Archiv


Stimulator zum Wiederaufladen

Neurologie. - Für Tausende von Parkinsonpatienten ist der Hirnschrittmacher eine Erleichterung. Das Gerät sendet Stromsignale in das betroffene Hirnareal und stoppt so das unkontrollierte Zucken. Neue Hirnschrittmacher können jetzt wieder aufgeladen werden, so dass Batterien nicht mehr operativ ausgetauscht werden müssen.

Von Kristin Raabe |
    An der Universitätsklinik Köln setzt ein Neurochirurg einem Parkinsonpatienten Elektroden in das Gehirn ein. Winzige Stromstöße sollen die krankhafte Aktivität der Nervenzellen blockieren. Denn bei Parkinsonpatienten feuern in einem tief gelegenen Hirngebiet viele Hirnzellen gleichzeitig. Sie wirken wie ein Störsender, der ständig falsche Signale an das Bewegungszentrum sendet. Bei welcher Impulsstärke die Hirnelektroden tatsächlich diese krankhafte Aktivität stoppen können, testet der Neurologe Lars Timmermann noch während der Operation, bei der die Patienten wach sein müssen.

    "Ganz wunderbar, jetzt sind wir im Kern drin, ganz ganz locker lassen."

    "Und dieses typische Geknatter, das ist typisch für dieses Zielgebiet des Parkinson und das ist auch typisch für die Off-Phase des Parkinson. Da hört man die Krankheit sozusagen."

    "Jetzt bewege ich Ihre Hand."

    "Merken Sie, wie locker jetzt die Hand geworden ist. Ganz entspannt, Merken Sie das?
    Die kann ich ganz schön hin und her laufen lassen. Das ist super."

    "Noch mal die Hand drehen. Bei zwei Milliampere, das ist super! Das geht besser, das Drehen, viel besser, merken Sie das?"

    Die Firma Medtronic hat einen völlig neuen Hirnschrittmacher entwickelt, der den Patienten in Zukunft viele Vorteile bringen könnte. Das Gerät ist wiederaufladbar und macht so einige Operationen zum Austausch des Akkus überflüssig. Lars Timmermann:

    "Damit ist die Möglichkeit gegeben, dass wir den Patienten nicht nach drei, vier, fünf Jahren wieder einen Schnitt setzen müssen, um einen neuen Hirnschrittmacher einzusetzen, ein neues Kästchen auszutauschen, nur weil die Batterien alle geworden sind, sondern der Patient kann einmal die Woche das Ding aufladen und es reicht dann in der Regel neun Jahre."

    Studien aus den USA haben gezeigt, dass es in 20 Prozent der Fälle beim Austausch der Batterie zu schweren Komplikationen kommen kann. Weil sie in der Einstellungsphase nach der Operation ihre Beweglichkeit falsch einschätzen, stürzen viele Patienten, andere bewegen sich gar nicht mehr und entwickeln so eine Lungenentzündung. Aber der neue Hirnschrittmacher hat noch mehr Vorteile. Er kann an mehrere Elektroden im Gehirn Impulse senden. Timmermann:

    "Was wir uns vorstellen, was wir mit dem neuen Hirnschrittmacher machen können, ist nicht nur, in dem eigentlichen Zielgebiet zu stimulieren mit einer besonderen Stromstärke, einer bestimmten Strompulskonfiguration, sondern auch gleichzeitig zum Beispiel auch etwas oberhalb dieses Zielgebietes stimulieren, vielleicht mit einer etwas anderen Stromstärke einer anderen Strompulskonfiguration und davon erhoffen wir uns, dass wir zum einen die Symptome besser kontrollieren können und zum anderen aber auch dem Patienten weniger Nebenwirkungen machen."

    Bei Parkinsonpatienten wird der Tremor, das Zittern von einem anderen Hirngebiet verursacht als beispielsweise die Steifigkeit der Gliedmaßen. Mit dem neuen Hirnstimulator können vielleicht beide Symptome gelindert werden. Timmermann:

    "Das ist noch nicht der intelligente Schrittmacher, das ist noch kein System, das horcht welche krankhafte Aktivität da ist und wie man gezielt diese Aktivität für den Moment unterdrücken sollte, aber es ist auf dem langen Weg sicher ein deutlicher und für uns ein Meilenstein in Richtung einer intelligenteren Art der Stimulation."