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StartseiteCampus & KarriereSyrische Akademiker in Deutschland19.04.2018

Studienförderung Syrische Akademiker in Deutschland

Knapp 5000 Bewerbungen gingen Ende 2014 für das Programm "Leadership for Syria" ein. Am Ende konnten 221 Stipendiaten mithilfe des DAAD an deutschen Unis studieren. Jumana Alasaad war eine davon. Heute promoviert sie, während ihrer Familie weiterhin in Aleppo lebt. Dorthin will sie nach Ende der Promotion zurückkehren und beim Aufbau helfen.

Claudia van Laak

Studenten nehmen in Heidelberg in einem Hörsaal der Universität an einer Veranstaltung teil (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
Studenten an der Uni Heidelberg nehmen an einer Veranstaltung teil. Dort promoviert auch Jumana Alasaad. (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
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Jumana Alasaad hat es geschafft. Die 29-Jährige aus dem syrischen Aleppo konnte mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD in Heidelberg Archäologie studieren. Jetzt hat sie eine Stelle an der Uni und darf promovieren. Kein Wunder, dass sie manchmal ein schlechtes Gewissen hat - denn ihre Eltern und die sieben Geschwister sind in Aleppo geblieben: "Genau. So fühle ich mich immer, dass ich wirklich hier viele Möglichkeiten habe. Ich genieße mein Leben hier und sie leiden. Das tut mir leid. Aber ich versuche immer zu helfen und Geld zu schicken, um auch das Leben meiner Brüder und Schwestern zu unterstützen."

Jumana Alasaad versucht, die Kontakte in ihr Heimatland aufrecht zu halten. Nachrichten, dass die Ausgrabungsstätten in Syrien geplündert und verwüstet werden, schmerzen die Archäologin sehr: "Was sie machen ist, dass sie einfach plündern. Sie versuchen das illegal. Dass sie Tafeln, Gefäße, Gold manchmal, das plündern sie, schicken das ins Ausland, verkaufen das."

Stereotyp Flüchtling

Zur gleichen Zeit, als die Archäologin an die Uni Heidelberg kam, machten sich Hunderttausende ihrer Landsleute ebenfalls auf einen - ungleich gefährlicheren - Weg nach Deutschland, beantragten hier Asyl. Jumana Alasaad legt Wert darauf: Ich bin kein Flüchtling.

"Das ist das Stereotyp. Woher kommst Du? Aus Syrien. Ah, Flüchtling. Nein."

Die 29-Jährige ist eine von 221 Stipendiaten, die mit dem Programm "Leadership for Syria - Führungskräfte für Syrien" an deutsche Unis gekommen sind. Knapp 17 Millionen Euro hat das Auswärtige Amt dafür zur Verfügung gestellt, 1,5 Millionen das Land Nordrhein-Westfalen. 

Als der Deutsche Akademische Austauschdienst das Programm ausschrieb, wurde er überrannt - Christian Hülshörster erhielt 5000 Bewerbungen: "Als wir das Programm Ende 2014 in Absprache mit dem Auswärtigen Amt aufgelegt haben, war die Situation natürlich eine andere als die, die uns heute entgegentritt. Wir haben damals gesagt: Wir wollen dezidiert ein Programm gestalten, mit dem wir eine gesellschaftliche Elite aus Syrien ansprechen können, die eines Tages, und damals dachten wir nicht, dass dieser Tag so weit entfernt sein würde, einen signifikanten Beitrag zum Wiederaufbau leisten kann, in dem sie hier fachlich aus- und weitergebildet wird."

Das Programm soll verlängert werden

Von einer Rückkehr nach Syrien redet im Moment niemand. Die Stipendiaten bleiben vorerst in Deutschland. Einige haben ihr Studium noch nicht abgeschlossen, andere promovieren, wieder andere haben bereits einen Job. Andreas Görgen leitet die Kulturabteilung im Auswärtigen Amt -wir sind stolz auf die Stipendiaten, sagt er: "Es gibt nichts Ermutigenderes, als zu sehen, dass von den weit über 200 jetzt die Ersten in Jobs sind. Bei Adidas ist jemand, ein anderer ist bei einer Firma, die sich um Membrane kümmert in Süddeutschland. Ich danke Ihnen dafür sehr sehr herzlich, denn Sie können nichts besser machen, als dass Sie Erfolg haben."

Jumana Alasaad kann weitere vier Jahre in Deutschland bleiben, um hier zu promovieren. Danach rechnet sie fest damit, nach Syrien zurückzukehren. Ich will mithelfen, das Land wieder aufzubauen. Dabei klingt sie erstaunlich optimistisch: "Hier gibt es jetzt viele Leute aus Syrien, sie haben gute Chancen, Praktikum zu machen, zu studieren, einfach, Erfahrung zu sammeln. Das ist das, was Syrien nach der Krise braucht. Deshalb bin ich optimistisch, dass diese Flüchtlinge oder Studenten oder Mitarbeiter, wenn der Krieg vorbei ist, zurückkommen und ihren Beitrag leisten, um das Land wiederaufzubauen."

Der DAAD und das Auswärtige Amt haben heute angekündigt, das Programm "Führungskräfte für Syrien" fortzusetzen. Allerdings nicht heute oder morgen - die Finanzierung des Programms müsse erst im nächsten Bundeshalt verankert werden.

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