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StartseiteKultur heute"Daran erinnern, wie nah Krieg und Frieden beieinander liegen"12.08.2019

Streit um Checkpoint-Charlie-Planungen"Daran erinnern, wie nah Krieg und Frieden beieinander liegen"

Mit Empörung haben zwölf Kulturinitiativen auf die Pläne der Berliner Stadtverwaltung reagiert, auf der freien Fläche am Checkpoint Charlie ein Museum sowie Wohn- und Geschäftshäuser errichten zu wollen. Dieser historische Ort dürfe nicht einfach zugebaut werden, sagte der Kulturmanager Dimitri Hegemann im Dlf.

Dimitri Hegemann im Gespräch mit Henning Hübert

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Der ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie heute (Friedhelm Denkeler)
Kommerz statt Begegnungsort: der ehemalige Grenzübergang Checkpoint Charlie heute (Friedhelm Denkeler)
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Stadtplatz, Kalter-Krieg-Museum und Wohn- und Geschäftshäuser: So will die Senatsverwaltung die leere Fläche auf beiden Seiten der Friedrichstraße im Berliner Stadtzentrum füllen. Ursprünglich wollte dort ein Investor ein Hotel bauen. Diesen Planungen fehle jede Idee, die vom Menschen und nicht vom Kommerz ausgeht, hieß es bei einem Workshop am Wochenende, zu dem eine Kulturinitative eingeladen hatte. Sie fordert statt eines "Plan B" – Beton und Bauen – einen "Plan C" – Consense statt Conflict und Community statt Commerce.

"Der Schlüssel ist nicht der Beton"

Der ehemalige Berliner Kultursenator Tim Renner (SPD) hatte den "bürgerschaftlichen Rat" eingeladen. Zu seinen bislang zwölf Mitgliedern zählen unter anderem Annemie Vanackere, Intendantin des HAU Hebbel am Ufer [*], die Galeristin und Kuratorin Yasha Young und der Architekt Daniel Libeskind, der bei der Tagung unter anderem sagte:

"Der Schlüssel ist nicht der Beton und die Gestaltung von Gebäuden, sondern die Frage: Was kann dieser Platz den Menschen geben, den Berlinern, den Deutschen, allen in der ganzen Welt?"

"Wir sind alle aufgeschreckt worden", sagte im Deutschlandfunk auch der Berliner Kulturmanager Dimitri Hegemann, der 1991 mit dem "Tresor" einen der bekanntesten Techno-Clubs der Welt eröffnete und ebenfalls Mitglied der Initiative ist. "Das kann doch nicht sein, dass da jetzt alles zugebaut wird an diesem historischen Ort."

Die Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen wisse ja schon gar nicht mehr, dass sich am "Checkpoint Charlie" einmal Russen und Amerikaner unmittelbar gegenüberstanden - "und wie nah Krieg und Frieden beieinanderliegen, gerade in der heutigen Zeit", so Hegemann: "Eine der großen Errungenschaften war der Frieden, und da müssen wir immer wieder dran erinnern."

"Unsere Köpfe glühen"

Er selbst könne sich deshalb vorstellen, so der 64-Jährige in "Kultur heute", zumindest zeitweise als historisches Symbol einen russischen und einen amerikanischen Panzer an der Stelle der ehemaligen Grenze aufzustellen. Daniel Libeskind habe einen "Room of living democracy" als Ort der Versammlung und der Versammlung vorgeschlagen. "Was da jetzt gebaut wird", so Hegemann, "ist so, als würde man alles verdrängen, als wäre da nie was gewesen." Zwar sei die Einspruchsfrist gegen die bestehenden Planungen, bis zum 21. August, sehr knapp, aber: "Unsere Köpfe glühen auch vor Ideen."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.


[*] An dieser Stelle haben wir den Nachnamen der Intendantin des HAU Hebbel am Ufer korrigiert.

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