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Star der Kunstszene

Angelika Kauffmann war die berühmteste Malerin ihrer Zeit, von den männlichen Kollegen konnten nur wenige mit ihr konkurrieren. Sie porträtierte die europäischen Royals, führte einen glanzvollen Salon und verdiente ein Vermögen.

Von Ulrike Rückert |
    Angelika Kauffmann war der große Star in der Kunstszene des späten 18. Jahrhunderts. Zwischen Neapel und St. Petersburg gab es kaum eine bedeutende Gemäldesammlung ohne ihre Bilder. Sie porträtierte gekrönte Häupter und war Mitglied der Akademien von London, Rom, Florenz, Bologna und Venedig. Geboren wurde sie 1741 in der Schweiz als Tochter eines Malers. Ihr Vater war ihr Lehrer, er reiste mit ihr nach Italien, damit sie die Meisterwerke in den Kunstsammlungen studieren konnte. Später schrieb ihr Schwager ihre Erinnerungen auf:

    "Da es nicht ihrer Jugend und ihrem Geschlecht angemessen war, an einem öffentlichen Ort, zu dem auch andere Zutritt hatten, zu studieren, wurde ihr in der königlichen Galerie ein eigener Raum zugewiesen."

    Sieben Jahre blieb sie in Italien. Ihren Unterhalt konnte sie selbst bestreiten, indem sie reiche Engländer auf Bildungsreise konterfeite. Die Kauffmann-Expertin Bettina Baumgärtel:

    "Es ist richtige Touristenmalerei, aber auf hohem Niveau. Die Dargestellten sehen sich vor der Kulisse Roms oder den rauchenden Vesuv im Hintergrund, sie haben ein paar antike Reste in der Hand oder zeigen, was sie dort gesammelt haben."

    1766 ging Angelika Kauffmann nach London, und mit den in Italien geknüpften Kontakten gelang ihr dort ein kometenhafter Start.

    "Habe einige portraits ferfertiget welche von jedermann abrobirt werden. Mylady Spenser ist vor 2 tagen bey mir gewesen, Mylord Baltimor besucht mich auch zu Zeiten. Die Königin ist erst vor 2 Tagen niderge Kommen, so bald sie besser ist, werde ich ihr presentirt werden, die Herzogin von Ankester hat mich vor 2 tagen besucht, dise ist eine von den ersten hoff damen."

    Queen Charlotte ließ sich von ihr malen. Bald war sie die gefragteste Porträtistin und machte Furore mit Historiengemälden nach Motiven aus der Antike, dem englischen Mittelalter und der neuesten Literatur. Doch die Künstlerin war auch eine talentierte Geschäftsfrau und Karrierestrategin.

    Baumgärtel: "Also, die hat richtig Geld gemacht."

    "ich muss mein Caracter nicht nur allein mit meiner arbeit suteniren, all übriges muss darnach eingerichtet seyn. in einen schlecht eingerichteten Hauß dörfft ich leut von solchem Range nicht empfangen."

    Kupferstiche nach ihren Gemälden fanden in ganz Europa reißenden Absatz. Angelika Kauffmann selbst nutzte dieses Medium gezielt als Marketinginstrument. Die Motive ihrer Bilder zierten sogar Kaffeegeschirr, Tabakdosen und Ofenschirme.

    1781 kehrte sie mit ihrem Ehemann, dem Maler Antonio Zucchi, nach Italien zurück. Die Königin von Neapel bot ihr die Stellung einer Hofmalerin an, doch Angelika Kauffmann lehnte ab.

    "Gott sei dankh meine umstände erlauben mir meine freyheit zu erhalten."

    Sie malte für den Kaiser in Wien und für die russische Zarin. Ihr Netz von Auftraggebern und Freunden überspannte ganz Europa; ihr Palazzo in Rom zog Aristokraten, Gelehrte und Künstler an. Auch Johann Wolfgang von Goethe:

    "Mit ihr ist's eine große Freude, Kunstsachen zu sehen."

    Baumgärtel: "Tatsächlich nannte man sie kurioserweise 'Mutter der Künste und der Künstler', und das hatte eben auch genau diesen Grund, dass sie Herder, Goethe, schließlich auch Anna Amalia, die nach Rom kamen, und viele andere mehr, durch die berühmten Sammlungen, die Antiken führte."

    Angelika Kauffmanns ungeheurer Erfolg beruhte nicht nur auf ihrer Kunst, die perfekt den Zeitgeschmack traf. Sie selbst erschien als Ideal der Weiblichkeit, wie es die Philosophen der Epoche propagierten - eine Stilisierung, zu der sie durchaus selbst beitrug. Man schwärmte von ihr - wie der Diplomat Graf Schönborn:

    "Eine der edelsten herrlichsten Seelen ist sie! Milde und sanfft und unbewust des hohen Genius der sie emporhebt. Sie hat überdem viel Kenntniß und Belesenheit. Im Umgange zeigt sie davon aber nichts. Eine Bescheidenheit die wenig ihres gleichen hat."

    Am 5. November 1807 starb Angelika Kauffmann. Seit Raffaels Tod hatte Rom keinen Künstler so prachtvoll zu Grabe getragen.