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Startseite@mediasres"Very british" fernsehen06.03.2019

Streaming-Plattform "Britbox""Very british" fernsehen

Die britischen Medienhäuser BBC und ITV haben bereits etliche erfolgreiche Serien produziert - und anschließend die Rechte an Streaming-Dienste verkauft. Doch um der gewachsenen Konkurrenz jetzt zu begegnen, soll die eigene Plattform "Britbox" entstehen. Die Erfolgsaussichten sind umstritten.

Von Friedbert Meurer

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Ein Plakat der britischen Fernsehserie "Downton Abbey". (imago stock&people)
"Downton Abbey" ist eine der Erfolgsproduktionen von ITV - inzwischen bei Amazon Prime zu sehen. (imago stock&people)
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Die Actionserie "Bodyguard" war auf BBC One ein Erfolg mit enormen Einschaltquoten. "Bodyguard" ist inzwischen nur noch über Netflix zu sehen, die BBC hat die Rechte verkauft. "Downton Abbey" gehört zu den Highlights des privaten Fernsehsenders ITV. Die Fernsehserie über die Geschichte einer britischen Adelsfamilie wurde von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. "Downton Abbey" gibt es jetzt im Angebot bei Amazon Prime und schon lange nicht mehr in der Mediathek von ITV.

ITV Hub ist die Mediathek des Fernsehsenders. Genau wie beim BBC iPlayer verschwinden viele Inhalte nach einem Monat oder etwas später aus dem Angebot. Beide großen britischen Fernsehsender, BBC und ITV, verkauften die Lizenzen ihrer erfolgreichen Hitserien für viel Geld an die US-amerikanischen Streaming-Anbieter.

Sechs Euro für das Monatsabo

Das soll in Zukunft anders werden. BBC und ITV wollen Ende des Jahres "Britbox" starten, um erfolgreiche Serien und Eigenproduktionen selbst dauerhaft und werbefrei vermarkten zu können – gegen die Konkurrenz von Netflix oder Amazon. Carolyne McCall ist die Vorstandschefin von ITV.

"'Britbox' soll die dauerhafte und umfangsreichste Plattform für britische Originalproduktionen werden, die es jemals gegeben hat. Es wird ein sehr verlockendes Angebot für die Zuschauer werden."

Als Preis für das Abo sind monatlich umgerechnet sechs Euro im Gespräch. Das wäre etwas weniger als bei der Konkurrenz von Netflix und Amazon. Warum aber sollen britische Fernsehzuschauer für BBC-Inhalte überhaupt zusätzlich zahlen? Tun sie das nicht bereits mit der TV-Gebühr von etwa monatlich 15 Euro? BBC-Generaldirektor Lord Anthony Hall widerspricht.

"Britbox" als Plattform zum Entrümpeln

"Das Geld, das wir mit der 'Britbox' machen, nutzen wir für Inhalte zugunsten der Gebührenzahler. Es gibt einen Zweitmarkt für unsere Sendungen, für den sie bezahlen müssen. Früher in Form von DVDs, jetzt wird es über 'Britbox' laufen."

Noch gibt es eine Reihe von Fragen rund um das Angebot von "Britbox". Netflix investiert Milliarden für neue aufwendige Produktionen. Kritiker fürchten, dass dagegen BBC und ITV auf ihrer "Britbox" ihr, wenn auch beeindruckendes, Archiv entrümpeln. Filmadaptionen von Jane Austen kämen da in Frage oder alte Comedy-Shows von früher. Den britischen Fernsehzuschauern könnten Ton und Bild aber durchaus gefallen, analysiert die Medienexpertin Gill Hind.

Keine Gefahr für Netflix und Amazon

"Britbox" werde zwar nicht zur Gefahr für Netflix und Amazon, die zusammen in Großbritannien zehn Millionen Abos vorweisen. "Britbox" könnte aber zum Zweitabo werden, das man sich zusätzlich leistet.

"Sie wird keine direkte Konkurrenz für Netflix werden, aber ein ergänzendes Angebot. Manche meinen, die Leute werden sich fünf oder sechs Streamingdienste leisten. Das glaube ich nicht. Im Moment abonnieren die Haushalte im Schnitt 1,3 Dienste. Und das zweite ist im Moment Amazon, das im Paket für den Lieferservice enthalten ist."

Viel wird davon abhängen, ob BBC und ITV neue herausragende Eigenproduktionen auf ihrer "Britbox" platzieren werden. Die Lizenzen können dann nicht gleichzeitig für viel Geld an Netflix und Co. verkauft werden. ITV hat mittlerweile eine ganze Phalanx von eigenen Filmstudios erworben. "Bodyguard", das auf BBC One lief, wurde von einem Studio des Privatsenders ITV produziert.

Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen

Auch andere TV-Sender könnten sich noch dem Bündnis anschließen, um sich nicht kampflos Netflix und Amazon zu ergeben. Ein Hindernis muss noch aus dem Weg geräumt werden: Die britischen Wettbewerbsbehörden müssen dem Plan zustimmen. Vor zehn Jahren schritten sie gegen ein ähnliches Projekt von BBC und ITV noch ein. Jetzt ist Medienexpertin Gill Hind optimistisch:

"Im Jahr 2010 hatte man von Netflix noch nichts gesehen und gelesen. Lineares Fernsehen geht zurück. Sie müssen aber sehen, wie sie nicht weiter Publikumsanteile an Netflix verlieren."

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