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Strategie statt Ballern

Jeder dritte Deutsche spielt regelmäßig Computerspiele, und fast die Hälfte der Spielenden sind Frauen. Allerdings: Die typischen Ballerspiele interessieren sie nicht. Sie haben andere Wünsche. Um darauf richtig eingehen zu können, suchen die Hersteller jetzt mehr Spiele-Entwicklerinnen.

Von Katja Hanke | 13.06.2012

    Pubertierende Jungs, die sich nächtelang durch Cyberwelten schießen. Allein vor ihren Rechnern. So das Klischee.

    Auf einige der 25 Millionen Gamer in Deutschland mag das zutreffen, aber: rund elf Millionen Gamer sind Gamerinnen, und statt "Ballerspielen" bevorzugen die meisten von ihnen Rollen-, Sport,- und Strategiespiele. Oder sogenannte "Social Games", sagt Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware.

    "Die Gruppe der Frauen spielt lieber Games, wo es um Kreativität geht, wo es ums Erschaffen geht, wo es ums Zusammenarbeiten und Zusammenspielen geht."

    Bei "Farmerama" etwa züchten die Spielenden kulleräugige Schafe, bei "Magic Land" bauen sie als niedliche Königinnen ihr eigenes Königreich auf.

    Für die Spiele-Industrie sind die Wünsche der weiblichen Kunden eine Herausforderung: Denn die meisten Spiele entwickeln immer noch Männer. Gerade mal 15 Prozent Frauen arbeiten in den deutschen Entwicklerstudios. Aber das soll sich ändern, sagt Maximilian Schenk.

    "Zum einen weil Frauen besser ahnen oder wissen, was Frauen gerne spielen wollen und zwar in den unterschiedlichen Spieletypen. Zum anderen sind Teams effektiver, kreativer und besser aufgestellt, wenn es gemischte Teams sind. Wenn es gelingt, in Software-Entwicklungsteams Frauen zu haben, performen diese Teams besser."

    Das Problem: Frauen für den Beruf zu begeistern, ist schwierig. Maximilian Schenk sagt, das Image der bebrillten Computer-Nerds schrecke viele ab. Dabei sei Spiele zu entwickeln eine kreative Arbeit, für die man viel Fantasie brauche: sich Geschichten ausdenken, Figuren kreieren, Spielabläufe gestalten.

    Die staatlich anerkannte Spezialschule "Games Academy" mit Standorten in Berlin und Frankfurt bildet seit 12 Jahren Spiele-Entwickler aus. Schon lange wirbt sie um Mädchen. Dennoch: Von 175 Studierenden ist nur jede Fünfte eine Frau. Die Ukrainerin Veronika Kebkal ist eine von ihnen. Lange, dunkle Haare, apricot-farbener Blazer, damit sieht die 24-Jährige eher wie eine Bankkauffrau aus. Wenn Leute sie nach ihrem Beruf fragen, sind die meisten erstaunt, erzählt sie:

    "Also, die glauben mir nicht. Die meinen, was soll eigentlich eine Frau bei Programmierung, weil das eigentlich untypisch ist."

    Veronika ist studierte Informatikerin, an der "Games Academy" vertieft sie ihre Kenntnisse nicht nur in Computersprachen, Mathematik und Physik sondern auch in Management, Kunst und Spiele-Design. Ihr Studiengang heißt Game Programming. Am grafischen Programmieren fasziniert sie besonders:

    "Dass man, nachdem man das Programm startet, gleich irgendwas sieht, was man programmiert hat. Dass man Objekte bewegen kann und steuern kann."

    Ob sie später in die Spielebranche geht, weiß sie noch nicht. Berlin wäre allerdings das perfekte Pflaster dafür, denn hier haben sich viele Firmen für Computerspiele angesiedelt, die Frauen für ihre Spiele-Entwicklung suchen.