Bildung
Studierende müssen weiter um Bafög-Erhöhung bangen

Die Bundesregierung gibt derzeit keine Zusage für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Bafög-Erhöhung. Regierungssprecher Kornelius sagte in Berlin, die geplante Reform der Studienförderung stehe unter einem Finanzierungsvorbehalt. Der Koalitionspartner SPD ist empört und warnt vor einem Schaden für die Koalition, sollte die Union das Vorhaben einseitig aufkündigen.

    Studierende in einem Hörsaal
    Studierende in einem Hörsaal (picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd)
    Ende April hatte das Bundesforschungsministerium mitgeteilt, Union und SPD seien sich einig über die Finanzierung der Bafög-Reform, das Gesetzgebungsverfahren könne beginnen. Ende Mai stellte jedoch zunächst der Unionsfraktionsvorsitzende Spahn (CDU) das Vorhaben infrage, am Wochenende dann auch Forschungsministerin Bär. Kornelius bestätigte nun, die Gespräche innerhalb der Bundesregierung über die Bafög-Reform dauerten an.
    In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und Sozialdemokraten angekündigt, die Bafög-Leistungen in mehreren Schritten beginnend mit dem kommenden Wintersemester anzuheben. Dauerhaft soll dabei das Niveau der Grundsicherung abgestrebt werden.

    Juso-Chef Türmer nennt Bärs Aussagen "ungeheuerlich"

    Der Juso-Vorsitzende Türmer beharrte darauf, dass die Bafög-Reform kommen müsse. Zahlreiche Studierende seien von Armut betroffen, weil die Bafög-Sätze nicht reichten, sagte er im Deutschlandfunk. Besonders empörte er sich über die Aussage Bärs, es sei "kein Drama", wenn Studenten jobben. Tatsächlich arbeiteten 65 Prozent der Studierenden jetzt schon, und trotzdem würde das Geld nicht reichen - etwa wegen der gestiegenen Wohn- und Lebensmittelkosten. Er nannte die Äußerungen der Ministerin skandalös. Sie wiederhole "saudumme Klischees" von faulen Studierenden.
    Türmer wies auch Bärs Aussage zurück, die Bafög-Reform werde von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt. Er kenne niemanden in der SPD, der nicht mit voller Überzeugung dahinter stehe.
    Bär hatte Verständnis dafür geäußert, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Bafög-Reform möglicherweise gestoppt werde. Wenn in der Pflege und beim Elterngeld gekürzt werden solle, dann könne man nicht an anderer Stelle "große zusätzliche Leistungen" versprechen, so die Ministerin.

    Grünen-Politikerin Asar: "Keine Sozialleistung, sondern Investition in die Fachkräfte von morgen"

    Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Esdar, warnte vor einem Schaden für die Koalition, sollte die Union das Vorhaben einseitig aufkündigen.
    Kritik kam auch aus der Opposition. Die Grünen-Politikerin Asar sagte dem Deutschlandfunk, Bafög sei keine Sozialleistung, sondern eine Investition in die Fachkräfte von morgen. Bildungsgerechtigkeit habe für die Koalition offenbar keine Priorität. Die Partei Die Linke kritisierte, Bär verhöhne die Lebensrealität hunderttausender Studierender.

    Studierendenwerk äußert sich "überrascht"

    Der Vorsitzende des Deutschen Studierendenwerks, Anbuhl, sagte dem Deutschlandfunk, er sei ein bisschen enttäuscht von Frau Bär. Er erwarte von einer Ministerin, dass sie für die jungen Generationen und für die Studierenden kämpfe und nicht nach dem ersten Gegenwind aus der eigenen Fraktion die Segel streiche.
    Eine Bafög-Erhöhung sei fest versprochen und überfällig. Das Bafög hinke seit Jahren schon den Lebenshaltungskosten hinterher, betonte Anbuhl.
    Die Hälfte der geförderten Summe beim Bafög muss als zinsloses Staatsdarlehen zurückgezahlt werden.

    Hör-Tipp: Podcast "Der Tag"

    Jung und arm: Wenn das BAföG nicht zum Leben reicht
    Diese Nachricht wurde am 01.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.