Sandra Pfister: Verbunden bin ich jetzt am Telefon mit Karen Naundorf. Karen Naundorf ist freie Journalistin. Sie arbeitet und lebt seit anderthalb Jahren in Argentinien, ist dorthin umgesiedelt, nachdem sie schon längere Zeit als freie Journalistin gearbeitet und nachdem sie die Henri-Nannen-Schule in Hamburg absolviert hat. Frau Naundorf, wie kamen Sie auf die Idee, freie Journalistin in Argentinien zu werden?
Karen Naundorf: Dass ich frei arbeiten wollte, wusste ich schon länger. Und Argentinien hat sich eigentlich auch ergeben, weil ich eigentlich schon in den letzten Jahren, seit 2000, immer wieder hier in Argentinien war und eigentlich zur Hälfte hier gewohnt hatte. Und dann hat sich das eigentlich so ergeben, dass ich nach der Ausbildung an der Journalistenschule dann gleich hierher gezogen bin.
Pfister: Haben Sie sich eigentlich ganz genau überlegt: Wo ist denn ein Markt, wo ist die Marktlücke? Denn zum Beispiel in Argentinien sitzen ja auch verschiedene Korrespondenten verschiedener Zeitungen, also da sitzen auch ARD-Korrespondenten, die das Gebiet mit abdecken. Ging so eine Marktanalyse voran bei Ihnen?
Naundorf: Nein, leider überhaupt nicht. Also man muss wirklich sagen, wenn ich statt Südamerika Asien oder USA gewählt hätte, wäre wahrscheinlich alles wesentlich leichter. Aber so ist es nun einfach eben nicht. Also ich hatte schon hier gewohnt, hatte meine Freunde hier, hatte dann die Wohnung und das Büro, wie auch immer, dann fragt man sich das nicht mehr. Aber es war schon so, als ich mich in Deutschland verabschiedet habe, gab es auch einige Redakteure, die meinten: Wir würden Ihnen ja gerne helfen, aber können Sie nicht irgendwo anders hingehen?
Pfister: Und wer sind jetzt Ihre Abnehmer?
Naundorf: Zum Großteil sind das Magazine im Trendbereich. Das heißt also, ich bin nicht eine von diesen Vielschreibern, die eben einen großen Kundenstamm haben, den sie automatisch immer bedienen, sondern ich spreche meine Themen im Detail ab mit der Redaktion und arbeite dann im Auftrag.
Pfister: Dann stellt sich auch immer gleich die Frage: Wie macht man sich eigentlich als freie Journalistin bekannt? In Deutschland geht es vielleicht um einiges einfacher. Wie macht man das, wenn man von Argentinien aus arbeitet und den direkten Draht nicht mehr hat zu den Redaktionen?
Naundorf: Ja also ich würde niemandem raten, ohne Vorbereitung ins Ausland zu gehen. Ich habe ja damals schon ganz klassisch angefangen, vor zehn Jahren, in einer Lokalredaktion und danach immer Praktika gemacht während des Studiums. Und dann auch während der Journalistenschule unglaublich viele Leute kennen gelernt. Also, ja, und dann natürlich noch eine kleine Rundreise durch die Redaktionen gemacht, bevor ich dann endgültig losgeflogen bin.
Pfister: Und wie sieht jetzt Ihr Alltagsgeschäft aus?
Naundorf: Eigentlich ist es auch gar nicht so schwierig, die Themen anzubieten, weil wenn die Geschichte gut ist, kann man ja auch davon ausgehen, dass die Redaktion Interesse daran hat. Also ich fühle mich da eigentlich nicht wie jemand, der irgendwie einen alten Schuh verkauft, bloß weil ich jetzt hier in Argentinien sitze. Ja und der Kontakt, also es gibt natürlich einige, mit denen man mehr oder weniger regelmäßig zusammenarbeitet und auch ab und zu dann so mal mailt. Aber ansonsten schaue ich schon immer, dass die Themen maßgeschneidert sind. Also sei es, dass eine Zeitschrift gerade einen Schwerpunktthema hat - zum Beispiel letzten Monat, also das Thema Diktaturaufarbeitung würde so niemanden interessieren, aber wenn ich dann schaue: Okay, ich habe hier eine junge Frau, die ihren Nachnamen ändern will, weil ihr Vater in der Diktatur gefoltert hat und sie hat das gerade herausgefunden, dann hat sich "NEON" dafür interessiert und haben sogar sechs Seiten dafür freigeschaufelt. Also ich glaube, wenn das Thema maßgeschneidert ist und zu einer bestimmten Publikation passt, dann gibt es da auch Interesse.
Pfister: Haben Sie das Gefühl, grundsätzlich, dass Auslandsjournalisten untereinander in starker Konkurrenz stehen? Dass die Plätze für Auslandsberichterstattung doch sehr begrenzt sind?
Naundorf: Ja, wobei, also es gibt eigentlich sehr wenige Kollegen, die wie ich so völlig frei arbeiten. Die meisten haben, entweder sind sie entsendet worden oder sie haben eine Pauschale, das heißt also: eine Redaktion, die ihnen ein Minimum von Beiträgen auf jeden Fall abnimmt. Und sonst muss man natürlich innerhalb des Landes dann ein bisschen die Themen suchen und ein bisschen seine Nische finden. Und ich habe halt eher so ein bisschen Hintergrundthemen, vielleicht auch ein bisschen jüngere Themen und auch mal eine etwas kompliziertere, aufwändigere Reise dabei, wo man dann eben mal 1400 Kilometer mit dem LKW mit jemandem mitfährt und dann im Feld neben der Straße übernachten muss. Und das macht mir eben nichts aus. Und dadurch habe ich bis jetzt da eigentlich keine Probleme gehabt.
Pfister: Sind Sie denn eigentlich eine klassische Einzelkämpferin, wie man sich das vorstellt?
Naundorf: Leider ja. Wobei ich ein Büro teile mit mehreren Argentiniern, die aber alle keine Journalisten sind. Und dann habe ich natürlich meistens einen Fotografen dabei, der auch meistens Argentinier ist.
Pfister: Sie haben sich einem Netzwerk angeschlossen, das "Weltreporter" heißt, was ja wahrscheinlich auch hilft, diese Einsamkeit oder dieses Einzelkämpfertum etwas zu überwinden. Welchen Sinn hat dieses Netzwerk sonst noch?
Naundorf: Ja das "Weltreporter"-Netzwerk ist auf jeden Fall echt ganz wunderbar für mich, weil wir sind insgesamt 36 Korrespondenten, die alle frei arbeiten, das heißt also, wir haben alle so ein bisschen die gleichen Probleme, aber auch die gleichen Ideen oder vielleicht auch wirklich, ja, Ideen, wie wir uns gegenseitig helfen können. Also für die Redaktionen ist ja auf jeden Fall schon mal der Vorteil, dass man auf der Website auf einen Blick sehen kann, wo überall auf der Welt überall jemand sitzt von uns und dann können sie Beiträge bestellen, ohne jetzt einen eigenen Korrespondenten vor Ort zu haben. Und für mich als Freie natürlich eben auch Gold wert, weil wir untereinander über Themen sprechen, auch über Arbeitsbedingungen und auch über den gemeinsamen Auftritt von Redaktionen gefunden werden können, die uns vielleicht vorher gar nicht kannten.
Pfister: Gibt es irgendeine Einschränkung bei Ihrer Arbeit in Argentinien? Können Sie völlig frei arbeiten?
Naundorf: Ja. Aber das ist natürlich was, wenn man dieses Land irgendwann kennen gelernt hat, dann wusste man vorher schon, worauf man sich einlässt. Also das geht bei ganz kleinen Dingen los, dass man einfach - wenn jemand nicht mit mir sprechen will, vielleicht sagt der das gar nicht, vielleicht sagt er einfach dreimal hintereinander den Interviewtermin ab. Also das ist alles so ein bisschen eher versteckt, aber es ist jetzt nicht so, dass aktiv die Arbeit behindert wird. Aber ich bin ja auch als Auslandskorrespondentin vielleicht auch nicht so sehr an den eher gefährlichen Themen dran, wie es vielleicht auch ein Journalist hier vor Ort machen würde, der wirklich dann einen Korruptionsfall aufdecken würde, da habe ich ja eine ein bisschen andere Funktion.
Pfister: Karen Naundorf, vielen Dank für Ihren Einblick in das Leben als Journalistin, als freie Journalistin in Argentinien.
Karen Naundorf: Dass ich frei arbeiten wollte, wusste ich schon länger. Und Argentinien hat sich eigentlich auch ergeben, weil ich eigentlich schon in den letzten Jahren, seit 2000, immer wieder hier in Argentinien war und eigentlich zur Hälfte hier gewohnt hatte. Und dann hat sich das eigentlich so ergeben, dass ich nach der Ausbildung an der Journalistenschule dann gleich hierher gezogen bin.
Pfister: Haben Sie sich eigentlich ganz genau überlegt: Wo ist denn ein Markt, wo ist die Marktlücke? Denn zum Beispiel in Argentinien sitzen ja auch verschiedene Korrespondenten verschiedener Zeitungen, also da sitzen auch ARD-Korrespondenten, die das Gebiet mit abdecken. Ging so eine Marktanalyse voran bei Ihnen?
Naundorf: Nein, leider überhaupt nicht. Also man muss wirklich sagen, wenn ich statt Südamerika Asien oder USA gewählt hätte, wäre wahrscheinlich alles wesentlich leichter. Aber so ist es nun einfach eben nicht. Also ich hatte schon hier gewohnt, hatte meine Freunde hier, hatte dann die Wohnung und das Büro, wie auch immer, dann fragt man sich das nicht mehr. Aber es war schon so, als ich mich in Deutschland verabschiedet habe, gab es auch einige Redakteure, die meinten: Wir würden Ihnen ja gerne helfen, aber können Sie nicht irgendwo anders hingehen?
Pfister: Und wer sind jetzt Ihre Abnehmer?
Naundorf: Zum Großteil sind das Magazine im Trendbereich. Das heißt also, ich bin nicht eine von diesen Vielschreibern, die eben einen großen Kundenstamm haben, den sie automatisch immer bedienen, sondern ich spreche meine Themen im Detail ab mit der Redaktion und arbeite dann im Auftrag.
Pfister: Dann stellt sich auch immer gleich die Frage: Wie macht man sich eigentlich als freie Journalistin bekannt? In Deutschland geht es vielleicht um einiges einfacher. Wie macht man das, wenn man von Argentinien aus arbeitet und den direkten Draht nicht mehr hat zu den Redaktionen?
Naundorf: Ja also ich würde niemandem raten, ohne Vorbereitung ins Ausland zu gehen. Ich habe ja damals schon ganz klassisch angefangen, vor zehn Jahren, in einer Lokalredaktion und danach immer Praktika gemacht während des Studiums. Und dann auch während der Journalistenschule unglaublich viele Leute kennen gelernt. Also, ja, und dann natürlich noch eine kleine Rundreise durch die Redaktionen gemacht, bevor ich dann endgültig losgeflogen bin.
Pfister: Und wie sieht jetzt Ihr Alltagsgeschäft aus?
Naundorf: Eigentlich ist es auch gar nicht so schwierig, die Themen anzubieten, weil wenn die Geschichte gut ist, kann man ja auch davon ausgehen, dass die Redaktion Interesse daran hat. Also ich fühle mich da eigentlich nicht wie jemand, der irgendwie einen alten Schuh verkauft, bloß weil ich jetzt hier in Argentinien sitze. Ja und der Kontakt, also es gibt natürlich einige, mit denen man mehr oder weniger regelmäßig zusammenarbeitet und auch ab und zu dann so mal mailt. Aber ansonsten schaue ich schon immer, dass die Themen maßgeschneidert sind. Also sei es, dass eine Zeitschrift gerade einen Schwerpunktthema hat - zum Beispiel letzten Monat, also das Thema Diktaturaufarbeitung würde so niemanden interessieren, aber wenn ich dann schaue: Okay, ich habe hier eine junge Frau, die ihren Nachnamen ändern will, weil ihr Vater in der Diktatur gefoltert hat und sie hat das gerade herausgefunden, dann hat sich "NEON" dafür interessiert und haben sogar sechs Seiten dafür freigeschaufelt. Also ich glaube, wenn das Thema maßgeschneidert ist und zu einer bestimmten Publikation passt, dann gibt es da auch Interesse.
Pfister: Haben Sie das Gefühl, grundsätzlich, dass Auslandsjournalisten untereinander in starker Konkurrenz stehen? Dass die Plätze für Auslandsberichterstattung doch sehr begrenzt sind?
Naundorf: Ja, wobei, also es gibt eigentlich sehr wenige Kollegen, die wie ich so völlig frei arbeiten. Die meisten haben, entweder sind sie entsendet worden oder sie haben eine Pauschale, das heißt also: eine Redaktion, die ihnen ein Minimum von Beiträgen auf jeden Fall abnimmt. Und sonst muss man natürlich innerhalb des Landes dann ein bisschen die Themen suchen und ein bisschen seine Nische finden. Und ich habe halt eher so ein bisschen Hintergrundthemen, vielleicht auch ein bisschen jüngere Themen und auch mal eine etwas kompliziertere, aufwändigere Reise dabei, wo man dann eben mal 1400 Kilometer mit dem LKW mit jemandem mitfährt und dann im Feld neben der Straße übernachten muss. Und das macht mir eben nichts aus. Und dadurch habe ich bis jetzt da eigentlich keine Probleme gehabt.
Pfister: Sind Sie denn eigentlich eine klassische Einzelkämpferin, wie man sich das vorstellt?
Naundorf: Leider ja. Wobei ich ein Büro teile mit mehreren Argentiniern, die aber alle keine Journalisten sind. Und dann habe ich natürlich meistens einen Fotografen dabei, der auch meistens Argentinier ist.
Pfister: Sie haben sich einem Netzwerk angeschlossen, das "Weltreporter" heißt, was ja wahrscheinlich auch hilft, diese Einsamkeit oder dieses Einzelkämpfertum etwas zu überwinden. Welchen Sinn hat dieses Netzwerk sonst noch?
Naundorf: Ja das "Weltreporter"-Netzwerk ist auf jeden Fall echt ganz wunderbar für mich, weil wir sind insgesamt 36 Korrespondenten, die alle frei arbeiten, das heißt also, wir haben alle so ein bisschen die gleichen Probleme, aber auch die gleichen Ideen oder vielleicht auch wirklich, ja, Ideen, wie wir uns gegenseitig helfen können. Also für die Redaktionen ist ja auf jeden Fall schon mal der Vorteil, dass man auf der Website auf einen Blick sehen kann, wo überall auf der Welt überall jemand sitzt von uns und dann können sie Beiträge bestellen, ohne jetzt einen eigenen Korrespondenten vor Ort zu haben. Und für mich als Freie natürlich eben auch Gold wert, weil wir untereinander über Themen sprechen, auch über Arbeitsbedingungen und auch über den gemeinsamen Auftritt von Redaktionen gefunden werden können, die uns vielleicht vorher gar nicht kannten.
Pfister: Gibt es irgendeine Einschränkung bei Ihrer Arbeit in Argentinien? Können Sie völlig frei arbeiten?
Naundorf: Ja. Aber das ist natürlich was, wenn man dieses Land irgendwann kennen gelernt hat, dann wusste man vorher schon, worauf man sich einlässt. Also das geht bei ganz kleinen Dingen los, dass man einfach - wenn jemand nicht mit mir sprechen will, vielleicht sagt der das gar nicht, vielleicht sagt er einfach dreimal hintereinander den Interviewtermin ab. Also das ist alles so ein bisschen eher versteckt, aber es ist jetzt nicht so, dass aktiv die Arbeit behindert wird. Aber ich bin ja auch als Auslandskorrespondentin vielleicht auch nicht so sehr an den eher gefährlichen Themen dran, wie es vielleicht auch ein Journalist hier vor Ort machen würde, der wirklich dann einen Korruptionsfall aufdecken würde, da habe ich ja eine ein bisschen andere Funktion.
Pfister: Karen Naundorf, vielen Dank für Ihren Einblick in das Leben als Journalistin, als freie Journalistin in Argentinien.