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StartseiteUmwelt und VerbraucherLudwigshafener Versorger bietet veganen Strom an27.08.2018

StromtarifeLudwigshafener Versorger bietet veganen Strom an

Veganer achten darauf, Tieren nicht zu schaden – in allen Lebensbereichen. Die Technischen Werke Ludwigshafen bieten deswegen einen veganen Stromtarif an. Der verzichtet nicht nur auf Atomstrom oder Braunkohle, sondern auch auf Windkraft oder Biogas. Verbraucherschützer sehen den Tarif jedoch kritisch.

Von Ludger Fittkau

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Über einer Photovoltaikanlage in Taizhou, China, schwebt eine Drohne. Mit ihr werden die Panele kontrolliert.  (imago / China Photo Press)
Solarenergie kommt für Veganer infrage - aber nicht jede Anlage. (imago / China Photo Press)
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Wer etwas über veganen Strom und veganes Gas erfahren will, landet erst einmal neben einem mächtigen Müllheizkraftwerk. Doch in dem Bürotrakt gleich neben der Anlage mit Kraft-Wärme-Koppelung, mit der die Ludwigshafener Innenstadt versorgt wird, hat auch Frank Prausa seinen Arbeitsplatz. Er führt die Geschäfte der TWL-Tochter Energie Deutschland GmbH, die bundesweit über das Internet veganen Strom und veganes Gas anbietet. "Vegawatt" nennt sich das Angebot. Frank Prausa erklärt, was seine Firma unter veganem Strom versteht:

"Veganer Strom – was ist das? Wir haben uns erst einmal damit beschäftigt, was gibt es denn? Atomstrom – kommt nicht in Frage. Braunkohle – kommt wegen den Abbauszenarien nicht in Frage. Dann kommen wir zu den erneuerbaren Energien. Da gibt es Windräder, die sind natürlich wegen Vogelschlag immer mal wieder in der Diskussion und wegen Eisbrocken, die rumfliegen können. Dann gibt es Wasserkraft, da wird diskutiert wegen Fischsterben. Gibt es ausreichend Fischtreppen?"

Wasserkraft als Energiequelle für Veganer umstritten

Am Ende blieb die Solarenergie, erzählt Frank Prausa. Aber für eine Zertifizierung als "veganer Strom"  ist längst nicht jede Fotovoltaik-Anlage geeignet. Solarzellen im Freiland sind wegen des Flächenverbrauchs und der Einwirkung auf die Lebenswelt von Tieren ebenso ausgeschlossen, wie Großanlagen etwa auf Deponie-Flächen, weil viele Veganer Mülldeponien grundsätzlich kritisch sehen. Frank Prausa nennt weitere Bedingungen:

"Sie dürfen nicht auf Massentierhaltungs-Ställen stehen. Sie befinden sich in ganz Europa. Da geht es auch darum, dass die Anlagen aufgebaut wurden mit Nachhaltigkeit. Das heißt, dass die Anlagen unter den Gesichtspunkten faire Preise nicht in Drittländern produziert sind, sondern auf Europa bezogen, das war uns wichtig."

Weil das "Vegawatt"-Angebot viele Aspekte einer nachhaltigen Stromproduktion berücksichtigt, sei es auch in der Ludwigshafener Kommunalpolitik gut angekommen, betont Iris von Kirschbaum. Sie ist für die Unternehmenskommunikation der Muttergesellschaft "Technische Werke Ludwigshafen AG" zuständig, die sich für ihre Produktideen ja im von Lokalpolitikern dominierten Aufsichtsrat rechtfertigen muss. Auch dort weiß man, dass die Veganer-Kultur teilweise sektiererische Züge annehmen kann. Kritische Fragen habe es jedoch nicht gegeben, so Iris von Kirschbaum:

"Wir haben solche Fragen nicht bekommen. Denn der Wunsch, auch bei Strom und Gas sich sicher sein zu können, dass man gewissen Konditionen für Nachhaltigkeit und einem nachhaltigen Denken genügt, das ist allgemein akzeptiert."

Verbraucherschützer nicht restlos überzeugt

Energieexperte Fabian Fehrenbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hält sich jedoch mit einer Empfehlung zugunsten des veganen Stroms aus Ludwigshafen zurück. Er verweist eher auf andere Produkte im Bereich grüner Strom:

"Ich nenne jetzt mal Grüner-Strom-Label oder OK-Power-Label. Da ist auch die Nachhaltigkeit in gewisser Weise hinterlegt, weil man nachvollziehen kann, wo wir der Strom produziert, wie alt die sind Anlagen, das wäre eher so meine Empfehlung, dass man in diese Richtung geht."

Auch "veganes Gas" bietet die Tochtergesellschaft des kommunalen Energieversorgers in Ludwigshafen an. Während im Luftlinie nur wenige Kilometer entfernten, größten zusammen-hängenden Chemieareal der Welt die Erdgaspipelines aus Nordeuropa ankommen, verzichtet "Vegawatt" aus Erdgas oder Biogas aus Maismonokulturen. Da die Vorprodukte für die Biogaserzeugung auch komplett frei von tierischen Rohstoffen sein müssen, kann "Vegawatt" zurzeit auch nur geringe Mengen veganes Gas anbieten. Frank Prausa:

"Tatsächlich gibt es eine einzige Anlage in Deutschland, die vergärt "Zuckerrübenschnitzel". Das sind Zuckerrübenreste, die aus der Verpressung von Zuckerrüben kommen, die zu nichts mehr benutzt werden können. Die haben keinen Mehrwert mehr, die können zu nichts mehr verfüttert werden, die können auch nicht mehr zum Düngen benutzt werden."

Das vegane Gas aus dieser Anlage ist vergleichsweise teuer. Doch die Technischen Werke Ludwigshafen bieten es an - im Internet unter "Vegawatt".

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