Mittwoch, 02.12.2020
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteSport am WochenendeBereit für den Confed Cup21.05.2017

Stadion-Umbau in SotschiBereit für den Confed Cup

Wo 2014 noch Olympische Winterspiele stattfanden, wird bald Fußball gespielt: Das Stadion in Sotschi wurde für den FIFA-Confed-Cup umgebaut, der im Juni 2017 beginnt. Die Stadt ist nach wie vor ein Prestigeprojekt des russischen Staates - und Kritik nach wie vor unerwünscht.

Vom Thielko Grieß

Blick in das Confedcup-Stadion in Sotschi, das ursprünglich für die Olympischen Spiele 2014 gebaut worden war.  (Thielko Grieß)
Ein ungeschlossenes Dach und mehr Zuschauerplätze - das waren zwei der Maßgaben der FIFA für den Umbau des ehemaligen Olympiastadions in Sotschi zu einem Confed-Cup-Stadion. (Thielko Grieß)
Mehr zum Thema

Die FIFA und Russland ARD erkennt keine Einschränkung der Pressefreiheit

Zensur beim Confed Cup? Die Diskussion kommt zu spät

Es war das dritte Testspiel: Zwar nicht für die beiden Mannschaften - immerhin kämpften Lokomotiv Moskau und Ural Jekaterinburg um den russischen Fußballpokal. Die Moskauer gingen als Sieger vom Platz. Ein Testspiel war es aber vor allem für das Stadion in Sotschi. Die FIFA verlangt, die Stadien auszuprobieren, bis Mitte Juni der Konföderations-Cup beginnt.

"Wir haben viel neue Technik in Betrieb genommen. Sie ist betriebsfertig", sagt der stellvertretende Gouverneur der Region Krasnodar, zu der Sotschi gehört, Nikolaij Doluda. Dem ist ein langer Umbau vorausgegangen, damit aus dem Stadion der Olympischen Winterspiele ein Fußballstadion wurde. "Vor allem haben wir das Dach und in großem Umfang temporäre Metallkonstruktionen demontiert. Dabei ging es um mehr als 14.000 Tonnen Metall, die wir aus diesem Stadion herausgebracht haben."

Offenes Dach, mehr Platz für Zuschauer

Das Dach war zu den Olympischen Winterspielen 2014 geschlossen - für die im Sommer stattfindenden Fußballspiele verlangt die FIFA allerdings, dass das Stadion kein geschlossenes Dach hat. An anderer Stelle ist dagegen aufgebaut worden: Auf den olympischen Tribünen war Platz für 40.000 Menschen - zu wenig nach Maßgabe des Weltfußballverbands. Zusammen mit Aufbauten bietet das Stadion nun 42.000 Zuschauern Platz; bis zur Weltmeisterschaft sollen es mehr als 47.000 sein. Außerdem wurde eingebaut: eine neue Lichtanlage, eine neue Tonanlage und natürlich ein Rasen. Die Sportministerin der Region, Ljudmila Tschernowa, nennt die Gesamtkosten:

"Was der Umbau gekostet hat, das ist öffentlich: 3,8 Milliarden Rubel" - was zurzeit rund 47 Millionen Euro entspricht. Zum Vergleich: Der Bau des Stadions vor den Olympischen Spielen hatte mehr als zehn Mal so viel gekostet. Damals sind in Sotschi Milliarden verbaut worden - für Straßen, Hotels oder Schienenwege. Die Winterspiele waren die teuersten der Geschichte; gezahlt haben Oligarchen, Konzerne und der russische Staat. Wer genau welche Summe trug, ist nie aufgeschlüsselt worden.

Nun, drei Jahre nach den Spielen, steht die teure Infrastruktur weiter zur Verfügung - einige Zehntausend Fußballfans unterzubringen, wird wohl keine Schwierigkeiten bereiten. Die Stadt am Schwarzen Meer ist nach wie vor ein Prestigeprojekt des russischen Staates, sagt Alexander Blinow, ein ehemaliger Fernsehjournalist.

Kritik unerwünscht

Heutzutage sitzt er in der Gesellschaftskammer Sotschis, einem Gremium, das Belange von Bürgern gegenüber Behörden und Regierung vertreten soll. In den Medien dürfe Sotschi nicht kritisiert werden, sagt er: "Es darf nicht darüber gesprochen werden, dass es hier Probleme mit dem Meerwasser gibt und mit dem Service in der Tourismusindustrie. Das ist ein verbotenes Thema. Es darf auch nicht darüber gesprochen werden, dass die medizinische Versorgung in Sotschi schlecht ist. So etwas würde nicht gesendet. Das ist vielleicht gut für Sotschi, für den Tourismus - aber trotzdem sollten die Menschen wissen, ob man gefahrlos im Meer plantschen kann oder ob man sich eine Infektion einfängt."

Abwässer würden nach wie vor nicht vollständig geklärt, sondern teilweise ungereinigt ins Schwarze Meer geleitet. Er, Blinow, bade darin nicht mehr. Auf der anderen Seite profitiere Sotschi davon, dass sich in der Stadt eine Residenz des Präsidenten Wladimir Putin befindet: "Wenn der Präsident hier ist, löst dies das Finanzierungsproblem, darunter der Unterhalt der Olympischen Infrastruktur. Das ist ein sehr teurer Spaß. Den Olympischen Park sauber zu halten, kommt uns mit Millionen Rubel zu stehen. Davon profitiert die Stadt."

Dass die Investitionen dem Tourismus geholfen haben, steht außer Frage. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete für das vergangene Jahr einen Rekord: rund 6,5 Millionen Urlauber. Sotschi bemüht sich, die Sportanlagen mit Events zu füllen: Eishockey wird auch im Sommer gespielt, die Formel 1 fährt einen Großen Preis in der Stadt, im Winter soll der Schnee in den kaukasischen Bergen im Rücken der Stadt locken. Nur eine Aufgabe wird schwierig: Das nun hergerichtete Fußballstadion auch nach der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr mit erstklassigem Fußball zu bespielen. Der örtliche Verein leistet das bislang nicht. Er besteht seit vier Jahren und spielt in der dritten russischen Liga, Region Süd. Im Durchschnitt sehen sich ein Heimspiel nicht einmal 1.000 Zuschauer an.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk