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StartseiteWirtschaft am MittagStreik beim Onlineversand Amazon14.05.2013

Streik beim Onlineversand Amazon

Gewerkschaft ruft 5300 Beschäftigte zur Arbeitsniederlegung auf

Nur Teile der Amazon-Belegschaft folgten dem Streikaufruf, was die Gewerkschaft trotzdem als Erfolg feiert. Sie setzt sich für eine andere tarifvertragliche Einordnung der Angestellten ein - und damit für ein deutlich höheres Gehalt.

Von Ludger Fittkau

Amazon wird bestreikt. (picture alliance / dpa)
Amazon wird bestreikt. (picture alliance / dpa)

"Morgen! Heute keine Arbeit, heute wird gestreikt."

Heute Morgen kurz vor sechs Uhr. Vor dem Werkstor des Amazon-Lagers Fra 3 in Bad Hersfeld haben sich rund 20 Frauen und Männer in den rot-weißen Westen der Gewerkschaft Verdi platziert. Sie versuchen zu Schichtbeginn, die Amazon-Arbeiter dazu zu bewegen, nicht ins Werk zu gehen, sondern mitzustreiken. Viele Herbeieilende sind überrascht, der Streikbeginn wurde bis zuletzt von der Gewerkschaft geheim gehalten.

- "Ja, wir hatten darüber geredet, aber des es heute dazu kommt, wusste keiner von uns."
- "Es wusste so gut wie keiner, dass heute ein Streik stattfindet."

Die Atmosphäre ist freundlich. Flugblätter werden vereilt. Sie werden auch von der Mehrheit angenommen, die hier nicht streiken will. Nach einem knappen Gruß oder auch einem kurzen, ruhigen Wortwechsel mit den Streikenden gehen doch noch viele durch die Drehkreuze ins Werk. Auch, weil sie kein Gewerkschaftsmitglied sind oder nur einen befristeten Vertrag bei Amazon haben.

- "Ich bin erstens nicht organisiert und zweitens fehlt mir mein Lohn dann."
- "Ich bin zufrieden hier. Ich bin auch nur übergangsweise hier, habe im Oktober was anderes."
- "Ich bin auch mit dem zufrieden, was ich habe. Weil ich bin aus dem Osten, da gibt es wenig Arbeitsmöglichkeiten. Ich bin froh, dass ich überhaupt arbeiten kann."

3300 Beschäftigte hat Amazon im osthessischen Bad Hersfeld nahe der Grenze zu Thüringen – es ist der größte deutsche Standort des Internetversandkonzerns. 2000 Beschäftigte arbeiten in Leipzig, wo heute ebenfalls zum ersten Mal gestreikt wird. Die Streikenden fordern einen besseren Stundenlohn. Der Einstiegslohn beträgt bei Amazon Bad Hersfeld 9,83 Euro. Nach dem Tarifvertrag im Einzel- und Versandhandel müsste Amazon 12,18 Euro zahlen. Außerdem werden angemessen Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit gefordert, sowie ein tarifvertragliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Auch das gibt es bei Amazon bisher nicht. Die Streikenden stellen sich auf einen harten Arbeitskampf ein. Verdi-Streikleiter Heiner Reimann über die Angst der Amazon-Beschäftigten, die den Arbeitskampf aus Sicht der Gewerkschaft schwer macht:

"Die Angst bei Amazon ist unwahrscheinlich groß. Angst ist immer noch Motivationsmittel Nummer Eins. Angst im Hinblick auf die Übernahme, dass ich einen unbefristeten Job bekomme. Selbst bei den unbefristet Beschäftigten stellen wir fest, dass sie größer ist, als in anderen Betrieben. Das ist meine Wahrnehmung. Das scheint daran zu liegen, dass es ein amerikanischer Arbeitgeber ist, der relativ hemdsärmelig"auftritt mit seinen Aussagen und dementsprechend auch unverhohlen droht."

Am Ende des Tages sind es rund 200 Amazon-Beschäftigte, die sich hier vom Streikposten spontan dazu bewegen lassen, die Arbeit niederzulegen. Später wird man sich in einem zentralen Streiklokal mit den rund 300 Kolleginnen und Kollegen des zweiten Amazon-Werkes in Bad Hersfeld treffen. 500 Streikende bei 3300 Beschäftigten – es scheint so, als ob Verdi damit Amazon noch nicht entscheidend treffen kann. Doch beim Streikposten am Werkstor wertet man das als Erfolg. Der Streik hat ja erst angefangen. Weitere Aktionen werden in den nächsten Wochen folgen.

"Super, läuft richtig gut. Es bleiben einige mit draußen, das ist richtig super. Wenn das so weitergeht, schaffen wir das."

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