Corso 02.11.2019

Sudan Archives mit „Athena"Wie eine GöttinVon Jenni Zylka

Beitrag hören Die US-amerikanische Musikerin Sudan Archives heißt mit bürgerlichem Namen Brittney Parks. Sie hat sich das Geigespielen als Grundschülerin selbst beigebracht. (Jack McCain)Die US-amerikanische Musikerin Sudan Archives (Jack McCain)

„Athena“ heißt das Debütalbum der US-amerikanischen Musikerin Brittney Denise alias Sudan Archives. Darauf groovt sich die Sängerin und Geigerin durch unterschiedliche Musikkulturen und elektronische Sounds und verwandelt dabei die Geige in ein völlig neuartiges Instrument.

Um grüne Augen geht es in diesem Song. "You at the party with the green eyes come my way", singt Sudan Archives, deren bürgerlicher Name Brittney lautet. Und man sieht vor diesem relaxten, leicht exotischen Beat geradezu, wie sich Hüften wiegen, Blicke getauscht werden, wie die nicht nur musikalische Verführung zelebriert wird. Ihre Geige packt sie später auch noch aus – dieses Instrument, das so gar nichts oder zumindest wenig im coolen R'n'B zu suchen hat. Für Brittney gehörte die Geige aber dazu, sie liebt die Fiddel, und das schon seit ihrer Kindheit.

"Ich spiele Violine seit der vierten Klasse. Unterricht hatte ich nie, aber ich habe in der Kirche mitgespielt, habe es quasi durch das Hören gelernt. Einige meiner Freunde machten sich lustig über mich: 'Brittney geht in den Fiddel Club!'"

Elektronisch veränderte Geigensounds

Zum Glück hat sich Brittney alias Sudan Archives nicht beirren lassen und weiter gefiddelt. Hinzu kamen folkloristische Sounds aus aller Welt, aus afrikanischen und europäischen Ländern, und dieser enorm entspannte Groove, der die 14 Songs auf "Athena" prägt. In den Songs reist Sudan Archives musikalisch um die Welt, und verbindet das, was sie dort findet, mit ihren elektronisch verstärkten und veränderten Geigensounds.

"Ich glaube dass es Gemeinsamkeiten gibt, zwischen sudanesischer Musik, irischem und keltischem Folk, Punk, Blues, Rock'n'Roll – dahinter steht bei allen die gleiche Absicht."

Auf dem Cover ihres ersten Albums "Athena" ist die Musikerin als Göttin Athene zu sehen. Sie posiert nackt in stolzer Pose als ebenholzfarbene Statue auf einem Stein und balanciert in ihrer Hand eine Geige.

"Es gibt kaum Statuen von schwarzen Frauen, so kommt es mir jedenfalls vor. Auf Tour habe ich viele Statuen gesehen, aber keine sah aus wie ich. Ich dachte, es könnte interessant sein, Athene zu verkörpern – von der man ja auch nicht denkt, dass sie aussieht wie ich."

Starker Jazz-Vibe

Neben folkloristischen Elementen hört man auf "Athena" auch einen starken Jazz-Vibe. Eine Atmosphäre, die an die Ikone des NeoSoul, Erykah Badu erinnert, ein wichtiger Einfluss für Sudan Archives, auch wenn sie die textliche und musikalisch komplexe Raffinesse ihres Vorbilds nicht ganz erreicht. Mit dem Land Sudan hat die Musikerin übrigens trotz ihres Künstlernamens weniger am Hut, als man voreilig - oder vorurteilend - schließen könnte:

"Viele Menschen denken, ich stamme aus dem Sudan, weil ich mich so nenne, aber viele Menschen nennen sich nach Städten oder Ländern, Paris Hilton kommt auch nicht aus Paris. Es gibt also oft Verwirrung, vielleicht weil ich nach afrikanischen Wurzeln aussehe."

In dem Song namens "Iceland Moss" trifft Sudan Archives‘ leicht verschlafene Sinnlichkeit auf ein stabiles Beat-Gerüst. Die Künstlerin steht dabei im Zentrum dieses sanft wogenden Mix’, die Geige am Kinn, und bleibt cool. Eben wie eine echte Göttin.

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