Howard Cash ist Bioinformatik-Experte und betreibt ein Spezialunternehmen zur Identifizierung von DNA-Spuren in New York. Als Datenbank-Spezialist war sein Fachwissen unverzichtbar, als die Opfer des Terrorangriffs auf das World Trade Center 2001 identifiziert werden mussten. Nun, da diese Aufgabe annähernd bewältigt ist, will sich Howard Cash einem noch schwierigerem Projekt zuwenden.
"”Das DNA-Shoah-Projekt wurde von Syd Mandelbaum ins Leben gerufen. Er ist Kind zweier Holocaust-Überlebender und hat schon das Shoah-Video-Projekt gestartet, das jetzt von Steven Spielberg weiter geführt wird. Die Idee kam ihm, als er davon hörte, dass der Bau-Boom in Polen verstärkt unbekannte Gräber aus der Zeit des zweiten Weltkriegs offen legt. Die Herkunft der Leichen ist oft unklar. Mandelbaum gründete eine Stiftung und bat mich, bei der Einrichtung einer DNA-Datenbank zu helfen.""
Zum einen geht es darum, Erbgutreste aus den Leichenfunden in Osteuropa zu sammeln und zu untersuchen. Howard Cash geht davon aus, dass sich auch 60 bis 70 Jahre nach dem Tod der Opfer ausreichend DNA aus den Knochen gewinnen läßt, um eine Identifizierung durchzuführen. Das wäre dann nicht schwieriger als beim genetischen Fingerabdruck oder beim Vaterschaftstest. Gleichzeitig braucht er aber auch möglichst viele Vergleichsproben von Lebenden, die er dann zu einer Datenbank zusammenstellen kann. Cash:
"”Das Ziel ist es, DNA Proben von etwa 300.000 Lebenden zu sammeln. Zum einen von den bereits sehr alten Überlebenden des Holocaust, zum anderen von ihren Kindern und den Kindern der Toten. Die Proben können wir dann mit denen der neu entdeckten Leichen vergleichen. Ich warne aber vor zu hohen Erwartungen. Zu viele Familien wurden völlig ausgelöscht. Vielleicht können einige Tote identifiziert werden, aber ganz sicher nicht alle.""
Eine gezielte Suche nach Gräbern soll nicht stattfinden. Auch unbekannte Tote in bereits entdeckten Massengräbern in der Nähe von Vernichtungslagern will man nicht identifizieren. Zunächst geht es nur um Leichen, die zufällig bei Baumaßnahmen entdeckt werden, und deren Herkunft unklar ist. Dennoch verbinden viele überlebende Juden mit dem Projekt auch Hoffnung auf Informationen über das Schicksal von Angehörigen oder ganz einfach auf Gewissheit. Vielleicht lassen sich aber auch getrennte Familien nach über 60 Jahren wieder vereinigen, hofft Howard Cash.
"”Über 10.000 Waisenkinder haben Europa zum Ende des zweiten Weltkrieges verlassen. Per Schiff kamen sie in die USA, nach Großbritannien oder schließlich nach Israel. Einige suchen seit Jahrzehnten nach ihren Angehörigen. Vielleicht gelingt es ja, einige Überlebende wieder zusammen zu bringen. Das wäre doch wunderbar. Das zweite Ziel, das Syd Mendelbaum verfolgt: Er will die Diskussion über den Massenmord an den Juden lebendig halten. Die Naturwissenschaft könnte zur Rekonstruktion der Ereignisse beitragen. ""
Nicht alle Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen teilen diese Meinung. Einige fordern, die Ruhe der Toten zu respektieren. Ihr Argument: Die Erinnerung braucht keine DNA.
"”Das DNA-Shoah-Projekt wurde von Syd Mandelbaum ins Leben gerufen. Er ist Kind zweier Holocaust-Überlebender und hat schon das Shoah-Video-Projekt gestartet, das jetzt von Steven Spielberg weiter geführt wird. Die Idee kam ihm, als er davon hörte, dass der Bau-Boom in Polen verstärkt unbekannte Gräber aus der Zeit des zweiten Weltkriegs offen legt. Die Herkunft der Leichen ist oft unklar. Mandelbaum gründete eine Stiftung und bat mich, bei der Einrichtung einer DNA-Datenbank zu helfen.""
Zum einen geht es darum, Erbgutreste aus den Leichenfunden in Osteuropa zu sammeln und zu untersuchen. Howard Cash geht davon aus, dass sich auch 60 bis 70 Jahre nach dem Tod der Opfer ausreichend DNA aus den Knochen gewinnen läßt, um eine Identifizierung durchzuführen. Das wäre dann nicht schwieriger als beim genetischen Fingerabdruck oder beim Vaterschaftstest. Gleichzeitig braucht er aber auch möglichst viele Vergleichsproben von Lebenden, die er dann zu einer Datenbank zusammenstellen kann. Cash:
"”Das Ziel ist es, DNA Proben von etwa 300.000 Lebenden zu sammeln. Zum einen von den bereits sehr alten Überlebenden des Holocaust, zum anderen von ihren Kindern und den Kindern der Toten. Die Proben können wir dann mit denen der neu entdeckten Leichen vergleichen. Ich warne aber vor zu hohen Erwartungen. Zu viele Familien wurden völlig ausgelöscht. Vielleicht können einige Tote identifiziert werden, aber ganz sicher nicht alle.""
Eine gezielte Suche nach Gräbern soll nicht stattfinden. Auch unbekannte Tote in bereits entdeckten Massengräbern in der Nähe von Vernichtungslagern will man nicht identifizieren. Zunächst geht es nur um Leichen, die zufällig bei Baumaßnahmen entdeckt werden, und deren Herkunft unklar ist. Dennoch verbinden viele überlebende Juden mit dem Projekt auch Hoffnung auf Informationen über das Schicksal von Angehörigen oder ganz einfach auf Gewissheit. Vielleicht lassen sich aber auch getrennte Familien nach über 60 Jahren wieder vereinigen, hofft Howard Cash.
"”Über 10.000 Waisenkinder haben Europa zum Ende des zweiten Weltkrieges verlassen. Per Schiff kamen sie in die USA, nach Großbritannien oder schließlich nach Israel. Einige suchen seit Jahrzehnten nach ihren Angehörigen. Vielleicht gelingt es ja, einige Überlebende wieder zusammen zu bringen. Das wäre doch wunderbar. Das zweite Ziel, das Syd Mendelbaum verfolgt: Er will die Diskussion über den Massenmord an den Juden lebendig halten. Die Naturwissenschaft könnte zur Rekonstruktion der Ereignisse beitragen. ""
Nicht alle Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen teilen diese Meinung. Einige fordern, die Ruhe der Toten zu respektieren. Ihr Argument: Die Erinnerung braucht keine DNA.