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StartseiteCampus & KarriereÖkonom: Deutsche Unis gehen gut mit ihren Geldern um12.11.2019

Studie zur Effizienz von UnisÖkonom: Deutsche Unis gehen gut mit ihren Geldern um

Die öffentlichen Universitäten setzten ihre gegebenen Mittel überwiegend effizient ein, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Klaus Wohlrabe im Dlf. Das gelte sowohl für kleine als auch große Universitäten, sowie für die Forschung und die Lehre.

Klaus Wohlrabe im Gespräch mit Regina Brinkmann

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Blick auf das Campusgelände der Universität Koblenz-Landau. (dpa)
Die Universität Koblenz-Landau hat in der Studie sehr gut abgeschnitten (dpa)
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Regina Brinkmann: Wenn wir hier in "Campus und Karriere" über die Finanzlage der Unis berichten, dann geht es oft um marode Seminarräume, zu wenige Hochschullehrende für immer mehr Studierende. Kurzum: Es fehlt an vielen Ecken und Enden. Darüber wissen wir schon eine Menge, aber wissen wir auch, wie gut oder sc­­­hlecht die Unis mit ihren finanziellen Mitteln umgehen? Also wie effizient sie ihr Budget für Forschung und Studierende überhaupt einsetzen, das hat sich ein Forschungsteam am Münchener ifo-Institut mal etwas genauer angeschaut, und über die Ergebnisse rede ich jetzt mit Studienautor Klaus Wohlrabe.

Herr Wohlrabe, was macht eine gut wirtschaftende Uni denn eigentlich aus?

Wohlrabe: Eine gut wirtschaftende Uni setzt ihre gegebenen Mittel, die sie vom Bund oder vom Land bekommt, effizient ein, das heißt, das Bestmögliche aus dem Geld und aus dem Personal herauszuholen.

Brinkmann: Sie haben 70 der 76 öffentlichen Universitäten untersucht. Wie viele haben denn da besonders gut abgeschnitten?

Gute Ergebnisse 

Wohlrabe: Also insgesamt können wir konstatieren, dass die Ergebnisse sehr gut ausgefallen sind im Durchschnitt. Wir waren also auch positiv überrascht, dass die Universitäten sehr, sehr gut sind. Fünf Universitäten sind über den betrachteten Zeitraum von 2004 bis 2015 immer effizient gewesen, das heißt, sie haben ihre Mittel nicht besser einsetzen können als so, wie sie es getan haben.

Brinkmann: Fünf sind sehr gut, wie hat der Rest abgeschnitten?

Wohlrabe: Also es ist nicht so, dass es sozusagen eine Spitzengruppe gibt und die anderen Universitäten danach hinten abfallen. Das kann man so nicht konstatieren. Also auch auf den nächsten Plätzen sind sehr, sehr viele Universitäten, das ist also ein sehr, sehr enges Feld. Das heißt, generell können wir sehr zufrieden sein, wie die deutschen Universitäten ihr Geld einsetzen. Man muss noch dazu sagen, es sind nicht nur die üblichen Verdächtigen, das heißt die großen Universitäten, die sehr effizient sind, sondern auch kleinere, die man nicht auf den ersten Blick auf dem Schirm hat, wie zum Beispiel die Universität Lübeck oder Koblenz Landau, die sehr effizient mit ihren gegebenen Mitteln wirtschaften.

Mehr Geld für effiziente Unis

Brinkmann: Das heißt, sie sind sehr effizient. Könnte man jetzt ketzerisch sagen, die brauchen eigentlich gar nicht mehr Geld, weil die können schon ganz gut mit ihren Mitteln haushalten und eigentlich schon ziemlich viel damit rausholen?

Wohlrabe: Ketzerisch formuliert würde ich Ihnen da nicht folgen, denn natürlich bedeutet das auch, wenn diese Universitäten mehr Geld bekommen würden, würden natürlich sozusagen noch mehr gute Publikationen und noch mehr Studenten ihren Abschluss machen. Das heißt, man kann nicht daraus schlussfolgern aus unseren Ergebnissen, dass die Universitäten weniger Geld bekommen sollten oder nicht mehr. Es zeigt nur, dass das Geld gut investiert ist, wenn wir den effizienten Universitäten mehr Geld geben würden.

Brinkmann: Und das heißt aber auch, dass man den Unis, bei denen es jetzt noch nicht so gut läuft, dass sie noch ein bisschen nachlegen müssten. Wie sollten sie das denn tun?

Wohlrabe: Das ist natürlich eine sehr grobe Analyse, weil wir sozusagen nicht die institutionellen Details der Universitäten kennen, aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Universitäten schon mal schauen sollten, inwieweit ist es möglich, bei gegebenem Personal und auch das Geld, was man vom Land und vom Bund bekommt, ob man das nicht noch effizienter einsetzen kann, insbesondere auf der Publikationsseite, was natürlich auch immer ein bisschen schwierig ist, in Topzeitschriften zu veröffentlichen, aber da sollten sich die Kanzler der Universitäten doch mal anschauen, wie das Geld genau verwendet wird. Das ist sozusagen, wo man versuchen sollte, den Hebel anzusetzen, das Geld so auszugeben, dass auch Topforschung herauskommt.

"Man kann die Effizienz auf beiden Wegen erhöhen"

Brinkmann: Sie haben jetzt immer über Topforschung gesprochen. Die Lehre ist aber auch ein wichtiges Kriterium an den Hochschulen. Was haben Sie da in Sachen Effizienz herausgefunden?

Wohlrabe: In dem Prozess, in dem Untersuchungsprozess, den wir durchgeführt haben, gehen sozusagen diese sogenannten Ergebnisse der Hochschularbeit – das ist einerseits die Lehre und andererseits die Forschung – simultan. Man kann also sozusagen die Effizienz auf beiden Wegen erhöhen, indem entweder mehr Studenten einen Abschluss machen, gegeben dem bestimmten Budget, oder man mehr Forschung machen kann. Das heißt, es ist auch die Möglichkeit einer Universität, sozusagen sich zu spezialisieren, also mehr den Fokus auf hochqualitative Forschung zu legen oder auf eine sehr gute Lehre, das sehr viele Studenten anzieht und die dann einen Abschluss an der jeweiligen Universität machen.

Brinkmann: Ihr Untersuchungszeitraum lag ja zwischen 2004 bis 2015, und in der Zeit gab es schon die Exzellenzinitiative, die sich mittlerweile zur Exzellenzstrategie weiterentwickelt hat. Sie sagen in Ihrer Studie, "es gibt keine Spitzengruppe, die ihre Ressourcen besonders effizient in exzellente Forschungsleistungen verwandelt", aber das ist doch genau das Ziel für die millionenschwere Förderung. Hat also diese Initiative ihr Ziel am Ende verfehlt?

Wohlrabe: Das kann man so nicht sagen. Also unsere Ergebnisse lassen keinen Schluss zu, inwieweit sozusagen diese Exzellenzinitiative die Effizienz verbessert oder sogar verschlechtert hat, weil es bindet ja auch sehr viele Ressourcen, sich darum zu bewerben. Der Grund ist einfach deswegen, dass in dieser Initiative nur bestimmte Bereiche an einer Universität gefördert werden, also zum Beispiel eine Graduiertenschule oder ein Exzellenzcluster. Wir haben uns aber die gesamte Universität angeschaut. Es wäre also sozusagen falsch, einen Schluss daraus zu ziehen, dass die Exzellenzinitiative ihren Zweck nicht erfüllt hat. Dafür sind weitere Untersuchungen notwendig.

Brinkmann: Schauen wir zum Schluss noch über den Tellerrand. Wie stehen denn unsere Unis so im internationalen Vergleich da, wenn es um Effizienz geht?

Wohlrabe: Das ist eine sehr gute Frage und auch eine sehr schwer zu beantwortende Frage, nicht vom methodischen Standpunkt her, sondern vom Datenaspekt her betrachtet, denn es ist sehr schwierig, sozusagen die Daten, die wir für die Input- und für die Outputseite verwendet haben, sozusagen länderübergreifend vergleichbar zu machen. Das heißt, die wir vom Statistischen Bundesamt bekommen haben, sind nicht zwangsläufig die gleichen Daten, die man zum Beispiel für die Universitäten in Großbritannien oder den USA bekommt. Das heißt, solche Vergleiche sind im Moment leider noch nicht möglich, da die Daten nicht vergleichbar sind. Da würde man dann Äpfel mit Birnen vergleichen. Das ist aber ein großer Punkt, den, glaube ich, sehr viele interessieren würde, wie steht die deutsche Spitzenforschung im weltweiten Vergleich, mit zum Beispiel Harvard oder MIT da.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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