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StartseiteForschung aktuellZusammenhang zwischen Stimmenklang und Körpergröße27.12.2013

StimmerkennungZusammenhang zwischen Stimmenklang und Körpergröße

Psychologie. - Unser Gehör besitzt erstaunliche Fähigkeiten. Oft erkennen wir am Telefon einen bekannten Menschen bereits nach dem ersten Wort. Was aber, wenn uns eine Stimme unbekannt ist? Auch dann können wir erstaunlich viele Informationen über die Person, der sie gehört, herauskitzeln. So hat ein Psychologenteam aus den USA nun herausgefunden, dass wir allein aus dem Klang der Stimme relativ genau die Körpergröße des Unbekannten abschätzen können.

Von Frank Grotelüschen

Ein geöffneter Frauenmund (dpa / picture alliance)
Auch unbekannte Stimmen verraten viel über ihre Träger. (dpa / picture alliance)

Ob jemand jung ist oder alt, männlich oder weiblich – das erkennen wir in der Regel bereits am Klang der Stimme. Ein Umstand, der das Team um den Psychologen John Morton von der Washington Universität in St. Louis auf folgende Frage brachte: 

"Können Menschen aus dem Klang einer Stimme schließen, wie groß jemand ist? Und wenn sie das schaffen – wie machen sie das? Welche Eigenschaften der Stimme nutzen sie dafür?"

Um der Sache auf den Grund zu gehen, dachte sich Morton zwei Experimente aus: Im ersten bekamen 24 Testpersonen lauter Aufnahmen von Stimmen vorgespielt, und zwar immer paarweise. Dann sollten sie ankreuzen, welche der beiden Personen ist größer, und welche ist kleiner?

"Die Teilnehmer konnten groß und klein ziemlich genau voneinander unterscheiden, mit einer Trefferquote von knapp 63 Prozent. Das ist deutlich mehr als 50 Prozent – der Wert, als wenn sie einfach nur geraten hätten."

Schwieriger für die Probanden war Aufgabe Nummer 2, das Ranking: 

"Beim Ranking haben wir die Stimmen von fünf Frauen vorgespielt, und die Probanden sollten sie nach der Körpergröße sortieren – die Größte zuerst und die Kleinste zum Schluss."

Wobei sich die größte Frau so anhörte. Und die kleinste so:

"Interessant finde ich, dass bei diesem Test nur eine einzige der 24 Probanden unter der Erkennungsrate von 50 Prozent lag. Alle anderen lagen deutlich drüber. Und das deutet für mich darauf hin, dass es sich bei der Zuordnung von Stimme zu Körpergröße um eine universelle Eigenschaft des Menschen handelt."

Die Erklärung allerdings ist relativ schlicht: Größere Menschen haben ganz einfach längere Luftröhren als kleine. Und lange Röhren, man kennt es von den Orgelpfeifen, erzeugen nun mal tiefere Frequenzen als kurze. Allerdings wäre da ein Problem: Denn zuweilen bringen ja auch kleinwüchsige Zeitgenossen einen überraschend tiefen Bass zustande. Das gibt auch John Morton zu.

"Wie tief eine Stimme ist, wird nicht nur durch die Länge der Luftröhre bestimmt. Form und Größe der Nasenhöhle spielen mit rein, ebenso die Ausmaße der Mundhöhle. Auch die Art, wie man die Zunge bewegt, ist wichtig. Und deshalb kann auch jemand, der klein ist, eine ziemlich tiefe Stimme haben."

Dennoch: Morton glaubt, dass seine Erkenntnisse durchaus relevant sein können, etwa um vor Gericht die Glaubwürdigkeit eines Ohrenzeugen besser einschätzen zu können. In einem künftigen Projekt jedenfalls würde er am liebsten ein weiteres Rätsel knacken: Lässt sich allein durch den Klang der Stimme herauskriegen, ob jemand spindeldürr ist oder aber kugelrund? 

 

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