

In Nordamerika, Australien und Neuseeland bleiben die Zahlen stabil, in Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten steigen sie. Das Interesse an Deutsch ist auch ein Spiegel der politischen Entwicklung. Während unser östliches Nachbarland Polen Spitze ist - in keinem anderen Land auf der Welt lernen so viele Menschen Deutsch, insgesamt 2,3 Millionen - geht das Interesse in Russland und den anderen GUS-Staaten kontinuierlich zurück. Johannes Ebert, Generalsekretär des Goethe-Instituts, bestreitet allerdings einen Zusammenhang mit der aktuellen politischen Entfremdung.

"Warum ich sage, dass diese Zahl nichts oder nur minimal etwas mit der (politischen) Entwicklung zu tun hat. Weil sich diese Zahlen schon seit vielen Jahren stetig und sehr stark absenken. Also, wir waren in den 90er Jahren, als sich die Sowjetunion geöffnet hat, etwa bei 3,5 Millionen. Das heißt, das ist schon eine Entwicklung."

Bundesregierung fordert mehr Deutsch-Unterricht in Frankreich

Derzeit lernen nur noch 1,5 Millionen Menschen in Russland Deutsch, ein Grund seien die Veränderungen im Schulsystem, so das Goethe-Institut. Diese sinkende Zahl der Deutschlandfreunde und -kenner scheint allerdings den Verantwortlichen weniger Sorgen zu bereiten als die aktuellen Entwicklungen in Frankreich. Dass die französische Bildungsministerin den Deutsch-Unterricht an den Schulen reduzieren will, nennt der Leiter der deutschen Auslandsschulen eine Katastrophe. Und Staatsministerin Maria Böhmer ergänzt:

"Mit Blick auf die deutsch-französischen Beziehungen appelliere ich sehr deutlich - wie vorher auch viele andere - an die französische Regierung, an den französischen Präsidenten. Und freue mich auch, dass im französischen Parlament auch viele Abgeordnete sich diesem Anliegen auch verbunden fühlen. Und ich sage ganz deutlich: Wir brauchen mehr Deutsch und nicht weniger Deutsch, wenn es um die Stärkung der deutsch-französischen Partnerschaft geht."

Ein weiterer deutlicher Trend zeigt sich in der heute vorgelegten Studie "Deutsch als Fremdsprache weltweit": An den Hochschulen im Ausland wird Deutsch kaum noch gelernt, um Goethe und Schiller im Original lesen zu können, sondern um die eigenen Karrierechancen zu erhöhen. Margret Wintermantel, Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD:

"Was wir feststellen in den letzten Jahren ist eine Abnahme des Interesses an der klassischen Germanistik und eine Zunahme an Deutsch als Fremdsprache vor dem Hintergrund der Erwartungen, damit auch bessere berufliche Chancen zu haben."

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