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StartseiteCampus & KarriereMuslimische Begabtenförderung18.02.2014

StipendiumMuslimische Begabtenförderung

Avicenna war ein muslimischer Universalgelehrter des 10. Jahrhunderts. Seit einem halben Jahr ist Avicenna auch der Name eines muslimischen Begabtenförderungswerkes in Osnabrück. Es vervollständigt die Landschaft der Stipendien in Deutschland, die alle Bereiche der Gesellschaft abbilden soll.

Von Birgit Schütte

Weiterführende Information

Schieflage beim Deutschlandstipendium (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 23.12. 2013)

In den Räumen des Avicenna Studienwerks wird ein Regal zusammengeschraubt. Es wirkt noch etwas kahl. Die Wände sind frisch gestrichen. Nebenan sitzt der Geschäftsführer des Avicenna Studienwerks Hakan Tosuner und arbeitet an seiner Marketingstrategie: Flyer und Plakate sind gedruckt. Ein Imageclip ist fertig. Schließlich soll das nagelneue Stipendium bekannt werden. Und das in einer besonderen Gruppe, sagt Hakan Tosuner: 

"Es sind höchstwahrscheinlich Muslime, einerseits. Das andere ist, dass viele einen Migrationshintergrund haben, die sich bei uns bewerben werden. Und aufgrund dieser Migrationsgeschichte viele aus sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen kommen. Und das wird in der Bewerbungsphase mit berücksichtigt, was Leistung angeht, was Engagement angeht."

Nicht allein der Notendurchschnitt

Allein auf den Notendurchschnitt kommt es bei Avicenna nicht an. Ein Pluspunkt ist auch soziales Engagement. Die Abiturientin Douaa Mouazen aus Berlin fühlte sich gleich angesprochen. Über Facebook hat sie von Avicenna erfahren. Sie will sich auf alle Fälle bewerben, nicht nur weil sie dann Büchergeld und Auslandsstipendien finanziert bekommt.

"Dass ich dann als Muslima die Möglichkeit habe, an einem Workshop teilzunehmen oder an mehrtägigen Veranstaltungen, die auf meine speziellen Bedürfnisse eingehen. D.h. das Programm so anpasst, dass ich mein Gebet pünktlich verrichte oder, dass ich im Ramadan mein Fasten pünktlich abbrechen kann."

Auf soziales Engagement wird verstärkt geachtet

Die 20-jährige findet es gut, dass bei den Bewerbern verstärkt auf soziales Engagement geachtet wird.

"Dass man sieht, dass dieser Mensch auch wirklich was verändern möchte und gesellschaftlich etwas verändern möchte. Und dass man diese Menschen auch unterstützt. Man kann auch in einem muslimischen Begabtenförderwerk andere Muslime kennenlernen. D.h. die Vernetzung der Stipendiaten spielt ja auch eine große Rolle. Wenn ich eine Projektidee habe und dann bei Avicenna andere Muslime kennenlerne, die vielleicht ähnliche Ideen haben, dann kann ich Leute für mich gewinnen, die mitwirken an meinem Projekt.

Vorurteile abbauen

Sie möchte dazu beitragen, Vorurteile gegenüber dem Islam abzubauen. Dafür engagiert sie sich schon jetzt: Z.B. mit Moscheeführungen in Neukölln. Aus Neukölln stammt auch der Initiator von Avicenna Beschir Hussain. Er war einer der besten Abiturienten, aber kein Lehrer dachte daran, ihn für ein Stipendium vorzuschlagen. Er hat sich dann selbst beworben und bekam Zusagen von der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Stiftung der deutschen Wirtschaft. So konnte er z.B an die Columbia Universität in New York studieren und Praktika in Indien und in Dubai absolvierten. Das sei für ihn eine unglaubliche Chance gewesen:

"Vielen ist das überhaupt gar nicht bewusst und ich glaub unsere Aufgabe wird es in Zukunft sein, diese Leute zu motivieren diese Möglichkeit zu nutzen."

Bewerben können Studierende aus allen Fachbereichen, wenn sie einen Bezug zum Islamischen Glauben haben. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 30.April. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 10 Millionen Euro für die ersten 5 Jahre zugesagt. Bis dahin soll die Zahl der Stipendiaten auf 4-500 aufgestockt werden.

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