Sternbild Coma BerenicesDas Haar mit der Dunklen Materie

In diesen dunklen Nächten ohne viel Mondlicht lässt sich ein eher unscheinbares Sternbild hoch am Südhimmel gut erkennen. Zwischen Löwe und Bootes funkelt das Haar der Berenike. Der griechische Astronom Ptolemaeus erwähnte in seinem Hauptwerk Almagest diese Sterne am Ende des Eintrags zum Löwen.

Von Dirk Lorenzen | 13.04.2021

Das Sternbild Haar der Berenike (Coma Berenices) in einer historischen Darstellung (Bode)
Das Sternbild Haar der Berenike (Coma Berenices) in einer historischen Darstellung (Bode) (Bode)
Die nebelhafte Gruppe sei eine Locke. Um das Jahr 1000 beschreibt der persische Astronom Al-Biruni diese Himmelsgegend als Gruppe von Sternen, die an die Form eines Efeublatts erinnert. Erst nachdem Tycho Brahe das Haar der Berenike Anfang des 17. Jahrhunderts in seinem weit verbreiteten Sternkatalog genannt hatte, konnte es sich dauerhaft behaupten.
Berenike war die Frau des ägyptischen Königs Ptolemaios III., im 3. Jahrhundert vor Christus. Als ihr Mann in den Krieg zog, gab die verzweifelte Berenike der Liebesgöttin Aphrodite ein Versprechen: Sie werde ihr wunderschönes langes Haar opfern, wenn ihr Mann siegreich heimkehre.
Das Haar der Berenike steigt abends am Südosthimmel zwischen Arktur, Jungfrau, Löwe und Jagdhunde auf
Das Haar der Berenike steigt abends am Südosthimmel zwischen Arktur, Jungfrau, Löwe und Jagdhunde auf (Stellarium)
Tatsächlich kam Ptolemaios triumphierend zurück. Berenike legte ihre Haare als Opfergabe in einen Tempel. Doch am nächsten Tag waren sie verschwunden. Der Mathematiker Konon in Alexandria behauptete, die Götter hätten aus Rührung über das Opfer die Haare der Königin an den Himmel gesetzt.
Coma Berenices, so die lateinische Bezeichnung, enthält den berühmten Coma-Haufen aus Tausenden von Galaxien. Der Schweizer Astronom Fritz Zwicky hat dort vor etwa neunzig Jahren erste Hinweise auf die Dunkle Materie entdeckt. Das fanden damals fast alle Kollegen Zwickys ziemlich haarsträubend.