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Staatsdoping in RusslandErste Doper aus manipulierten Daten identifiziert

Nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur Russland für ihre manipulierten Daten für vier Jahre gesperrt hat, sind nun erstmals Namen von Sportlern im Zuge der russischen Datenmanipulationen bekannt geworden - zwei russische Olympiasieger.

Von Josef Opfermann | 13.12.2019

Russlands Anti-Doping-Agentur Rusada dementiert das angebliche Doping-Eingeständnis seiner Chefin.
Der russische Biathlet Jewgeni Ustjugow und wetlana Slepzowa stehen massiv unter Doping-Verdacht (picture alliance / Anton Denisov / Sputnik / dpa)
Es handelt sich um zwei Biathleten: Jewgeni Ustjugow, Olympiasieger von 2010 und 2014. Und Swetlana Slepzowa, Olympiasiegerin in Vancouver 2010. Die ARD-Dopingredaktion konnte die Athleten identifizieren.
Ausschlaggebend ist der Bericht der unabhängigen Prüfkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur. Darin wird zunächst ein alter Datensatz zitiert. Demnach sei in der Urinprobe eines männlichen Biathleten das verbotene Steroid Oxandrolon nachgewiesen worden. Weiter sei in der Probe einer Biathletin Ostarin gefunden worden.
Datensatz manipuliert
In einem neuen, von Russland der WADA übergebenen Datensatz, fehlen diese Angaben plötzlich. Es heißt im Bericht, es habe keine Erwähnung mehr der verdächtigen und bestätigten Befunde gegeben. Der Datensatz, hat die WADA festgestellt, sei von Russland manipuliert worden.
Die olympische und die russische Flagge nebeneinander bei den Winterspielen in Sotschi 2014.
Die olympische und die russische Flagge nebeneinander bei den Winterspielen in Sotschi 2014. (AFP / Andrej Isakovic)
WADA-Sanktion gegen Russland Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat Russland für vier Jahre von der internationalen Sportbühne verbannt. Das sei eine Strafe, bei der viel davon abhänge, wie sie umgesetzt werde, kommentiert Marina Schweizer. Nach Russland sollte sich die WADA gleich um den Rest der Betrüger im Weltsport kümmern.
"Wir haben die Beweise"
WADA-Chefermittler Günther Younger bestätigt: Es handelt sich um die Dopingbefunde von Ustjugow und Slepzowa, die vertuscht werden sollten: "Also wir haben die Beweise. Wir haben halt auch festgestellt, dass Daten gelöscht worden sind. Und teilweise konnten wir sie wiederherstellen."
Die Internationale Biathlon Union hatte Ustjugow und Slepzowa schon länger im Visier und auch schon ermittelt – aber nun hat sich der Verdacht massiv erhärtet. Gerade der Fall Ustjugow ist für Deutschland interessant: Sollten seine Medaillen aberkannt werden, würde die in Sotschi 2014 zweitplatzierte deutsche Staffel verspätet zum Olympiasieger erklärt.