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StartseiteInformationen am MorgenPalästinenser und Israelis schätzen Deutschland12.01.2015

StudiePalästinenser und Israelis schätzen Deutschland

Eine gemeinsame Studie zum Deutschlandbild von Israelis und Palästinenser zeigt: Beide Gruppen schätzen die deutsche Verlässlichkeit. Selbst die Anhänger der radikalen Hamas wünschen sich ein engeres Verhältnis.

Von Torsten Teichmann

Blick auf den Jerusalemer Tempelberg mit Felsendom und Klagemauer (picture alliance / dpa/ Marius Becker)
Blick auf die Jerusalemer Altstadt: Sowohl Palästinenser als auch Israelis schätzen die Deutschen. (picture alliance / dpa/ Marius Becker)
Weiterführende Information

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Chemda lernt am Goethe-Institut in Tel Aviv Deutsch. Ein Lieblingswort hat die junge Israelin auch schon: Schlamassel. Und ihr Ziel ist es, einmal nach Deutschland zu ziehen, erklärt Chemda:

"Vielleicht ziehe ich nach Deutschland. Es ist ein bisschen kompliziert. Aber ich würde es gern einmal probieren."

Seit Jahren meldet das Goethe-Institut einen Ansturm auf seine Deutschkurse. Aber ist das Interesse an Deutschland in Israel tatsächlich gewachsen. Ist dieses Gefühl, das in Tel Aviv vorherrscht, belastbar?

Die Büros der CDU-nahen Adenauer-Stiftung in Jerusalem und Ramallah haben Israelis, aber auch Palästinenser in einer gemeinsamen Studie nach ihrem Deutschlandbild befragt. Zum ersten Mal. Michael Borchard vom Büro in Jerusalem sagt, ihn habe bei der Auswertung vor allem die große Übereinstimmung überrascht. Beispiel: Deutschland als Vermittler im Nahost-Konflikt.

"Das ist einer der interessanten Befunde, den wir in der Umfrage festgestellt haben, dass eigentlich beide Seiten, sowohl Israelis als auch Palästinenser, eine noch aktivere Rolle der Bundesrepublik Deutschland wünschen."

Holocaust als häufigste Assoziation mit Deutschland

Dabei basiert das Verhältnis zu Deutschland nach Ansicht vieler Israelis auf historischen Gründen. Bei der offenen Frage "Was assoziieren sie mit Deutschland?" wird der Holocaust immer noch am häufigsten genannt, also der millionenfache Mord an europäischen Juden durch die Nationalsozialisten. Wichtig seien für Israelis aber zunehmend gemeinsame Interessen geworden, sagt Borchard.

"Wir haben unter anderem hier auch in Tel Aviv eine Fokusgruppe mit jungen Menschen gehabt. Die fast unisono dieses Thema militärische Zusammenarbeit genannt haben. Dass Deutschland eine Rolle gespielt hatte bei der Freilassung von Gilad Shalit. Dass das Thema U-Boote natürlich eine große Rolle spielt. Das wird in der Öffentlichkeit in Israel wahrgenommen."

Die Umfrage gibt diesen Eindruck in harten Zahlen wieder. Auch bei den Palästinensern werde das besondere Verhältnis von Deutschland zu Israel sehr genau wahrgenommen, sagt Hans Heyn vom Büro der Adenauer-Stiftung in Ramallah. Gleichzeitig gebe es – wie in Israel auch im Westjordanland und Gaza - ein positives Bild der Bundesrepublik:

"Bei einer offenen Frage, was verbinden sie mit Deutschland: Der höchste Einzelwert mit 32 Prozent ist die deutsche Offenheit und der deutsche Optimismus. Etwas, was wir in Deutschland manchmal selbst nicht so sehr mit uns verbinden."

Hamas-Anhänger wünschen sich auch engeres Verhältnis zu Deutschland

Selbst unter Anhängern der Hamas haben 70 Prozent der Befragten Palästinenser geantwortet, sie wünschen sich ein enges oder noch engeres Verhältnis zu Deutschland.

"Und wir sehen in allen Fragen, dass die Menschen im Gaza-Streifen ein noch deutlich positiveres Deutschlandbild haben, als zum Beispiel im Westjordanland. Was unter anderem darauf beruht, dass ein Viertel der Bevölkerung, 25 Prozent der Menschen in Gaza, sagen an, sie haben Verwandte in Deutschland."

Wird die deutsche Außenpolitik diesen Erwartungen und dieser Verantwortung gerecht? Die Büroleiter aus Nahost, Heyn und Borchard, werden die Zahlen in Berlin vorstellen und Empfehlungen abgeben, zum Beispiel, das Deutschland ernst genommen wird. Politiker könnten also selbstbewusster auftreten, so ein Punkt.

Und auch, was Berlin angeht, ist die Beziehung belastbarer als es unzählige Berichte über billigen Schokopudding, Party- und Klubnächte vermuten lassen, sagt Borchard:

"Der größte Anteil von denjenigen, die wir gefragt haben, was sie an Berlin interessant finden, hat uns in einer offenen Frage gesagt, die Modernität von Berlin und die historischen Punkte, das Thema Coolness kam erst sehr viel weiter hinten."

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