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StartseiteInformationen am MorgenSpürbare Versorgungslücken in Polen drohen14.08.2013

Spürbare Versorgungslücken in Polen drohen

Angst vor der Energiekrise

Über die Hälfte der polnischen Kraftwerke sind älter als 30 Jahre und müssen laut EU-Auflagen in den nächsten Jahren stillgelegt werden. Die ersten Kraftwerksneubauten gehen aber nicht vor 2016/17 ans Netz. Die Lücke ist vorprogrammiert.

Von Sabine Adler

80 Prozent der Energiegewinnung basieren in Polen auf Braun- und Steinkohle. (Stock.XCHNG / Steve Ford Elliott)
80 Prozent der Energiegewinnung basieren in Polen auf Braun- und Steinkohle. (Stock.XCHNG / Steve Ford Elliott)

Touristen, die Krakau besuchen, kommen meist im Sommer. Deswegen wissen sie nicht, welchen Beinamen Polens schönste Stadt noch hat: die mit der schlechtesten Luft. Sobald geheizt werden muss, hängt über Krakau eine Smog-Glocke, denn 30.000 Kachelöfen, die allesamt immer noch mit Briketts bestückt werden, verschmutzen die Luft.

Besserung in Gestalt eines Kraftwerks ist nicht Sicht. Kein einziges neues entsteht, bestenfalls wird modernisiert und auch das viel zu selten und zu langsam. Das polnische Wirtschaftsministerium befürchtet eine Energiekrise schon in wenigen Jahren, weiß Emil Prusek, Energieexperte der Gazeta Wyborcza:

"Schon 2016/17 müssen wir mit Energieproblemen rechnen. Schuld ist die Untätigkeit der zurückliegenden 20 Jahre, in denen keine größere Investitionen in der Energetik vorgenommen worden sind. Die ältesten Energieblöcke müssen wir abschalten, weil sie wirtschaftlich gesehenen unrentabel sind und nicht ökologisch. Dazu haben uns bis 2016 der Europäischen Union gegenüber verpflichtet."

Greenpeace Polen jubelt über jedes Kohlekraftwerk, das vom Netz genommen wird. In einem Bericht mit dem provokativen Titel "Kohle tötet" listen die polnischen Aktivisten die größten Dreckschleudern Polens auf. An erster Stelle steht Belchatow. Es ist das größte das größte Wärmekraftwerk Europas und zugleich das größte Braunkohlekraftwerk der Welt. Es wird seit 2005 modernisiert und galt schon vor seiner Erweiterung als Europas größter CO2-Prodozent. Turow an der Grenze zu Deutschland wurde 1962 gebaut und gehört damit zu den ältesten und schädlichsten Kraftwerken. Über die Hälfte der polnischen Kraftwerke sind älter als 30 Jahre, müssen laut EU-Auflagen in den nächsten Jahren stillgelegt werden. Kozinice ist 41 Jahre alt. Alle drei Belchatow, Turow und Koschinize zählt Greenpeace Polen zu den schlimmsten Luftverschmutzern. Ihr Feinstaub erzeuge Krebs und sei verantwortlich für den vorzeitigen Tod Tausender.

Bereits im Winter 2015 können sich spürbare Versorgungslücken auftun, dann werden die ersten rund 100 Megawatt fehlen, im Jahr 2017 sogar 1100 Megawatt.

"Laut Regierungsbericht wird es in den kommenden zwei Jahren keine neuen Kapazitäten geben, weil Investitionen einen langen Vorlauf benötigen."

Die ersten Kraftwerksneubauten gehen nicht vor 2016/17 ans Netz, die Lücke ist vorprogrammiert, da die Investitionen weder in dem nötigen Umfang noch rechtzeitig genug erfolgt sind, was auch an der Preisentwicklung liegt.

"Im letzen Jahr sind die Energiepreise im Großhandel um 20 Prozent gesunken. Das bedeutet, dass die Rentabilität von Investitionen in der Energieproduktion fraglich ist."

Beunruhigende Nachrichten für Polens Verbraucher und die immer noch wachsende Wirtschaft, die erneuerbare Energien können lange nicht schließen und auch das geplante Atomkraftwerk nicht. Das geht wenn es überhaupt kommt nicht vor 2025 in Betrieb. Energie-Importe werden unausweichlich.

"Wenn wir nicht genug Strom haben, werden wir importieren müssen. Aber wir wissen nicht, zu welchem Preis, von wem, unter welchen Bedingungen."

80 Prozent der Energiegewinnung basieren in Polen auf Braun- und Steinkohle, obwohl Polen inzwischen Kohle importiert, weil der heimische Abbau zu teuer geworden ist. Wenn im November in Warschau der UN-Klimagipfel stattfindet, hat die polnische Regierung nur ein Ziel: Strengere Emissionsauflagen für die EU zu verhindern, stattdessen die USA und China zu verpflichten.

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