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Stratmann: Bachelorstudium reformieren

Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann hat ein Eckpunktepapier vorgelegt, das unter anderem eine Ausweitung der Studiendauer für Bachelorstudiengänge und eine Anhebung der BAföG-Altersgrenze auf 35 Jahre vorsieht.

Von Susanne Schrammar |
    Lutz Stratmann will die Reform der Reform. Die derzeitigen Bachelor- und Masterstudiengänge, findet Niedersachsens Minister für Kultur und Wissenschaft, böten nicht genug akademischen Freiraum. Eigentlich sollten mit dem Bolognaprozess vor allem drei Ziele verfolgt werden: europaweit vergleichbare Abschlüsse, mehr Methodenlehre und mehr Mobilität für die Studierenden.

    "Und diese Ziele von Bologna sind derzeit nicht nur nicht erreicht worden, sondern ich habe den Eindruck, dass durch die starke Kleinteiligkeit der Module, durch eine starke fachspezifische Ausrichtung der Module beispielsweise beim Thema Mobilität wir eher Rückschritte haben."

    In einem Eckpunktepapier fordert Stratmann, den Bachelorstudiengang zu verlängern. Bisher dauert der in Deutschland in der Regel sechs Semester. Wegen seines hohen Anteils an praktischen Inhalten soll dieser Hochschulabschluss auch ein Berufsabschluss sein, ein anschließender zweisemestriger Master vertieft das Wissen. Der niedersächsische Wissenschaftsminister will den Bachelor jetzt auf acht Semester ausbauen und den Zugang zum Masterstudium begrenzen.

    "Ich kann die Kritik verstehen, dass etwa die Architektenkammern sagen: Was soll ich mit einem Architekten - sechs Semester Bachelor - der ist noch kein Architekt, aber er ist auch schon mehr als ein Bauzeichner. Da wäre es erforderlich gewesen, dass man so einen achtsemestrigen Bachelor macht; da brauche ich keinen Master. Den Master, den ich dann vielleicht noch anbiete, der ist dann tatsächlich dazu da, dass ich eine weitere Spezialausbildung anbiete."

    Weil Studierende immer wieder über zu viel Stoff, zu viele Prüfungen, aber zu wenig Zeit klagen, will Lutz Stratmann die Uni-Lehrpläne entrümpeln. Der Minister aus Niedersachsen schlägt vor, sich stärker an den veränderten Lebensbedingungen vieler Studierender zu orientieren und vermehrt Angebote für Berufstätige und Alleinerziehende zu schaffen. Damit die Finanzierung des Studiums leichter fällt, soll die BAföG-Altersgrenze auf 35 Jahre angehoben werden. Außerdem stellt sich Stratmann eine Unterteilung in Wahl- und Pflichtveranstaltungen vor.

    "Damit ist auch gemeint, dass wir natürlich auch an eine akademische Ausbildung schon die Erwartung knüpfen, dass man auch neben der Disziplin, die man studiert, auch mal nach links und nach rechts guckt. Um den Studenten die Möglichkeit wieder zu geben, auch mit einem stärkeren interdisziplinären Herangehen oder mit einem erweiterten Horizont ihr Studium zu gestalten."

    Vorschläge, denen der Präsident der hannoverschen Leibniz Universität in den meisten Punkten zustimmen kann. Ja, es gäbe zu viele kleinteilige Module, zu viele Prüfungen, die den Freiraum der Studierenden einschränken, sagt Professor Erich Barke. Doch der Unipräsident gibt auch zu bedenken, dass die letzte zehnjährige Umstellung die Hochschulen bereits sehr belastet hat.

    "Wir sind gerade damit fertig. Und jetzt erkennen wir alle, dass das Produkt nicht perfekt ist. Und ich glaube, das ist auch weit verbreitet, dass jeder sagt: Ja, es gibt hier was zu verbessern, es gibt dort was zu verbessern. Und das ist zu leisten. Es ist aber nicht in beliebig kurzer Zeit zu leisten, und ich glaube auch nicht, dass es möglich ist, alles, was im Moment aufgebaut worden ist, an neuen Studiengängen sofort wieder neu zu machen und zu verändern."

    Fünf Jahre, so schätzt der Präsident der Leibniz Universität Hannover, könnte eine Umstellung der Bachelor- und Masterstudiengänge dauern. Die, die jetzt studieren, hätten also nichts mehr von den vorgeschlagenen Änderungen. Dennoch würden sie viele an der Uni in Hannover begrüßen.

    "Ich weiß aus Erfahrung, dass es besser wäre, das auf acht Semester hochzusetzen, weil es so teilweise nicht möglich ist, das in sechs Semestern zu schaffen, weil sich viele Kurse überschneiden."

    "Das Bachelorsystem ist meiner Meinung nach zu verschult. Deswegen ist das mit den Pflicht- und den Wahlfächern gar nicht so schlecht. Aber BAföG bis 35 finde ich zu lange."

    "Also, von meinen Kommilitonen, die sind immer nur beschäftigt und haben halt irgendwie nie die Chance, ins Ausland zu gehen oder mal zu überlegen, das mache ich nicht, das mache ich doch - weil: Sie müssen das tun."

    Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann sieht nach eigenen Angaben, gute Chancen, von den anderen Bundesländer Zustimmung für seine Änderungsvorschläge zu erhalten.