Mecklenburg-Vorpommern
Streit in Rostock um Denkmalschutz für altes Volkstheater

Zwischen der der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns und der Hansestadt Rostock gibt es Streit um das alte Volkstheaters.

    Blick auf das weiße modern wirkende Gebäude mit Pflanzen-Terrassen. Davor laufen und sitzen Menschen.
    Das Volkstheater Rostock. (Bernd Wüstneck / dpa)
    Die Stadt will den DDR-Bau aus den 1970er Jahren abreißen und dort Wohnungsbau ermöglichen. Das Theater soll einen Neubau bekommen, die Arbeiten haben bereits begonnen. Nun hat das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege aber den terrassierten Vorplatz, das Eingangsgebäude und das dahinter liegende backsteinerne Probebühnenhaus unter Denkmalschutz gestellt - sehr zum Ärger der Stadtverwaltung.

    "Pläne der Stadt konterkariert"

    Ein Stadtsprecher erklärte, die Unterschutzstellung von Teilen des Theaters und Außenflächen konterkariere die Pläne der Stadt und würde sie wirtschaftlich unmöglich machen. Laut der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft sollte der Verkauf der Fläche fünf bis zehn Millionen Euro einbringen. Damit sollte ein Teil der Kosten für den Neubau gedeckt werden. Fraktionschefin Chris Günther wirft der rot-roten Landesregierung in Schwerin vor, die kommunale Verantwortung auszuhebeln. "Wir reden hier über einen Gebäudeteil, der zu klein ist, dessen Brandschutz nicht mehr funktioniert und der mit Schadstoffen belastet ist", so Günther. "Selbst Umkleiden mussten wegen Schimmel gesperrt werden. Wer so etwas unter Schutz stellt, schützt nicht die Geschichte, sondern die Absurdität." Günther fordert das Land auf, die Denkmalschutz-Entscheidung zu korrigieren oder die finanziellen Folgen zu übernehmen. "Was wir nicht akzeptieren werden, ist eine Bauruine mitten in der Stadt, nur weil im Ministerium jemand nostalgische Gefühle für DDR‑ Architektur entwickelt hat."

    "Ausschließlich fachliche Kriterien"

    Das Kulturministerium in Schwerin bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege "auf Eingabe einer Privatperson hin den Denkmalwert des Volkstheaters geprüft und für Teile des Ensembles einen Denkmalwert festgestellt hat." Die Feststellung des Denkmalwertes erfolgt ausschließlich nach fachlichen Kriterien auf Grundlage des Denkmalschutzgesetzes in Mecklenburg-Vorpommern, betonte ein Ministeriumssprecher. "Maßgeblich ist, ob an der Erhaltung und Nutzung einer Sache ein öffentliches Interesse besteht." Politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Erwägungen seien hingegen nicht ausschlaggebend. "Ebenso setzt Denkmaleigenschaft nicht voraus, dass ein Objekt allgemein als schön empfunden wird oder gefällt."

    "Bezüge zu Seefahrt und Backsteintradition"

    Das Land schreibt zur Begründung weiter, die zwischen 1975 und 1978 entstandene Erweiterung des Volkstheaters Rostock besitze besonderen architektur-, stadt- und kulturgeschichtlichen Zeugniswert. "Die Anlage verbindet eine klare, geometrisch-moderne Formensprache mit städtebaulicher Sensibilität und lokalen Bezügen – von der Rostocker Seefahrt über die Industriegeschichte der Kröpeliner-Tor-Vorstadt bis zur regionalen Backsteintradition." Zugleich stehe sie für eine frühe Rückbesinnung auf die historische Stadt und für eine qualitätvolle Weiterentwicklung des Bestands.
    Diese Nachricht wurde am 28.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.