Björn-Steiger-Stiftung
Studie zu Tempo 30: Weniger Unfälle, kaum längere Fahrzeit

Eine neue Auswertung zeigt, wie Tempo 30 die Lebensqualität in Innenstädten beeinflusst. Nach Angaben der Björn-Steiger-Stiftung führt eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung zu weniger Unfällen. Die Fahrt dauere aber trotz geringerer Geschwindigkeit kaum länger.

    Ein Schild mit der Zahl 30 in einem roten Kreis. Darunter das Wort "Zone".
    Mit dem neuen Strassenverkehrsgesetz sind Tempolimits leichter umzusetzen. (picture alliance / Snowfield Photography / Snowfield Photography)
    In die Untersuchung flossen Studienergebnisse aus 14 Städten ein, die Tempo-Limits in Innenstädten eigeführt haben. Dazu zählen Berlin, Belfast, Graz, Helsinki, London und Toronto in Kanada.

    Weniger Unfälle - weniger Tote und Verletzte

    Laut der Stiftung besitzt eine flächendeckende Einführung von Tempo 30 ein erhebliches Potenzial, Innenstädte sicherer, gesünder und lebenswerter zu gestalten. So liege die Wahrscheinlichkeit für die tödliche Verletzung eines Fußgängers bei einem Zusammenstoß mit einem Fahrzeug, das etwa 24 km/h fährt, bei 3,5 Prozent - bei Tempo 49,9 bereits bei 37 Prozent.
    In Graz sei die Zahl der Unfälle zwei Jahre nach Einführung von Tempo 30 um 12 Prozent zurückgegangen, im italienischen Bologna ein Jahr nach Beginn des Tempolimits im Großteil des Stadtgebietes um 13 Prozent. In der schottischen Stadt Edinburgh sei die Zahl der bei Unfällen verletzten Menschen innerhalb von drei Jahren um 43 Prozent gesunken.
    In allen betrachteten Städten nahm demnach die Zahl von Unfällen, Verletzten und Getöteten ab, heißt es in der Studie der Stiftung, die sich um moderne Nothilfe und Projekte kümmert, die Leben retten.

    Brauchen Autofahrer länger?

    Eine Auswertung von GPS-Daten in Großbritannien zeigt zudem, dass sich die Fahrtzeiten nach der Einführung in Wohngegenden um drei Prozent und im Stadtzentrum um fünf Prozent erhöhten. Das entspreche einer Zunahme der Reisezeit von weniger als einer Minute auf einer acht Kilometer langen Strecke.

    Was sind Schlussfolgerungen?

    Der Leiter der Björn-Steiger-Unfallforschung, Siegfried Brockmann, sieht in der Einführung von Tempo 30 einen wirkungsvollen Hebel für die Stadtentwicklung: "Sie verbessert die Verkehrssicherheit, reduziert Emissionen und Lärmbelastung und steigert gleichzeitig die Lebensqualität."
    Brockmann forderte die Städte in Deutschland auf, die Möglichkeiten der Straßenverkehrsordnung konsequenter zu nutzen. An hochfrequentierten Schulwegen und vor Zebrastreifen müsse grundsätzlich Tempo 30 gelten.
    Das Umweltbundesamt hatte in einer Studie von 2023 festgestellt, wegen der deutlich positiven Wirkungen auf die Lärmentlastung und die Verkehrssicherheit sei es sinnvoll, "Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit einzuführen". 2024 bekamen Städte und Gemeinden vom Bund mehr Spielraum für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen.
    Laut der Deutschen Umwelthilfe gibt es in Deutschland auf Hauptverkehrsstraßen bisher nur vereinzelt Tempo-30-Anordnungen. Das reiche nicht aus, um positive Effekte zu erzielen.
    Diese Nachricht wurde am 03.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.