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StartseiteCampus & KarriereStudentenbude verzweifelt gesucht19.03.2013

Studentenbude verzweifelt gesucht

Fachtagung thematisiert Wohnungsnot Studierender

Lieber im Container wohnen oder bei Mama bleiben und täglich 50 Kilometer zur Uni pendeln: Vor dieser Wahl stehen immer mehr Studienanfänger. Und die Lage wird sich wohl noch verschärfen - eine Fachtagung sucht nach Lösungen.

Von Claudia van Laak

Ein Studentenwohnheim in Garching: Immer mehr Studienanfänger suchen nach günstigem Wohnraum. (Studentenwerk München)
Ein Studentenwohnheim in Garching: Immer mehr Studienanfänger suchen nach günstigem Wohnraum. (Studentenwerk München)
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Immer mehr Studierende drängen auf den Wohnungsmarkt, die Mieten steigen. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Studierenden, die von einem preiswerten Wohnheimplatz profitieren können. Nur noch jeder Zehnte hat die Chance auf ein Zimmer im Studentenwohnheim, so die Bestandsaufnahme auf der Tagung heute. Mathias Pink von der Immobilienberatungsfirma Saville:

"Diese zusätzliche Nachfrage muss bedient werden und das ist im Moment einfach nicht der Fall und die Situation ist eben durchaus dramatisch."

Die steigende Nachfrage auf dem studentischen Wohnungsmarkt lockt auch private Investoren. So entstehen gerade in den großen Städten privat finanzierte Studentenwohnanlagen – etwa 6000 Plätze sind im Bau, weitere 8000 in Planung.

"Wir haben ja in den letzten Jahren einen ausgesprochenen Hype vieler Investoren, insbesondere Versicherungen, aber auch Immobilienfonds, schauen sich dieses Segment sehr genau an. Und haben hier auch schon investiert. Das sind aber alles Investoren, die sehr, sehr wenig Risiko eingehen und das bedeutet gleichzeitig, dass sie sich vor allem auf das Hochpreissegment konzentrieren."

Mathias Pink vom der Immobilienberatungsfirma Saville geht davon aus, dass sich die Situation auf dem studentischen Wohnungsmarkt nicht entspannen wird. Erstens würden Deutschlands Hochschulen wegen der fehlenden Studiengebühren für ausländische Studierende immer attraktiver, zweitens rechnet er damit,

"dass die Euro-Krise dazu führt, dass viele junge Menschen aus den Krisenländern auswandern und der bevorzugte Zuzugsstandort ist eben Deutschland aufgrund der Attraktivität, auch der wirtschaftlichen Attraktivität, und der Perspektiven am Arbeitsmarkt. Die ist einfach in Ländern wie Griechenland, Spanien auf Sicht von zehn Jahren für viele junge Leute nicht gegeben. Und deswegen entscheiden sie sich auch für ein Studium in Deutschland. Und dieser Zuwanderungsstrom wird aus meiner Sicht auch auf Sicht von mehreren Jahren noch anhalten."

Georg Schlanzke vom Deutschen Studentenwerk sieht dies ähnlich. Er hat festgestellt: Durch die fehlenden Studiengebühren zieht es eher arme als wohlhabende Ausländer nach Deutschland. Auch aus diesem Grund fordert das Studentenwerk ein Bund-Länder-Programm zum schnellen Ausbau der Wohnheimplätze.

"Es gab in den 70ern und 90ern sehr erfolgreiche Programme, mit denen sehr viele Plätze geschaffen werden konnten. Und wenn wir das heute auflegen könnten, könnten wir da auch relativ schnell die größten Probleme beseitigen."

Die Pläne für ein solches Programm liegen bereits in der Schublade des Deutschen Studentenwerks. Die finanziellen Vorstellungen:

"Wir gehen davon aus, dass ungefähr Bund und Länder jeweils 300 bis 350 Millionen Euro zur Verfügung stellen müssten. Beide Seiten bei einem Investitionsvolumen von 1,5 Milliarden, den Rest bringen dann die Studentenwerke über Kapitalmarkt und Eigenmittel auf."

Aus dem Bundesbauministerium hieß es heute dazu: Wir stehen einem solchen Programm skeptisch gegenüber – die Föderalismusreform ließe eine solche Zusammenarbeit von Bund und Ländern nicht zu. Bei einem runden Tisch Ende letzten Jahres hatte Bundesbauminister Ramsauer den Umbau von leer stehenden Kasernen zu Wohnheimen angeregt – ein Vorschlag, den das Studentenwerk skeptisch sieht. Es gäbe nur wenige geeignete Standorte.

Im Mai wird es ein erneutes Treffen des runden Tisches "Studentisches Wohnen" im Bundesbauministerium geben – ein Sonderprogramm des Bundes dürfte vor der Bundestagswahl nicht mehr aufgelegt werden.

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