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Streit um das "Schwarzbuch WWF"

Zuletzt hat das Image des WWF stark gelitten: Sein Ehrenpräsident wurde bei der Elefantenjagd erwischt und der US-Dependance nachgesagt, mit der Gentech-Lobby zu kuscheln. All dies war zu lesen in dem "Schwarzbuch WWF" von Wilfried Huismann, das einen heftigen Streit auslöste. Jetzt sollen sich Autor, Verlag und WWF auf einen Vergleich geeinigt haben.

Von Philip Banse | 24.07.2012

Das umstrittene "Schwarzbuch WWF", derzeit auf Platz 18 der Spiegel-Bestseller-Liste, muss ab der nächsten Auflage im Herbst entschärft werden. Das sieht ein unterschriftsreifer Vergleich zwischen dem WWF und dem Verlag vor, dessen Anhang mir vorliegt. Dort werden 21 Passagen aufgelistet, die gestrichen, ergänzt oder entschärft werden sollen. Auf diese Änderungen hätten sich alle geeinigt, sagen Autor Huismann, der WWF und der Justiziar des Gütersloher Verlagshauses Rainer Dresen.

"Beide Seiten akzeptieren, dass künftige Auflagen, also die ab Herbst zu druckenden, dass die diese neue Fassung enthalten und dass dann der Rechtsstreit um das Buch endgültig erledigt ist, dass dann auch künftig keine Passagen mehr vorgebracht werden können vom WWF."

Dennoch ist der Vergleich noch nicht unterschrieben, weil sich Verlag und WWF noch darüber streiten, mit welchen Worten dieser Vergleich in Presseerklärungen bekannt gemacht werden soll. Allein fünf Umformulierungen betreffen den zentralen Vorwurf des Buchs: Der WWF arbeite zu eng mit Industriekonzernen der Gentech- und Palmölindustrie zusammen. So hatte Autor Huismann geschrieben:

"Am Runden Tisch für verantwortungsvolle Gentechnik arbeitet er mit dem Gentechnikriesen Monsanto zusammen."

Nach dem Vergleich müsste es dann heißen:

Am Runden Tisch für verantwortungsvolle Gentechnik "sitzt" der WWF "mit dem Gentechnikriesen Monsanto zusammen."

An drei weiteren Stellen wird die Behauptung relativiert, der WWF arbeite zu eng mit der Industrie zusammen. Derzeit heißt es im "Schwarzbuch WWF" noch:

"Niemand vernichtet in Asien mehr Regenwald als [der Palmöl-Konzern] Wilmar; trotzdem pflegt der WWF mit diesem Konzern eine Kooperation."

Das soll geändert werden in:

"trotzdem hat der WWF im Jahr 2007 mit dem Konzern einen bis 2009 befristeten honorarfreien Beratervertrag vereinbart, in der Hoffnung, 'sein Verhalten zu bessern"…"

Ganz gestrichen wurde ein Interview mit der WWF-Vertreterin Dörte Bieler, in dem der Eindruck entstanden war, der WWF lasse sich von der Industrie für imageträchtige Öko-Label bezahlen. Diese Interview sei nur für den Fernseh-Film des Autors frei gegeben worden, wird in kommenden Ausgaben zu lesen sein, nicht jedoch für dieses Buch.

Viel Kritik übt das "Schwarzbuch" auch am Wirken des WWF in Argentinien. Die Umweltorganisation unternehme "nichts gegen die Waldzerstörung durch die Soja-Industrie."

Nach dem Vergleich soll es heißen, der WWF unternehme "nicht genug" gegen die Waldzerstörung durch die Soja-Industrie.

An mehreren Stellen hat der WWF durchgesetzt, dass der Text des Schwarzbuchs um Hintergründe und Zahlen ergänzt werden muss. So entsteht zu einigen Aspekten ein differenzierteres Bild der Wirklichkeit, gesteht auch WWF-Kritiker Wilfried Huismann. Er zeigt sich zufrieden mit dem wahrscheinlichen Vergleich:

"Die Kernthese bleibt erhalten. Auch die Kernthese, dass der WWF auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Ländern mit dem Gentechnik-Riesen Monsanto kooperiert und damit auch seine Geschäfte indirekt unterstützt."

Zu industrienah? Dieser Vorwurf sei fast so alt wie der WWF, sagt Astrid Deilmann vom WWF, weil der WWF nicht auf Konfrontation mit der Industrie setze:

"Aus unserer Sicht ist das Buch nach wie vor – auch wenn wir die Änderungen gemacht haben – immer noch verzerrend und polemisch. Daran wird sich nichts ändern. Da müsste man das Buch umschreiben. Es ist einfach der Ton. Das ist auch das gute Recht des Autors das so darzustellen. Uns war wichtig, exemplarisch die Dinge, die man juristisch greifen kann, auch anzupacken. Und das haben wir getan."

Der umstrittene Film von Wilfried Huismann zum selben Thema wäre von diesem wahrscheinlichen Vergleich nicht betroffen und beschäftigt weiter die Gerichte.