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StartseiteCampus & KarriereStudieren am Roten Meer13.05.2010

Studieren am Roten Meer

TU Berlin baut deutschen Campus in Ägypten

Die Technische Universität Berlin will in Ägypten ein eigenes Zentralinstitut errichten. In der Touristenstadt El Gouna am Roten Meer lässt sie das Haus komplett von einem ehemaligen Absolventen finanzieren, von dem ägyptischen Milliardär Samih Sawiris.

Von Claudia van Laak

Studieren im Land der Pyramiden. (AP Archiv)
Studieren im Land der Pyramiden. (AP Archiv)
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"Friend-raising"

Herzlich willkommen an der TU Berlin, herzlich willkommen an der TU in El Gouna. Im nächsten Jahr wird Samih Sawiris die ersten Studierenden dort begrüßen - auch bei diesem offiziellen Termin wohl ohne Krawatte. Der 53jährige Tourismusunternehmer gibt sich gerne locker - offenes hellblau-gestreiftes Hemd, helles Jackett. Der freundliche Milliardär hat ein Problem, das vermutlich viele von uns gerne hätten: Er hat zu viel Geld.

"Ich habe eine Verantwortung, weil ich sehr viel Geld verdient habe in meinem Land und auch in anderen Ländern, dass ein Teil davon wieder zurückgegeben wird. Ich habe ein Problem, meinen Kindern zu viel Geld zu hinterlassen, das ist sehr ungesund. Das heißt, ich muss noch schnell Geld ausgeben, solange ich noch hier bin."

Und so investiert der Wirtschaftsingenieur und Absolvent der TU Berlin 38 Millionen Euro in einen Campus der TU Berlin, weitere 15 Millionen Euro in den laufenden Betrieb der ersten fünf Jahre. Drei Masterstudiengänge für insgesamt 180 Teilnehmer werden angeboten.

Samih Sawiris schwört auf die deutsche Ingenieursausbildung, möchte, dass viele seiner Landsleute von einem solchen Studium profitieren und nicht ins Ausland abwandern.

"Es war für mich immer ein Traum, dass mehr Leute in unseren Ländern diese Chance bekommen. Es können nicht alle nach Deutschland kommen zum Studieren, und dann bleiben sie dort, das ist ein Verlust, der Nutzen für das Land ist null."

Und so landet in der ägyptischen Touristenstadt El Gouna - auch die wurde von Sawiris Unternehmen entwickelt und gebaut - jetzt ein deutsches UFO. Es hat etwas Bizarres: Beim Bau gelten deutsche Vorschriften inklusive Blitzschutzprüfung, obwohl dort Gewitter unbekannt sind. Alles ist TÜV-geprüft, Professoren und Mitarbeiter fallen unter das Berliner Hochschulgesetz und das deutsche Beamtenrecht, die Studierenden sind an der TU eingeschrieben, das Ganze wird ein Zentralinstitut der Technischen Universität, nur die Unterrichtssprache ist Englisch. Kurt Kutzler, vor Kurzem aus dem Amt geschiedener TU-Präsident, hat das Projekt gemeinsam mit dem ägyptischen Unternehmer Sawiri entwickelt.

"Wir bespielen mit diesem Campus El Gouna das Premiumsegment in der Bildung, das heißt, wir sind darauf aus, die Ingenieurabsolventen der ägyptischen und arabischen Hochschulen weiterzuqualifizieren zu dem Master of Science deutscher Qualität."

Samih Sawiri hat sich die Ableger berühmter US-amerikanischer Universitäten im Ausland angesehen und sich dann für eine Zusammenarbeit mit der TU entschieden. Nur mit der Übernahme des deutschen Systems wird die Qualität der Ingenieursausbildung gesichert, ist der 53-Jährige überzeugt.

"Berkeley, MIT, alle haben solche Verträge unterschrieben, wo sie ihren Namen mehr oder weniger leihen. Ich kenne ein paar Absolventen dieser Institutionen, und das ist überhaupt nicht zu vergleichen mit dem, was ich in meiner TU-Berlin-Zeit mitgenommen habe."

Zum Beispiel Gelerntes auch konkret anwenden zu können. Die Masterstudenten sollen nach ihrem Abschluss etwas beitragen zur Lösung der drängenden Probleme des arabischen Raums. Wasserwirtschaft, Städtebau, Energieversorgung - das sind die Themen der drei Studiengänge. Der ägyptische Botschafter in Deutschland Ramzy Ezzeldin Ramzy lobt das bilaterale Ausbildungsprojekt:

"Wassermanagement, wir kennen alle das Wasserproblem in Ägypten, das ist absolut wichtig, städtische Entwicklung und als letztes natürlich Energie, da haben Deutschland und Ägypten eine Menge gemeinsamer Interessen, speziell auf dem Feld der Erneuerbaren Energien."

Das Masterstudium kostet pro Semester 5000 Euro - die hohen Gebühren würden durch entsprechende Stipendien wieder ausgeglichen, versichert Sponsor Sawiri. Platz ist für zunächst 180 Studierende, ein Ausbau ist möglich. Auf ein paar Millionen Euro mehr oder weniger kommt es dem ägyptischen Milliardär nicht an.

Zur Überblicksseite der Schwerpunktsendung "Nachricht von den Außenposten - Wie arbeiten deutsche Hochschulableger im Ausland und wie erfolgreich sind sie?"

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