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StartseiteCampus & KarriereDiese Hilfen gibt es für Studierende in Finanznot01.04.2020

Studieren in der CoronakriseDiese Hilfen gibt es für Studierende in Finanznot

Viele Studierende haben ihre Jobs durch die Coronakrise verloren und können auch nicht auf finanzielle Rücklagen zurückgreifen. Doch bei den staatlichen Soforthilfen gehen sie bisher leer aus. Ein paar Möglichkeiten, um in der Krise Unterstützung zu bekommen, gibt es aber doch.

Von Andrea Lueg

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Vogelperspektive auf eine junge Frau, die vor ihren Schulunterlagen sitzt und lernt, wobei ein Laptop und Tablet in Griffnähe sind. (imago / Westend61)
Im kommenden Semester werden Studierende wohl zuhause lernen, unklar wird hingegen für viele sein, wie sie sich finanzieren können (imago / Westend61)
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Wie sehr manche Studierende im Moment die Geldsorgen drücken, das merken die studentischen Berater bei den ASten, erzählt Katrin Lögering:

"Ein Beispiel wäre da der AStA der RWTH Aachen: da sind innerhalb der letzten 14 Tage ungefähr 700 Anfragen eingegangen zu den Themen, die die Studierenden jetzt beschäftigen."

Viele haben ihren Studentenjob verloren und fragen sich jetzt: Wie soll ich meine Miete zahlen? Fliege ich aus dem Wohnheim, wenn ich das nicht kann? Kann ich einen Kredit aufnehmen, um die Krise zu überbrücken? Katrin Lögering ist Koordinatorin beim Landes-AStenverband Nordrhein-Westfalen.

"Es sind wirklich viele Studierende, die das betrifft und man muss dabei immer auch bedenken, dass die, die sich melden, meistens die sind, die wirklich sehr große Schwierigkeiten haben."

Viele staatliche Hilfen greifen nicht

Diejenigen, die noch so gerade über die Runden kämen, würden sich jetzt noch nicht melden. Wenn die Krise aber länger dauere, seien deren Reserven in ein paar Wochen auch aufgebraucht. Studierende kommen für viele staatliche Hilfen nicht infrage und fallen durch alle sozialen Sicherungssysteme. Kurzarbeitergeld zum Beispiel gibt es für die meisten nicht. Auch überbrückende Kredite sind schwer zu bekommen. Und vor allem ausländische Studierende haben es schwer, weil sie kein BAföG erhalten. Wenn sie aus wirtschaftlich schwächeren Ländern kommen, können auch die Eltern oft nicht unterstützen.

Ein paar Möglichkeiten für Studierende gibt es aber, erklärt Hildegard Ollesch-Jaletzky vom Kölner Studierendenwerk. Zum Beispiel, wenn auch die Eltern von der Krise betroffen sind und ein deutlich niedrigeres Einkommen haben. Dann kann das BAföG erhöht werden.

Für diejenigen, die bereits Leistungen bewilligt bekommen haben, besteht die Möglichkeit, dass der Auszubildende gemeinsam mit seinem Elternteil einen Antrag auf Berücksichtigung des aktuellen Einkommens stellt, jedoch werden die Leistungen dann nur unter dem Vorbehalt der Rückforderung gewährt.", sagt Ollesch-Jaletzky.

Und auch wer bisher noch gar kein BAföG erhält, hat Chancen: "Ist jetzt dieser Einkommenseinbruch erheblich, vor allen Dingen der Zeitraum, der davon betroffen ist, so kann es durchaus dazu führen, dass Auszubildende, die derzeit gar keinen Anspruch oder nur einen geringen Anspruch hatten, wir dann eben eine Neuberechnung durchführen und dies wird dann in der Regel dazu führen, dass Ausbildungsförderung gewährt werden kann", sagt Ollesch-Jaletzky.

Auch wer mit seiner Miete für das Zimmer im Wohnheim in Rückstand gerät, muss keine Angst haben, gleich rauszufliegen, versichert die Studienfinanzierungsexpertin: "Also, Kündigungen sind ausgeschlossen, da wird es immer großzügige Lösungen geben."

Wer nicht aufs BAföG hoffen kann, für den bleibt eigentlich nur ein Kredit, um die Durststrecke zu überbrücken, meint Ollesch-Jaletzky. "Es gibt natürlich noch den KfW-Studienkredit und die Darlehen, die die Darlehenskassen von den Studierendenwerken vergeben. Da sind natürlich bestimmte Hürden dran gestellt, dass man bei dem Studienkredit die Staatsangehörigkeit prüft, den kann also nicht jeder bekommen und bei der Darlehenskasse ist die Voraussetzung, dass ich einen tauglichen Bürgen zur Verfügung stelle.

Das Deutsche Studierendenwerk fordert, diese persönliche Bürgschaften durch Bürgschaften der Bundesländer zu ersetzen. Außerdem sollten die Regelstudienzeit und die Förderhöchstdauer beim BAföG um ein Semester erweitert werden, weil es im kommenden Semester zu Problemen bei Klausuren und Prüfungen kommen werde, oder sie gar nicht stattfinden könnten.

Bündnis fordert 3.000 Euro Soforthilfe

Das Geld, das Studierende beim Einsatz gegen die Pandemie verdienen, zum Beispiel als medizinische Hilfskraft, sollte zudem nicht auf das BAföG angerechnet werden. Dem hat der Bundestag inzwischen zugestimmt. Doch Katrin Lögering reichen die bisherigen Hilfen nicht. Gemeinsam mit anderen hat sie das "Bündnis Soforthilfe für Studierende" gegründet. In einer Petition fordern sie 3.000 Euro für alle angehenden Akademiker, um die kommenden drei Monate zu überstehen.

"Diese Soforthilfe soll unbürokratisch sein, möglichst schnell abrufbar sein, weil die Studierenden eben jetzt vor den Fragen stehen, wie zahle ich meine Miete oder wie zahle ich meine Lebensunterhaltungskosten weiter", sagt Lögering.

Das Angebot sollte auch für ausländische Studierende gelten, denn für die trage das Gastland Deutschland eine besondere Verantwortung. 3.000 Euro fordern die ASten, weil das der Betrag ist, den Studierende laut Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerkes für drei Monate brauchen – 1.000 Euro im Monat.

Lögering: "Wir haben geplant, dass im Nachgang eine Bedürftigkeitsprüfung, wie auch immer die dann geartet sein soll, stattfinden soll und die, die dann nach den Kriterien nicht bedürftig sind, für die würde sich dann diese Summe in einen zinslosen Kredit umwandeln mit einer Laufzeit von zehn Jahren. So dass man eben diesen solidarischen Charakter einer Soforthilfe hat, aber wirklich für Studierende, die gerade in Notlage sind."

Unter "studi-soforthilfe-corona.org" kann man die Petition im Netz unterzeichnen.

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