Aus Sicht der Befürworter könnte Care ein Meilenstein für die Forschungslandschaft in Nordrhein-Westfalen werden. Care – das steht für Centrum für angewandte regenerative Entwicklungstechnologien. Angesiedelt beim Max-Planck-Institut in Münster wollen Forscher in diesem Zentrum künftig mithilfe sogenannter iPS-Stammzellen bessere Erkenntnisse über die Wirksamkeit von Medikamenten gewinnen. Tierversuche, so argumentieren die Experten, könnten damit in Zukunft überflüssig werden. Professor Hans Schöler ist Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster und ist die treibende Kraft hinter dem Projekt:
"Wir werden damit nicht in der Lage sein, den Menschen wieder neu zu erfinden. Aber Erkrankungen zu verlangsamen, das ist eine Sache, die man mit Medikamenten sehr wohl durchführen kann."
Krankheiten wie Diabetes oder Alzheimer könnten durch die neue Forschung besser untersucht werden – deshalb hielt schon der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das Care-Zentrum für eine gute Sache. Im Landtagswahlkampf 2010, kurz vor seiner Abwahl, soll der Christdemokrat deshalb eine Anschubfinanzierung von 60 Millionen Euro für das Forschungsinstitut versprochen haben. Eine gewaltige Summe, die aber im Haushaltsplan der damaligen schwarz-gelben Landesregierung nicht auftauchte, sagt die heutige Wissenschaftsministerin Svenja Schulze von der SPD:
"Herr Rüttgers hat einen ungedeckten Scheck hinterlassen. Er hat zugesagt, dass dieses Projekt gefördert wird, ohne dass er dafür Haushaltsvorsorge getroffen hat und ohne dass er wirklich dieses Projekt konkret nach vorne gebracht hat. Wir müssen ja eine Gesellschaftsstruktur haben, wir müssen einen Businessplan haben. Das lag alles noch nicht vor."
Jetzt ist ein politischer Streit in Düsseldorf entbrannt, denn auch Svenja Schulze muss sich nun Vorwürfe von der CDU- und FDP-Opposition anhören, weil sie nach dem Regierungswechsel vor eineinhalb Jahren ebenfalls Geld für das Care-Institut im Landesetat eingeplant hat. Auf einer eigens einberufenen Sondersitzung fielen am Dienstag im Wissenschaftsausschuss des Landtags scharfe Worte. Ministerin Schulze wolle das renommierte Projekt in Münster offenbar "vor die Wand fahren". Angesichts der angespannten Haushaltslage in NRW sei sie vor dem Finanzminister eingeknickt. Das bringe ihn auf die Palme, so wird der Münsteraner CDU-Abgeordnete Thomas Sternberg in der "Rheinischen Post" zitiert:
"Es handelt sich um eine nicht für Münster, sondern für ganz Nordrhein-Westfalen und sogar für den Standort Deutschland wichtige Forschung, auch der Anwendung einer Grundlagenforschung, die sehr oft ein Problem deutscher Forschungsförderung gewesen ist. Der MP3-Player ist in Deutschland erfunden, aber nie in Deutschland gebaut worden, zum Beispiel."
Aus Sicht des CDU-Parlamentariers und auch der FDP steht fest: Die rot-grüne Landesregierung gefährdet den Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen. Außerdem drohe dem Land nun der Verlust wichtiger Fördermittel aus Brüssel. Die Europäische Union habe über 50 Millionen Euro für das Care-Institut bereitstellen wollen – das stehe nun infrage. Die rot-grüne Landesregierung würde hingegen auch die Pharmaindustrie gerne in die Pflicht nehmen, schließlich würde sie von der Arbeit bei Care profitieren. Der Münsteraner Wissenschaftler Hans Schöler hält eine stärkere finanzielle Beteiligung der Pharmaunternehmen aber für wenig wahrscheinlich:
"Die Pharmaindustrie rechnet natürlich mit spitzem Bleistift, und die wissen genau, dass es da ein gewisses Risiko gibt. Die brauchen eine Brücke zwischen der Grundlagenforschung und dann der Endentwicklung. Und diese soll aus Sicht der pharmazeutischen Industrie durch die Öffentlichkeit gefördert werden, die ja daraus einen Nutzen hat."
Als Reaktion auf die Vorwürfe hat Ministerin Schulze jetzt eine sorgfältige Prüfung des Projekts versprochen. Im Übrigen habe sie habe bereits seit Langem Gespräche geführt, aber wichtige Unterlagen seien erst kurz vor Weihnachten eingetroffen – zu spät, um im Haushalt 2012 noch Geld einplanen zu können. Die Opposition schäumt angesichts dieser Erklärung. Das Geschäftskonzept des Care-Instituts sei dem Ministerium seit dem letzten Sommer bekannt gewesen. Wann die Entscheidung über die Finanzierung von Care nun fällt, ist vorerst offen. Was bleibt, sind neue Vorwürfe über das Krisenmanagement von Wissenschaftsministerin Schulze. Seit der Affäre um angeblich verschwundenen Atommüll im vergangenen Frühjahr hat der Ruf der SPD-Politikerin in Düsseldorf arg gelitten.
"Wir werden damit nicht in der Lage sein, den Menschen wieder neu zu erfinden. Aber Erkrankungen zu verlangsamen, das ist eine Sache, die man mit Medikamenten sehr wohl durchführen kann."
Krankheiten wie Diabetes oder Alzheimer könnten durch die neue Forschung besser untersucht werden – deshalb hielt schon der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das Care-Zentrum für eine gute Sache. Im Landtagswahlkampf 2010, kurz vor seiner Abwahl, soll der Christdemokrat deshalb eine Anschubfinanzierung von 60 Millionen Euro für das Forschungsinstitut versprochen haben. Eine gewaltige Summe, die aber im Haushaltsplan der damaligen schwarz-gelben Landesregierung nicht auftauchte, sagt die heutige Wissenschaftsministerin Svenja Schulze von der SPD:
"Herr Rüttgers hat einen ungedeckten Scheck hinterlassen. Er hat zugesagt, dass dieses Projekt gefördert wird, ohne dass er dafür Haushaltsvorsorge getroffen hat und ohne dass er wirklich dieses Projekt konkret nach vorne gebracht hat. Wir müssen ja eine Gesellschaftsstruktur haben, wir müssen einen Businessplan haben. Das lag alles noch nicht vor."
Jetzt ist ein politischer Streit in Düsseldorf entbrannt, denn auch Svenja Schulze muss sich nun Vorwürfe von der CDU- und FDP-Opposition anhören, weil sie nach dem Regierungswechsel vor eineinhalb Jahren ebenfalls Geld für das Care-Institut im Landesetat eingeplant hat. Auf einer eigens einberufenen Sondersitzung fielen am Dienstag im Wissenschaftsausschuss des Landtags scharfe Worte. Ministerin Schulze wolle das renommierte Projekt in Münster offenbar "vor die Wand fahren". Angesichts der angespannten Haushaltslage in NRW sei sie vor dem Finanzminister eingeknickt. Das bringe ihn auf die Palme, so wird der Münsteraner CDU-Abgeordnete Thomas Sternberg in der "Rheinischen Post" zitiert:
"Es handelt sich um eine nicht für Münster, sondern für ganz Nordrhein-Westfalen und sogar für den Standort Deutschland wichtige Forschung, auch der Anwendung einer Grundlagenforschung, die sehr oft ein Problem deutscher Forschungsförderung gewesen ist. Der MP3-Player ist in Deutschland erfunden, aber nie in Deutschland gebaut worden, zum Beispiel."
Aus Sicht des CDU-Parlamentariers und auch der FDP steht fest: Die rot-grüne Landesregierung gefährdet den Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen. Außerdem drohe dem Land nun der Verlust wichtiger Fördermittel aus Brüssel. Die Europäische Union habe über 50 Millionen Euro für das Care-Institut bereitstellen wollen – das stehe nun infrage. Die rot-grüne Landesregierung würde hingegen auch die Pharmaindustrie gerne in die Pflicht nehmen, schließlich würde sie von der Arbeit bei Care profitieren. Der Münsteraner Wissenschaftler Hans Schöler hält eine stärkere finanzielle Beteiligung der Pharmaunternehmen aber für wenig wahrscheinlich:
"Die Pharmaindustrie rechnet natürlich mit spitzem Bleistift, und die wissen genau, dass es da ein gewisses Risiko gibt. Die brauchen eine Brücke zwischen der Grundlagenforschung und dann der Endentwicklung. Und diese soll aus Sicht der pharmazeutischen Industrie durch die Öffentlichkeit gefördert werden, die ja daraus einen Nutzen hat."
Als Reaktion auf die Vorwürfe hat Ministerin Schulze jetzt eine sorgfältige Prüfung des Projekts versprochen. Im Übrigen habe sie habe bereits seit Langem Gespräche geführt, aber wichtige Unterlagen seien erst kurz vor Weihnachten eingetroffen – zu spät, um im Haushalt 2012 noch Geld einplanen zu können. Die Opposition schäumt angesichts dieser Erklärung. Das Geschäftskonzept des Care-Instituts sei dem Ministerium seit dem letzten Sommer bekannt gewesen. Wann die Entscheidung über die Finanzierung von Care nun fällt, ist vorerst offen. Was bleibt, sind neue Vorwürfe über das Krisenmanagement von Wissenschaftsministerin Schulze. Seit der Affäre um angeblich verschwundenen Atommüll im vergangenen Frühjahr hat der Ruf der SPD-Politikerin in Düsseldorf arg gelitten.