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StartseiteKultur heuteFrauen verdienen auch in Kultur und Medien weniger28.06.2016

StudieFrauen verdienen auch in Kultur und Medien weniger

Nicht nur in den Führungsetagen der großen Konzerne mangelt es an Frauen - auch in Kultur und Medien. Das zeigt eine aktuelle Studie. Die meisten Theater, Museen und Medienanstalten werden von Männern geleitet. Frauen übernehmen dort eher dienende statt leitende Funktionen.

Von Julia Schröder

Die Silhouette eines Geschäftsmannes und einer Geschäftsfrau vor einer weißen Wand. (imago / Felix Jason)
Frauen im Kultur- und Medienbetrieb verdienen oft weniger als ihre männlichen Kollegen (imago / Felix Jason)
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Was haben die Bayerische Akademie der Schönen Künste, die Staatlichen Museen zu Berlin und Deutschlandradio gemeinsam? Bei ihnen standen und stehen bis heute an der obersten Spitze ausschließlich Männer. Das ist eine der Lesefrüchte, die einem die Studie "Frauen in Kultur und Medien" des Deutschen Kulturrats beschert.

Eine andere ist die niederschmetternde Tatsache, dass unter den eh mies bezahlten künstlerischen Freiberuflern in der Künstlersozialkasse die Frauen durchgehend um ein Drittel bis ein Viertel geringere Einkünfte angeben als ihre männlichen Kollegen. Ebenfalls bezeichnend: Vier von fünf deutschen Theatern werden von Männern geleitet, während Frauen zu vergleichbaren Anteilen im Souffleurkasten sitzen.

Freiberuflerinnen werden schlechter bezahlt

Dass Frauen es im Kulturbereich eher zu dienenden als zu leitenden Funktionen bringen, hat nichts mit einem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs zu tun, vielmehr mit einem Phänomen, das eine der Befragten so ausdrückt: "Die Luft wird oben nicht nur dünner, sondern auch männlicher." Und so sieht das aus: An den Universitäten sind die Studierenden der einschlägigen Fächer zur Hälfte weiblich, aber mit Promotion und Habilitation gehen die Zahlen drastisch zurück. An Kunst- und Musikhochschulen ist der Anteil studierender Frauen je nach Fach sogar deutlich höher. Aber unter den Leitungspositionen der Musik- und Kunstakademien sind Frauen auch im 21. Jahrhundert die Ausnahme, ebenso unter Orchestervorständen oder unter den Urhebern von Kunstwerken, die in Galerien gehandelt oder in Museen ausgestellt werden.

Was im Wirtschaftsleben generell gilt, ist also auch im Geistesleben der Republik zu beobachten: Die Frauen starten hoffnungsvoll, aber irgendetwas kommt ihnen beim weiteren Aufstieg in die Quere, und zwar wirkungsvoller als männlichen Kandidaten. Woran liegt das?

Kulturbetrieb männlich dominiert

Die fast 500 Seiten dicke Studie belässt es nicht dabei, in einem ebenso umfang- wie aufschlussreichen Faktenteil die statistische Lage und ihre Entwicklung zwischen 1994 und 2014 darzustellen. Die Verfasserinnen und Verfasser versuchen zudem zu ergründen, was hinter den Zahlen steckt. Sie folgen dabei dem Motto "Differenzierte Betrachtung ist von Nöten".

Wenn man die differenzierte Betrachtung wieder ein bisschen vereinfachen will, läuft es letztlich auf drei große Hürden hinaus: Der Kulturbetrieb ist seit Jahrhunderten männlich dominiert, er befördert und wertschätzt männliche Künstler und männliche Sehweisen; für "Malweiber" hat er weniger übrig. Zudem ist die Zahl weiblicher Rollenvorbilder ebenso ausbaufähig wie Wille und Möglichkeit zu karrierefördernder Netzwerkarbeit. Und nicht zuletzt gilt für Künstlerinnen und Kulturschaffende das, was für alle Frauen im Arbeitsleben gilt – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ihr Problem, und nicht das der Männer. Muss man diesen Befund schulterzuckend hinnehmen?

Sinnvolle Quoten

Der Deutsche Kulturrat versucht durchaus, und dankenswerterweise ebenfalls mit dem erkennbaren Willen zur Differenzierung, die Mittel der Gleichstellungsförderung, die es schon gibt, aufzuzeigen und in ihrer Wirksamkeit einzuschätzen. So halten die Autorinnen und Autoren eine Quote bei der Besetzung von Jurys, Kommissionen und Gremien für sinnvoll, anderswo nicht, sie lassen aber gewisse Sympathien für Initiativen wie "Pro Quote" im Medienbereich und "Pro Quote Regie" durchblicken, in denen Journalistinnen und Filmemacherinnen jeweils bestimmte Selbstverpflichtungen für die geschlechtergerechte Zukunft ihrer Zunft fordern.

Dass solche Maßnahmen etwas bewirken, zeigt neben erfolgreicher Gleichstellungsarbeit an vielen Hochschulen unter anderem das Beispiel der Rundfunkanstalten. Im Unterschied zur frauenarmen Hierarchie-Ebene bei anderen ARD-Anstalten arbeiten beim Westdeutschen Rundfunk nicht nur zur Hälfte Frauen, sie sind auch entsprechend in den Führungsetagen vertreten. Wie sich zeigt, lassen sich geeignete weibliche Persönlichkeiten finden. Wenn man nur will.

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