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Startseite@mediasresVerhaltener Optimismus 13.01.2020

Stimmungsbarometer der MedienbrancheVerhaltener Optimismus

Im aktuellen Reuters Trend Report äußern sich viele Medienmacher zuversichtlich, was die Zukunft ihres Unternehmens angeht. "Dieser Optimismus ist neu" sagte Alexandra Borchardt vom Reuters Institute im Dlf. Ein Grund dafür sei, dass viele Medienhäuser Bezahlmodelle in Angriff nähmen.

Alexandra Borchardt im Gespräch mit Henning Hübert

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Ein Fahrzeug des Westdeutschen Rundfunks (WDR) steht vor dem Funkhaus. (dpa/ Oliver Berg)
Öffentlich-rechtliche Sender sehen ihre Zukunft nicht so positiv wie andere Medienanstalten (dpa/ Oliver Berg)
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Den Weg ins Digitale hätten viele Medienmacher als Chance ergriffen, neue Ressourcen zu erschließen, erläuterte Alexandra Borchardt. "Die digital aufgestellten Medienhäuser glauben: Wenn wir guten Journalismus machen, dann können wir unsere Nutzer, Leser, Zuschauer, Hörer dazu bewegen, dafür zu zahlen." Also habe man es selbst in der Hand, dass man neue Mittel generiere - etwa durch Bezahlmodelle wie Einmalzugänge oder Bezahlschranken.

Im Gegensatz dazu stünden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Medienanstalten unter größerem Druck und blickten daher auch nicht so zuversichtlich in die Zukunft. "Die sind nicht so sehr Herr im Haus, wie es die vormaligen Zeitungshäuser sind, die jetzt im Digitalen unterwegs sind. Öffentlich-rechtliche Sender sind von der Politik abhängig und werden oft angeschossen von der Politik und der Öffentlichkeit. Diese Abhängigkeit von den politischen Kräften ist sehr viel größer, daher der verhaltene Optimismus."

Die wichtigsten Ergebnisse des Reports

Im Reuters Trend Report 2020 erklärten insgesamt 73 Prozent der Medienmacher, "zuversichtlich" oder sogar "sehr zuversichtlich" zu sein, was die Entwicklung ihrer jeweiligen Häuser für das Jahr 2020 angeht. Damit sieht eine breite Mehrheit der Medienschaffenden 2020 trotz wirtschaftlicher Unsicherheit positiv entgegen. 

Dagegen steht die Einschätzung der Befragten aus öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie ARD, ZDF oder BBC, von denen sich nur 46 Prozent entsprechend optimistisch äußerten. Gründe dafür vermutet der Report in der starken Konkurrenz durch sinkende Einschaltquoten für lineare Programme zugunsten des Streamings, aber auch systemerschütternde Angriffe populistischer Politiker und drohende Budget-Kürzungen.

Grafik aus dem Reuters Trend Report 2020 (Reuters Institute for the Study of Journalism )Grafik aus dem Reuters Trend Report 2020: Aussicht auf 2020 (Reuters Institute for the Study of Journalism )

Die Hälfte der Befragten gab an, dass Einnahmen durch digitale Produkte mehr an Bedeutung gewinnen werden. Insgesamt seien die letzten Jahre stark von technologischen Umbrüchen durch Mobile und Social Media geprägt und dadurch die Rolle der Journalisten als "Gatekeeper" geschwächt worden, schreibt das Institut.

Blickt man weiter in die Zukunft, stehen Medienschaffende dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) durchaus offen, aber mit viel Skepsis gegenüber. So sagten über die Hälfte der Befragten, dass die wichtigste Funktion der KI vor allem der Einsatz bei automatisierten Artikel-Empfehlungen sei. Einen "Roboter-Journalismus" - also automatisch erstelle Artikel - halten allerdings nur zwölf Prozent der Befragten für vorstellbar.

Grafik aus dem Reuters Trend Report 2020 zur Umfragemethodik  (Reuters Institute for the Study of Journalism)Grafik aus dem Reuters Trend Report 2020: Wer wurde befragt? (Reuters Institute for the Study of Journalism)
Der Reuters Trend Report gilt als Stimmungsbarometer der Medienbranche. In einer breit angelegten Umfrage des renommierten Reuters Institute in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford wurden 233 Führungskräfte aus 32 Ländern befragt, darunter Chefredakteure, Geschäftsführer und Vertreter aus dem Marketing.

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