Krieg im Sudan
Übersehene humanitäre Katastrophe

Im Sudan tobt seit drei Jahren Krieg. Millionen Menschen hungern, erleben sexuelle Gewalt und werden vertrieben. Die internationale Geberkonferenz in Berlin soll der Zivilbevölkerung nun Hilfen zusichern – denn Frieden ist nicht in Sicht.

    Eine Frau und ein Mann sind in der Rückenansicht in einem Flüchtlingscamp Nahe Port Sudan zu sehen und tragen gemeinsam einen mit Wasser gefüllten Kanister.
    Aufgrund des Bürgerkriegs im Sudan wurden Millionen Menschen vertrieben. Große Teile der Zivilbevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Bernat Armangue)
    Im Sudan herrscht seit April 2023 Krieg. Damals eskalierte ein Machtkampf zwischen dem Armeechef Abdel Fattah Burhan und seinem ehemaligen Vize Mohammed Hamdan Daglo, auch bekannt als Hemeti, der die paramilitärische Miliz Rapid Support Forces (RSF) anführt.
    Nach Angaben der Vereinten Nationen hat der Konflikt inzwischen Zehntausende Tote und Verletzte gefordert, beiden Seiten werden schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen. Rund 14 Millionen Menschen sind laut UN auf der Flucht, viele hungern. Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Krise der Welt.
    Drei Jahre nach Kriegsbeginn versprach die Bundesregierung zuletzt auf der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin humanitäre Hilfen in Höhe von 212 Millionen Euro. Von Frieden ist das Land jedoch noch immer weit entfernt.

    Inhalt

    300.000 Tote, ethnische Säuberungen und sexualisierte Gewalt 

    Die humanitäre Lage im Sudan ist katastrophal. Etliche Tausend Zivilisten wurden inzwischen getötet, es gibt Berichte über schreckliche Kriegsgräuel: In der von der RSF eroberten Stadt Al-Faschir wurden nach Angaben der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei einem Angriff auf eine Geburtsklinik 460 Menschen ermordet. Geflüchtete aus Al-Faschir berichten von willkürlichen Erschießungen und sexueller Gewalt. 
    Laut den Vereinten Nationen wird die Zivilbevölkerung in Darfur auch aufgrund ihrer Hautfarbe angegriffen, Rassismus spielt eine zentrale Rolle. Die RSF richtet ihre Gewalt gezielt gegen nicht-arabischstämmige Bevölkerungsgruppen – vor allem gegen sesshafte afrikanischstämmige Bauern. 

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    Ethnische Säuberungen und Angriffe auf Wohngebiete, Flüchtlingslager und Krankenhäuser wurden inzwischen dokumentiert.  
    Die Region ist bereits seit Jahrzehnten von ethnischer Gewalt geprägt. Allein zwischen 2003 und 2008 wurden Schätzungen zufolge 300.000 Menschen getötet. Die RSF sind aus den arabischen Dschandschawid-Milizen hervorgegangen, die für die damaligen Verbrechen maßgeblich mitverantwortlich gemacht werden. Auch ihrem jetzigen Anführer Mohammed Hamdan Daglo werden Gräueltaten vorgeworfen. 
    Neben der schieren Gewalt leiden die Menschen im Sudan momentan vor allem unter dem allgegenwärtigen Hunger und der Zerstörung der Infrastruktur. Die medizinische Versorgung ist vielerorts zusammengebrochen, Krankheiten breiten sich aus, Millionen sind auf der Flucht.  

    Massiver Mangel an humanitärer Hilfe 

    Die Arbeit der Hilfsorganisationen ist sehr risikoreich, humanitäre Helfer werden regelmäßig getötet. Hilfsorganisationen berichten, dass die Versorgung der Zivilbevölkerung kaum noch gewährleistet ist. Humanitäre Hilfe wird von den Konfliktparteien selten durchgelassen. 
    Auch Geld fehlt. Für 2025 benötigten die Vereinten Nationen nach eigenen Angaben 4,2 Milliarden Dollar für die humanitäre Hilfe im Sudan. Diese Mittel sollten die dringendsten Bedürfnisse von fast 21 Millionen Menschen decken. 
    Doch Unicef klagte Ende Oktober 2025, dass erst ein Viertel der Mittel tatsächlich verfügbar sei. Dass die Trump-Administration das US-Hilfsprogramm USAID abgewickelt hat, trifft die Region ebenfalls hart: 2024 flossen laut New York Times noch 830 Millionen US-Dollar an Nothilfe in den Sudan. 

    Ein Waffenstillstand scheint nicht greifbar 

    Die internationale Geberkonferenz in Berlin soll drei Jahre nach Kriegsausbruch zivile Akteure zusammenbringen und Staaten motivieren, „Geld zur Verfügung zu stellen, um einfach das unermessliche Leid etwas zu lindern“, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU). Darüber hinaus solle sie dazu beitragen, dass die Menschen im Sudan nicht vergessen werden.  

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    Dass die Konferenz zu Frieden führt, ist allerdings nicht zu erwarten. Zum einen wurden die Kriegsparteien gar nicht eingeladen, weil sie sich nicht auf einen Waffenstillstand eingelassen hatten. Zum anderen gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Konfliktparteien einander annähern.  
    Bislang sind alle internationalen Initiativen, um den Krieg zu beenden oder auch nur einen Waffenstillstand zu vermitteln, gescheitert. Sowohl die Armee als auch die RSF haben sich in der Vergangenheit nicht an Vereinbarungen gehalten. Der sudanesische Verteidigungsminister lehnte Anfang November 2025 einen Waffenruhe-Vorschlag der USA ab und verkündete, die Armee werde ihren Kampf gegen die RSF-Miliz fortsetzen. 
    Eine Karte des afrikanischen Staats Sudan mit seiner Hauptstadt Karthoum
    Eine Karte des afrikanischen Staats Sudan mit seiner Hauptstadt Karthoum (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Uncredited)
    Dass Armee und RSF wüten können, liegt auch daran, dass sie aus dem Ausland unterstützt werden. So kann sich Armeechef Burhan auf Ägypten verlassen. Kairo betrachtet ihn als legitimen Herrscher und lädt ihn regelmäßig ein. Die RSF wirft Ägypten immer wieder vor, Burhan auch militärisch zu unterstützen, was Kairo bestreitet. 
    Die sudanesische Armee wiederum beschuldigt die Vereinigten Arabischen Emirate, der RSF mit Waffen und Söldnern zu helfen. Sie will außerdem Waffen und Munition aus Kenia in RSF-Lagern gefunden haben. 
    Dass der Westen nicht mehr Druck auf die Emirate macht, die Hilfen für die RSF einzustellen, erklärt Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik unter anderem mit guten Verbindungen Abu Dhabis zur Trump-Administration und wirtschaftlichen Interessen.  
    Als wichtiger Rivale der Vereinigten Arabischen Emirate unterstützt die Türkei wiederum die sudanesische Armee. Medienberichten zufolge lieferte Ankara Drohnen, mit denen Stellungen der RSF angegriffen wurden. Die RSF wirft auch Teheran vor, der sudanesischen Armee Drohnen zur Verfügung zu stellen. 
    Schließlich versucht auch Russland, seine Interessen in der Region zu sichern. Mehrere Jahrzehnte stützte sich der Sudan militärisch auf Russland. Kürzlich schlossen die beiden Länder mehrere Abkommen über eine militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. 

    Ein militärisches Patt zwischen Armee und RSF

    Der Konflikt begann im April 2023 in der Hauptstadt Khartum und hat sich schnell auf weitere Gebiete ausgedehnt. Anfangs schien die RSF die Oberhand zu haben. Sie belagerte von der Armee kontrollierte Gebiete im Raum Khartum und eroberte anschließend den Großteil Darfurs, mit Ausnahme Nord-Darfurs, sowie einen Großteil der Region Kordofan im Süden. 
    Doch eine Gegenoffensive der Armee führte zu verheerenden Niederlagen der RSF. Heute stehe der Konflikt fast da, wo er begonnen habe, sagt der Politikwissenschaftler Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik und ehemals Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für den Sudan.   
    Die beiden kriegsführenden Parteien, die Regierungsarmee und die oppositionellen RFS, haben das Land zu weiten Teilen unter sich aufgeteilt.  Die Armee kontrolliert die Küste entlang des Roten Meeres und den Zentralsudan mit der Hauptstadt Khartum. Die RSF beherrscht den größten Teil der Provinz Darfur im Westen Sudans. Beide Armeen sind gleichermaßen hochgerüstet. Und beide haben in den von ihnen kontrollierten Gebieten eigene Verwaltungen errichtet, die den Anschein ziviler Regierungen erwecken und internationale Anerkennung suchen.

    Das Gold des Landes finanziert die Waffen

    Der Sudan ist reich an Rohstoffen wie Öl und Gold. Besonders die Goldminen spielen für den Verlauf des Krieges eine wesentliche Rolle: Beide Kriegsparteien finanzieren ihre Waffen über den Verkauf des Edelmetalls, das häufig über Nachbarländer wie Tschad und Libyen geschmuggelt wird. Das Land war zudem die „Kornkammer Afrikas“ und ein bedeutender Rindfleisch-Exporteur in die Golfstaaten, was das anhaltende Interesse dieser Länder am Sudan erklärt. 
    Beide Kriegsparteien profitieren davon, dass der Sudan über Jahrzehnte mit Waffen beliefert wurde – und weiterhin wird. Ein Ende der Lieferungen ist nicht in Sicht. Der Krieg hat sich schon verselbstständigt, ist zum Spielfeld für private und staatliche Kriegsunternehmer aus aller Welt geworden. Krieg ist für viele Akteure einfach profitabler und einfacher als Frieden. 

    Die Kämpfe haben eine lange Vorgeschichte 

    2019 kam es zu monatelangen Protesten der Bevölkerung gegen Langzeitdiktator Omar Al-Bashir. Dieser hatte sich 1989 an die Macht geputscht und ein islamistisches System errichtet – unterstützt von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Nachbarland Ägypten. Abspaltungsversuche in der Provinz Darfur ließ er gewaltsam niederschlagen. 
    Nach dem Sturz von Al-Bashir 2019 gab es eine zivil-militärische Machtteilung im Land und eine Übergangsregierung, was allerdings nicht zu politischer Stabilität führte. Ein Militärputsch 2021 ging mit dem Versprechen einher, den Übergang zu einer zivilen Regierung zu schaffen. Im Zuge dessen sollten die RSF-Truppen in das Militär eingegliedert werden, was Spannungen auslöste. 
    RSF-Führer Daglo unterstellte Armeechef Burhan, seine Macht nicht aufgeben zu wollen. Mitte April 2023 eskalierte dann der schon länger schwelende Konflikt innerhalb des Sicherheitsapparats. Die militärische Konfrontation ließ das flächenmäßig drittgrößte Land Afrikas mit seinen rund 51 Millionen Einwohnern im Chaos versinken. 

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