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Studium in Rekordzeit

    Mit Intensivstudiengängen will Niedersachsens Wissenschaftsminister Thomas Oppermann die Studienzeiten radikal verkürzen. Auf einer Pressekonferenz in Hannover stellte er am 8. Januar entsprechende Modellstudiengänge vor, die im Wintersemester 2000 starten sollen: Maschinenbau an der TU Clausthal und die internationalen Master- und Promotionsstudiengänge für Molekulare Biologie und Neurowissenschaften an der Uni Göttingen. "Wir wollen damit einen Prototyp für die Studienreform in den Universitäten einbauen", so Oppermann. Die neuen Studiengänge beinhalten neben einem kompletten Lehrangebot auch umfangreiche Praxisphasen und Auslandsaufenthalte. Das Studium zu verkürzen und gleichzeitig die Ausbildung zu verbessern sei durchaus möglich, meint der Prorektor der TU Clausthal Ernst Schaumann: "Studenten, die sozial schwächer gestellt sind, können durch Stipendien abgesichert werden. Mentoren und Tutoren gewährleisten eine intensive Betreuung, die im normalen Studiengang noch nicht angeboten werden kann."

    AStA und Studentenparlament der TU Clausthal haben den Intensivstudiengang hingegen von Anfang an abgelehnt. Sie befürchten, dass die Landesregierung damit den Grundstein zu einem neuen elitären Bildungssystem legt. Stefan Geisler, im AStA der TU Clausthal für Hochschul- und Sozialpolitik zuständig, kritisiert, dass es dringlichere Probleme zu lösen gebe: "Die finanziellen Zuschüsse von Landesseite könnte man direkt in den Hochschulen verwenden und für eine bessere Studienfinanzierung mit einem endlich einmal ausreichenden BAföG." Trotz dieser Kritik plant Niedersachsen schon für das Wintersemester 2001/2002 weitere zehn Intensivstudiengänge, dann übrigens auch in geisteswissenschaftlichen Fächern.

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    Der AStA der TU Clausthal schreibt in seiner Pressemitteilung: "Die Einführung von Intensivstudiengängen täuscht über bestehende Missstände hinweg und beseitigt sie nicht. Sie dienen lediglich der Förderung einer von Industrie und Wirtschaft ausgewählten 'Elite' auf Kosten der Gesellschaft und zu Lasten der großen Mehrheit der Studierenden."

    Universität Göttingen