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StartseiteSport am WochenendeBelarus hält an WM-Ausrichtung fest24.10.2020

Streit um Eishockey-WM 2021Belarus hält an WM-Ausrichtung fest

Lettland will die Eishockey-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr angesichts der politischen Lage nicht mehr gemeinsam mit Belarus ausrichten - und sucht einen neuen Partner. Aus Belarus gibt es dafür Kritik: Falls nötig, könne man die Weltmeisterschaft auch alleine stemmen, so Verbandspräsident Baskow.

Von Florian Kellermann

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Alexander Lukashenko bei einem Eishockey-Match im Januar 2020 (dpa/picture alliance/Natalia Fedosenko)
Politik und Sport sind in Belarus eng verbunden. Präsident Alexander Lukashenko bei einem Eishockey-Match im Januar 2020 (dpa/picture alliance/Natalia Fedosenko)
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Für eine Absage an Minsk plädieren auch belarussische Sportler, die sich mit den Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko solidarisieren. Sie haben dafür politische Gründen, so Alexander Apeikin von der Belarussischen Sport-Solidaritäts-Stiftung: "Wenn die ganzen anderen Länder ihre Sportler und Delegationen nach Belarus schicken, dann erkennen sie damit automatisch Lukaschenko als legitimen Präsidenten an – und die Regierung als legitime Regierung. Lukaschenko ist aber kein legitimer Präsident mehr und das solle auch die internationale Gemeinschaft des Sports deutlich machen."

Die Internationale Eishockey-Föderation hatte argumentiert, die Weltmeisterschaft dürfe nicht verschoben werden, Sport müsse apolitisch bleiben. In den Augen von Alexander Apeikin ist dieses Argument falsch. Eine WM in Belarus werde vom Regime in Minsk in jedem Fall politisch benutzt, um ihre Macht zu festigen, ob die teilnehmenden Sportler das wollten oder nicht. Es würde außerdem den politischen Druck auf die belarussischen Sportler weiter erhöhen.

Spieler sind eingeschüchtert

"Zwei Sportler aus dem Bereich Eishockey haben offen gegen Lukaschenko Positionen bezogen. Der Trainer der Jugend-Nationalmannschaft und der Interims-Direktor eines Klubs. Natürlich wurden sie sofort entlassen. Auch die meisten Spieler sind auch gegen Lukaschenko. Aber sie sind durch Verträge gebunden. Sie sind eingeschüchtert und schweigen bisher."

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko spielt am 7. Februar 2020 bei einem Freundschafts-Eishockeyspiel in Krasnaya Polyana (Russland) mit. (imago images / ITAR-TASS) (imago images / ITAR-TASS)Sportler in Belarus - Die Konsequenzen des Protests
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko ist auch Präsident des Nationalen Olympischen Komitees und somit der höchste Sportfunktionär des Landes. Aber immer mehr Sportlerinnen und Sportler, Betreuer und Offizielle sind Teil der Proteste gegen ihn. Das hat Folgen für sie.

Der belarussische Eishockey-Verband indes geht weiterhin fest davon aus, dass die WM in Belarus stattfindet – wie geplant mit dem Endspiel in Minsk. Der Verbandspräsident Dmitrij Baskow erklärte, die Vorbereitungen liefen planmäßig. Schon vor einigen Wochen sagte er dem belarussischen staatlichen Fernsehen: "Scheinbar haben die Politiker in Lettland nicht genug zu tun, dass sie jetzt auch noch den Sport politisieren müssen. Sie sollten ihre Energie lieber darauf verwenden, das eigene Land zu entwickeln, statt sich bei uns einzumischen."

Verbandspräsident profitiert von Lukaschenko-Loyalität

Falls nötig, könne Belarus die Weltmeisterschaft auch ganz alleine ausrichten, sagte Baskow. Dabei ist der 42-jährige Verbandsvorsitzende das beste Beispiel dafür, wie eng Politik und Sport in Belarus verbunden sind. Er gibt sich immer wieder als glühender Anhänger von Präsident Lukaschenko zu erkennen. 

"Ich werde meine politischen Ansichten und meine persönliche Beziehung zum Präsidenten nicht verheimlichen. Ich kenne ihn, seit ich 17 Jahre alt bin. Ich weiß, was er für ein Mensch ist. Ich habe beobachtet, wie positiv sich unser Staat im vergangenen Vierteljahrhundert entwickelt hat."

Von dieser Loyalität profitiere Baskow auch wirtschaftlich, sagen Gegner des belarussischen Regimes. Der Verbandspräsident ist unter anderem an einer Batterien-Fabrik bei Brest beteiligt. Sie wurde nach Ansicht von Bürgerinitiativen genehmigt, obwohl sie den geltenden Umweltschutz-Bestimmungen in keiner Weise genüge.

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