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StartseiteForschung aktuellSteueroasen fördern Raubbau an der Umwelt14.08.2018

StudieSteueroasen fördern Raubbau an der Umwelt

Überfischung der Meere, illegale Fangaktivitäten oder Abholzung des Regenwaldes - laut einer aktuellen Studie könnten Steueroasen dabei helfen, Umweltsünden von Unternehmen zu kaschieren. Zum Beispiel müsse ein illegaler Fischfänger kaum mit Sanktionen rechnen, wenn er ertappt wird.

Von Volker Mrasek

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Illegale Abholzung des Regenwaldes auf Sumatra/Indonesien von November 2011. (picture alliance / dpa / WWF-Indonesia )
Die große Mehrheit der illegal operierenden Schiffe ist also in einem Steuerparadies registriert (picture alliance / dpa / WWF-Indonesia )
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Steueroasen helfen Firmen und Finanzinvestoren dabei, Gewinne am heimischen Fiskus vorbeizuschleusen. Dieselben Steuerparadiese könnten aber auch eine maßgebliche Rolle beim Raubbau an der Natur spielen - zum Beispiel bei der Überfischung der Meere, durch illegale Fangaktivitäten, oder bei der Abholzung von Regenwald. Darauf weisen die Autoren einer neuen Studie hin.

"Im Fall der Fischerei stellen wir fest: Nur vier Prozent aller weltweit registrierten Fisch-Trawler fahren unter der Flagge einer Steueroase. Aber bei den Schiffen, die durch illegale Fangaktivitäten auffallen, sind es 70 Prozent", stellt Alice Dauriach, Forschungsassistentin an der Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm, fest.

Die große Mehrheit der illegal operierenden Schiffe ist also in einem Steuerparadies registriert. Wobei zwei mittelamerikanische Länder als wichtigste Flaggenstaaten herausragen: Belize und Panama.

Steueroasen bieten willkommene gesetzliche Schlupflöcher

Die Forscher warfen außerdem einen Blick auf Sojaanbau und Rinderzucht im Gebiet des Regenwaldes am Amazonas. Hier untersuchten sie ausländische Kapitalflüsse an neun führende brasilianische Agrarkonzerne. Die Daten decken die Jahre 2000 bis 2011 ab. Damals waren sie öffentlich zugänglich. In diesem Zeitraum flossen rund 27 Milliarden US-Dollar an die neun Agrarkonzerne, meist von Tochterfirmen im Ausland:

"Wir stellen fest: Auch hier stammen knapp 70 Prozent der auswärtigen Gelder aus Steueroasen. Viele der Unternehmen haben sich zwar dazu bekannt, keinen Regenwald mehr abzuholzen. Aber Studien zeigen, dass es vor allem die beiden Agrarsektoren Soja-Anbau und Rinderzucht sind, die mit Waldrodungen in Verbindung stehen."

Steueroasen bieten willkommene gesetzliche Schlupflöcher, wenn es darum geht, Umweltauflagen zu umgehen, vermuten die Forscher. Wer illegalen Fischfang betreibe und dabei erwischt werde, müsse kaum mit Sanktionen rechnen, wenn seine Schiffe in einer Steueroase mit laxer Rechtsprechung registriert seien. Auch falle es dann vermutlich leichter, die Herkunft der unerlaubten Fänge zu verschleiern.

"Steuergerechtigkeit und globaler Umweltschutz sind eng miteinander verbunden"

Unklar ist Alice Dauriach dagegen, welche Rolle das viele Geld aus Steueroasen bei der Abholzung von Amazonas-Regenwald genau spielen könnte. Auffällig sei aber auch hier der hohe Anteil in einem umweltsensiblen Industriesektor:

"Dies ist nur ein erster Schritt bei einem Thema, das ganz neu ist. Steueroasen sind zwar schon länger im Fokus. Aber es wurde noch nicht untersucht, was sie für die Umwelt bedeuten. Es wäre schön, wenn Organisationen wie die Vereinten Nationen weitere und größere Studien über den Zusammenhang zwischen Steueroasen und Umweltzerstörung durchführen würden."

Der neue Blick auf Steueroasen war möglicherweise auch der Grund, warum die Fachzeitschrift "Nature Ecology & Evolution" diese Studie jetzt abdruckt. Ihre Veröffentlichung wird auch von Gabriel Zucman begrüsst. Er ist Assistenzprofessor für Ökonomie an der Universität von Kalifornien in Berkeley und befasst sich schon länger mit Steuerparadiesen.

"Dies ist eine wichtige Studie, die zeigt: Steuergerechtigkeit, Transparenz in der Finanzwelt und globaler Umweltschutz sind eng miteinander verbunden. So lange wir keinen Weg finden, um Steueroasen zu regulieren, werden wir es auch nicht schaffen, diese drei bestimmenden Probleme unserer Zeit zu lösen", kommentiert Zucman per E-Mail.

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