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Studie zu Ost-West-Angleichung
Nur "ein paar blühende Landschaften"

In den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung haben sich die Lebensverhältnisse in Ost und West in vielen Bereichen angenähert. Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung besagt aber auch: Eine völlige Angleichung ist vermutlich unmöglich. Ein Ergebnis überraschte die Forscher ganz besonders.

22.07.2015
    "Nach diesem Kraftakt ohnegleichen sind bis heute zwar ein paar blühende Landschaften entstanden", teilte das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung mit. Von einer flächenhaften Angleichung zwischen Ost und West könne aber keine Rede sein. Die Einheit sei eben keine Folge eines politischen Willensaktes,sondern ein schwieriger, langwieriger Prozess der Annäherung, der aus strukturellen Gründen vermutlich nie vollständig vollzogen werden könne, so die Studie.
    Ergebnisse der Studie "So geht Einheit" besagen, dass fast die Hälfte der Deutschen ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung der Ansicht ist, dass es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West gibt.
    Grenzverlauf noch sichtbar
    Bei den Kinderzahlen, der Bildung oder den Umweltbedingungen habe sich die klare Teilung Deutschlands aufgelöst, sagte Institutsdirektor Reiner Klingholz. Bei Themen wie Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftskraft, Vermögen, Erbschaften oder Landwirtschaft sei Deutschland aber noch immer gespalten.
    So kämpft der Osten mit den Folgen eines massiven Bevölkerungsverlusts seit der Wende. Laut Studie lebten 2013 in den fünf ostdeutschen Flächenländern gut zwei Millionen Bürger weniger als noch 1991. "Das Ergebnis hat uns selbst erstaunt", so Klingholz. "Ob bei der Bevölkerungsentwicklung, der Wirtschaftskraft, den Vermögen, den Erbschaften oder der Größe der landwirtschaftlichen Betriebe - überall zeichnet sich ziemlich exakt die alte Grenze ab."
    Osten bei Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit von Frauen vorne
    Bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen und bei der Kinderbetreuung liegt der Westen noch weit unter Ost-Niveau. Zudem sind heute noch rund 30 Prozent der Frauen in Westdeutschland der Meinung, dass ein Kind vor der Einschulung darunter leidet, wenn seine Mutter berufstätig ist. Im Osten sind es nur halb so viele.
    Bei der Zuwanderung sei Deutschland sogar in höherem Maße gespalten als noch vor wenigen Jahren. Die Menschen im Osten schätzten die Integrationsbereitschaft von Zuwanderern als geringer ein, rechtsextreme Meinungen kämen dort öfter vor. Habe sich die Willkommenskultur beider Landesteile 2012 kaum unterschieden, sage heute nur jeder zweite Ostdeutsche, Zuwanderer seien willkommen. Im Westen seien es zwei Drittel.
    (vic/ach)