Strategen mit Emotionen
Eine Karriereplanung haben die wenigsten von ihnen betrieben - das ergaben Gespräche mit 56 ausschließlich männlichen Vorständen, Geschäftsführern und Inhabern der größten deutschen Unternehmen. Gemeinsam mit dem Psephos Institut für Wahlforschung und Sozialwissenschaft, Hamburg, führte das Projektteam des Lehrstuhls für Soziologie an der Uni Hohenheim, zwischen März und August des vergangenen Jahres, bis zu zweistündige Gespräche mit deutschen Spitzenmanagern. Erstmals wurden bei dieser Untersuchung Methoden der Eliteforschung, der Identitätsforschung und der Lebenslaufanalyse integriert und auf die Topentscheider angewendet. Ziel der Untersuchung war ein umfassender Überblick über "Quellen der Identität" dieser einflussreichen Führungsgruppe der Wirtschaft. Ganz oben auf der Werteskala der Topmanager liegt der Wert Ehrlichkeit, so Dr. Michael Neuner, Soziologe an der Uni Hohenheim: "Ehrlichkeit ist ein entscheidender Wert, der sich durch die ganze Biografie hindurchzieht. Macht und Härte stehen in der Werteskala innerhalb der Selbstbeschreibung ganz unten." Weiteres Ergebnis der Analyse: Dem Führungsnachwuchs raten sie zu mehr Gelassenheit. "Sie können sich Brüche im Leben leisten, sie sollen sogar solche Brüche produzieren. Was immer betont wird ist, dass man abweichend von linearen Vorstellungen denkt und handelt, denn diese Linearität ist in der heutigen Zeit einfach nicht mehr vorhanden." Die Gespräche fanden zum Teil in privater Atmosphäre statt. Auf die Frage nach einem guten Leben wurde einerseits das eigene Wirken für eine Gemeinschaft angeführt und andererseits die Familie. Dr. Michael Neuner: "Die Familie ist den Leuten heilig."