Nach Anschlag
Stromversorgung in Berlin wiederhergestellt - Diskussionen über Ausbau der kritischen Infrastruktur

Nach dem Anschlag auf das Stromnetz in Berlin ist die Energieversorgung wiederhergestellt. Seit kurz nach 14 Uhr gebe es wieder eine Vollversorgung, sagte die für Energie zuständige Wirtschaftssenatorin Giffey. Nun wird über die Konsequenzen aus dem Anschlag diskutiert.

    Mehrere Mitarbeiter des Umspannwerkes an der Argentinischen Allee stehen hinter einem Zaun nebeneinander. Im Vordergrund steht ein Anhänger mit der Aufschrift "Wir vernetzen Berlin".
    Nach dem tagelangen großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ist die Energieversorgung nahezu wiederhergestellt. (Soeren Stache/dpa)
    Der Regierende Bürgermeister Wegner dankte allen an der Wiederherstellung der Stromversorgung Beteiligten. Die Versorgung sei eineinhalb Tage früher wieder angelaufen als erwartet, sagte der CDU-Politiker beim Besuch eines Umspannwerkes.

    Längster Stromausfall in Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg

    Nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren am Samstagmorgen zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen im Südwesten der Hauptstadt ohne Strom. Den Angaben zufolge war es der längste Stromausfall in der Hauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
    In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen "Vulkangruppen" die Tat für sich reklamiert. Sie sollen seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Ergebnisse gibt es noch nicht, die Polizei sprach von umfangreicher Tatortarbeit. 

    Politik spricht nach Berliner Anschlag von "Linksterrorismus"

    Berlins Innenverwaltung hatte das Bekennerschreiben am Sonntag als authentisch eingestuft. Innensenatorin Spranger (SPD) sprach - wie zuvor der Regierende Bürgermeister Wegner - von "Linksterrorismus". Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen. Auch CDU-Generalsekretär Linnemann sagte bei RTL und ntv: "Das ist Terror. Das ist Linksextremismus"

    DRK-Präsident fordert mehr Investitionen in Bevölkerungsschutz

    Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Gröhe, mahnte angesichts des langen Stromausfalls in Berlin mehr Investitionen des Bundes in den Bevölkerungsschutz an. Deutschlandweit würden mindestens zehn Mobile Betreuungsmodule gebraucht, mit denen in länger andauernden Krisensituationen jeweils 5.000 Menschen versorgt werden könnten, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Im aktuellen Bundeshaushalt seien dafür jedoch keine Finanzmittel eingestellt. Der frühere Bundesgesundheitsminister betonte, der Stromausfall in Teilen Berlins zeige nochmals, wie anfällig die kritische Infrastruktur sei. Der alleinige Blick auf Militärisches greife zu kurz.
    Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft forderte mehr Investitionen in den Schutz der kritischen Infrastruktur. Zwar seien Kliniken in der Regel mit Notstromaggregaten ausgestattet, sie sicherten jedoch nur für begrenzte Zeit einen Grundbetrieb, sagte Vorstandschef Gaß der Augsburger Allgemeinen. Die geopolitische Lage und die Anschläge in Berlin machten unmissverständlich klar, Resilienz und Sicherheit müssten dauerhaft fester Bestandteil der Krankenhausstrukturen sein. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen, betonte in der Neuen Osnabrücker Zeitung, auf einen Angriff mit Tausenden Opfern sei Deutschland nicht ansatzweise vorbereitet.
    Diese Nachricht wurde am 07.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.