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Gedenken an "Euthanasie"-Morde
Steinmeier: "Inhumanität beginnt im Denken"

Bundespräsident Steinmeier hat vor neuen Diskussionen über den Wert menschlichen Lebens gewarnt. Inhumanität beginne im Denken, setze sich in der Sprache fort und führe zu verbrecherischen Taten, sagte Steinmeier in Berlin. Dort gab es einen Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Gedenkstätte für von den Nationalsozialisten ermordete Menschen mit Behinderung.

    : Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Festakt anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Gedenk- und Informationsortes für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde im Hauptfoyer der Philharmonie.
    Festakt zum Gedenken der "Euthanasie"-Morde mit Bundespräsident Steinmeier in Berlin. (Bernd von Jutrczenka / dpa / Bernd von Jutrczenka)
    Dabei mahnte Steinmeier, die Erinnerung an die Verbrechen der NS-Euthanasie lebendig zu halten und nicht zu relativieren. Niemand habe über den Wert eines anderen Menschenlebens zu entscheiden. 

    Anerkennung als Nazi-Verfolgte gefordert

    Steinmeier betonte, dass die Opfer der Euthanasie-Morde lange keine Anerkennung bekommen hätten. Die Gedenkstätte gibt es seit zehn Jahren. An diesem Ort in der Tiergartenstraße befand sich ab 1940 die Planungs- und Verwaltungszentrale der "Aktion T4". Unter diesem Decknamen wurde der Massenmord an zehntausenden Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten geplant.
    Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen, Dusel, beklagte, dass die Opfer der "Euthanasie"-Morde noch immer nicht offiziell als Verfolgte des Nazi-Regimes anerkannt seien. Er wünsche sich, dass der Bundestag dies bald nachhole.
    Diese Nachricht wurde am 02.09.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.