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StartseiteCampus & KarriereCampingplatz statt Campus13.10.2018

Studierende in WohnungsnotCampingplatz statt Campus

Das neue Wintersemester hat begonnen. Tausende Studierende suchen in den großen Städten nach einem Zimmer. Der Engpass ruft Abzocker auf den Plan und führt zu seltsamen Auswüchsen: Wie zum Beispiel einem Zimmer ohne Tür oder einer Unterkunft auf dem Campingplatz.

Von Heike Zafar

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Viola von der Eltz, die im ersten Semester Medizin studiert, sitzt am 07.10.2014 in Frankfurt am Main auf einem Feldbett im Studierendenhaus. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Wohnungsnot unter Studierenden gibt es nicht erst seit diesem Semester: Im Bild Viola von der Eltz im Studierendenhaus 2014 (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
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Das neue Wintersemester hat begonnen. Tausende Studierende in suchen in den großen Städten n ach einer Bleibe. Der Engpass ruft Abzocker auf den Plan. Ein Zimmer ohne Tür, oder eine Unterkunft auf dem Campingplatz sind keine Einzelfälle.

Seit einer Woche haust Ben Schöne im Wohnwagen, da hat er alles was er braucht: Ein Bett, einen Campingtisch, Stühle und eine Nachbarin, mit der er Tipps fürs Studium austauschen kann.

Ben hat gerade sein Physikstudium in Münster begonnen. Zwei Monate lang hat er vergeblich nach einem bezahlbaren Zimmer gesucht. Dann hatte sein Vater die Idee:

"Auf den Campingplatz bin ich gekommen, als mein Vater meinte, dass man sich ja auch mit dem Wohnmobil an den Straßenrand stellen könnte. Das war wohl erst als Scherz gemeint, aber gar nicht so ne schlechte Idee, dass man hier eine Basis hat, dass man zur Uni kommt, dass man auch vor Ort hier nach WGs suchen kann"

3.000 Bewerber ohne Chance

Inzwischen hat er die Hoffnung aber schon fast aufgegeben: Zig Bewerbungen hat er abgeschickt, nichts bekommen, und so geht es vielen Erstis. Allein in Münster sind rund 3.000 Bewerber für ein Zimmer im Studentenheim leerausgegangen.

"Die Lage ist schwierig. Man hört immer wieder von Leuten, die nur zur Zwischenmiete etwas bekommen, oder auch gar nicht."

"Ich habe bestimmt 40 oder 50 Bewerbungen geschrieben, aber ich hab nur von vier Leuten eine Rückmeldung bekommen."

"Die meistern WG-Zimmer werden halt ab 300 Euro aufwärts vermietet und manchmal auch 500 Euro. Ich persönlich kann mir das nicht leisten."

Und auch in Köln, Aachen, Düsseldorf und Bonn ist der Wohnungsmarkt für Studenten leer gefegt, das treibt die Preise immer weiter in die Höhe und führt zu seltsamen Auswüchsen auf dem Wohnungsmarkt. Tan aus Thailand zum Beispiel hat in Bonn einen Medizinstudienplatz bekommen. Nach wochenlanger Wohnungssuche hat der 20-Jährige jetzt endlich ein Zimmer, allerdings ohne Tür: "Und auch sehr teuer, 790 Euro pro Monat. Ich habe keine richtige Wohnung, es gibt keine Tür."

Wohnen im der ehemaligen Kaserne

Das Zimmer ist nur durch einen Vorhang abgetrennt. Tan hatte den Mietvertrag ohne Vorbesichtigung unterschrieben. "Ich wollte die Wohnung besichtigen, aber der Makler setzte mich unter Druck, dass ich seinen Empfehlungen folgen sollte."

Die großen Unistädte haben Wohnungen für Ärzte, Rechtsanwälte und Lehrer. Die aber, die das mal werden wollen, können von Glück sprechen, wenn sie ein Zimmer in einer Notunterkunft ergattern. Und auch die sind in Münster zurzeit ausgebucht.

Frank Olivier, Leiter des Studierendenwerks ist froh, dass er demnächst die Mannschaftsräume einer ehemaligen Kaserne vermieten kann, drei Personen pro Zimmer, Kosten geschätzt rund 300 Euro im Monat: "Wir werden auch Einzel und Zweierzimmer anbieten, für das Studierendenwerk ist es ein Provisorium, aber wir sind froh darüber , weil die Situation in Münster ist ja im Moment katastrophal. Unsere Wartelisten sind zurzeit voll, das heißt rund 2.800 bis 3.000 Studierende die sich angemeldet haben und keinen Platz haben."

Forderungen an die Politik

Demnächst sollen auch leer stehende Flüchtlingseinrichtungen zu Studentenheimen umfunktioniert werden, aber auch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In den großen Unistädten gibt es gerade mal für jeden 20. Studierenden ein Wohnheimzimmer, alle anderen müssen auf dem freien Markt ihr Glück versuchen. 250 Euro sind im Bafög-Satz für Mietkosten einberechnet, in Städten wie Köln. Aachen oder Münster kostet ein Zimmer aber im Schnitt rund 400 Euro.

Nikolaus Ehbrecht, Asta-Vorsitzender aus Münster, fordert darum endlich Konsequenzen vonseiten der Politik: "Die Lage ist super angespannt. Katastrophal. Wenn irgendwo Wohnraum leer steht, dann sollte der zur Verfügung gestellt werden, um den zu nutzen. Es müssen mehr Grundstücke zur Verfügung gestellt werden und die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Behörden muss einfach verbessert werden."

In Münster zum Beispiel stehen zurzeit mehrere frühere Behördengebäude frei, unter anderem das ehemalige Finanzamt. Das, so die Forderung des Asta, könnte doch ebenfalls zu einem Wohnheim für Studierende umfunktioniert werden. Damit zum Beispiel Ben vom Campingplatz in ein richtiges Zimmer umziehen kann: "Das ist keine Dauerlösung, auf keinen Fall"

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