Archiv


Steigende Gewinne und sinkende Mieteinnahmen

Der Immobilienkonzern Gagfah ist die größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft in Deutschland. Derzeit hat der Konzern mehr als 145.000 Wohnungen in seinem Bestand. Trotzdem ist die Gagfah hoch verschuldet. Nun hat der Konzern Zahlen zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal veröffentlicht.

Von Michael Braun |
    Die Gewinne steigen, aber die Mieteinnahmen sinken – so ist das, wenn ein hoch verschuldeter Immobilienkonzern Wohnungen verkaufen muss, um seine finanzielle Stabilität wieder so ins Lot zu bringen, wie Aktionäre und Mieter das erwarten. Die Gagfah ist auf dem Weg dahin.

    Die einstige Wohnungsgesellschaft der deutschen Rentenversicherung ist mittlerweile ein in Luxemburg ansässiger Konzern, verwaltet von dort aus seinen Immobilienbesitz in Deutschland: Knapp 146.500 Wohnungen sind es noch in weit mehr als 20 Städten. Aber die guten Standorte lassen sich beinahe an ein, zwei Händen abzählen:

    "Die zehn besten Standorte stehen für 60 Prozent unserer Mieteinnahmen. Und in den drei besten – Dresden, Berlin und Hamburg - liegen 43 Prozent unseres Wohnungsbestandes."

    So Stephen Charlton, der Vorstandsvorsitzende, heute Mittag in einer Telefonkonferenz.

    In Dresden besitzt die Gagfah fast 37.000 Wohnungen, in Berlin gut 15.000, in Hamburg gut 9.000. In diesen Städten stehen auch deutlich weniger Wohnungen leer als im Durchschnitt, in Hamburg nur 0,8 Prozent. Das ist nichts gegen Zwickau, wo gut 14 Prozent der Wohnungen leer stehen oder gar Duisburg, wo ein Fünftel nicht vermietet ist.

    Da kann es zum Problem werden, hohe Schulden zu haben. Die Gagfah hat sie in einer Höhe von 5,1 Milliarden Euro. Damit sind rund 65 Prozent des Bestandswertes fremdfinanziert. Von diesen Schulden will das Unternehmen runter, was aber nicht leicht ist. Thomas Rothäusler, Immobilienanalyst der Commerzbank:

    "In dem aktuellen Umfeld ist ein Käufer, einer der kaufen kann, in einer besseren Situation als einer, der verkaufen muss."

    Gut 2000 Wohnungen hat die Gagfah in diesem Jahr bisher verkauft und dabei knapp 140 Millionen Euro erlöst. Im Gesamtjahr peilt sie ein Verkaufsvolumen von bis zu 230 Millionen Euro an. Damit sinken natürlich auch die Mieteinnahmen. Deshalb ist das Ergebnis vor Steuern im dritten Quartal dieses Jahres um knapp zehn auf 79,6 Millionen Euro gesunken. Es fiel damit schwächer aus als Analysten erwartet hatten.

    Immerhin: Die Bilanz des Unternehmens besserte sich, und Finanzvorstand Gerald Kling gab sich heute optimistisch, im ersten, zweiten Quartal nächsten Jahres genügend Geld einwerben zu können, um auslaufende Kredite mit neuen Geldern so flexibel ablösen zu können, dass auch noch weitere Wohnungen verkauft werden können:

    "We can close deals in Q1 and Q2."

    Und was die Mieteinnahmen eingeht: Die Gagfah setzt auf neue Mietspiegel im nächsten Jahr. Soll heißen: Die aktuelle Kaltmiete von 5,14 Euro je Quadratmeter und Monat soll steigen.